Die Chefinnen der Machos


Vor ein paar Wochen habe ich einen vietnamesischen Rapper interviewt. Auch in Vietnam sind Rapper keine Gentlemen. Es gehört zur Berufsehre, ein bisschen machohaft zu sein. Der Rapper erklärte mir gerade, wie er die Feinde seiner Familie hinrichten würde, da schaltete sich seine Managerin ein.

Die zierliche junge Frau, Anfang 20 und maximal 1,50 Meter groß, wies den Rapper zurecht. Das Englisch des Rappers sei ja vollkommen unverständlich, schimpfte sie. Er solle mal ein bisschen langsamer sprechen. Der Rapper schluckte kurz und gehorchte.


Männer in Südostasien sind es gewohnt, dass ihnen Frauen sagen, wo es lang geht – zumindest beruflich. Laut einem Bericht der Personalberatung Grand Thornton sind in Südostasien rund 36 Prozent aller Führungskräfte Frauen. In der Euro-Zone haben die Berater nur 26 Prozent weibliche Mitarbeiter in den Chefetagen entdeckt. Deutschland ist mit nur 18 Prozent weit abgeschlagen.

Wer allerdings glaubt, dass es Frauen in Südostasien einfacher haben, der irrt sich. Auch wenn sie in den Städten beruflich durchstarten, sind sie nicht unbedingt gleichberechtigt. Es herrschen strikte Rollenbilder und Regeln: In thailändischen TV-Soaps werden Frauen regelmäßig vergewaltigt und heiraten kurze Zeit später den Täter. Thailands Junta-Chef Prayuth Chan-o-cha befahl jüngst der beliebten Country-Sängerin Lamyai, weniger mit dem Po zu wackeln. Tatsächlich entschuldigte sich die Country-Sängerin daraufhin. Sie wackelt jetzt weniger.

Karriere und Selbstbestimmung gehen nicht unbedingt Hand in Hand: Eine Bekannte von mir, Ende 20 und unverheiratet, verhandelt mit malaysischen Geschäftsmännern über millionenschwere Immobiliengeschäfte ihrer Familie. Aber ihre Eltern werden unruhig, wenn sie abends um zehn Uhr noch nicht zu Hause ist. Der Vater hat den Chauffeur der Familie zur Überwachung auf sie angesetzt. Nicht nur zu ihrer Sicherheit, sondern auch zur Wahrung der Familienehre. Natürlich gelten für die Söhne der Familie andere Regeln.


Dass viele Frauen in Südostasien nun viel Geld verdienen, liegt auch daran, dass von ihnen schon immer verlangt wurde, hinaus in die Welt zu gehen und zum Familieneinkommen beizutragen. Sogar an die Front wurden sie geschickt. Dadurch sind sie aber von anderen traditionellen Pflichten für Frauen entbunden. Auch übernehmen Männer dafür nicht mehr häusliche Arbeit: Im Vietnamkrieg drückte man Vietnamesinnen Sturmgewehre in die Hand, damit sie Jagd auf amerikanische GIs machen. Anschließend ging es an den Abwasch und zur Kinderbetreuung.

Weil Töchter stets mitverdienen sollten, hatte die Ausbildung der Frauen schon länger einen hohen Stellenwert. Mittlerweile gehen in Thailand deutlich mehr Frauen auf die Universität als Männer. In manchen anspruchsvollen Branchen sind Thailänderinnen bereits in der Überzahl, zum Beispiel in der Finanzindustrie. “Wir hätten gerne mehr männliche Mitarbeiter in einigen Bereichen”, beschwerte sich jüngst Ruchanee Nopmuang, Vize-Präsidentin der Bangkok Bank in einem Interview. 66 Prozent des Personals des Geldinstituts sind Frauen, bei der jüngsten Einstellungsrunde waren es sogar 73 Prozent.

Langsam werde das zum Problem für das Institut, sagt Ruchanee. Für die Frauen seien Besuche zu weit entfernten Kunden schließlich schwierig: Sie müssten sich ja um die Kinder kümmern.