Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg warnt vor kostenlosem Nahverkehr

Die Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, warnt vor kostenlosem Nahverkehr in Städten. Wo es ihn bereits gebe, seien "vor allem Fußgänger und Radfahrer auf den ÖPNV umgestiegen", sagte Henckel der Zeitung "Welt"

Die Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, warnt vor kostenlosem Nahverkehr in Städten. Wo es ihn bereits gebe, seien "vor allem Fußgänger und Radfahrer auf den ÖPNV umgestiegen", sagte Henckel der Zeitung "Welt" (Montagsausgabe). "Die Bundesregierung will aber an den Autofahrer ran, und das wird mit kostenlosem Nahverkehr alleine nicht funktionieren." Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, Kinder und Jugendliche sollten gratis fahren.

Die Idee eines kostenlosen Nahverkehrs war vor einigen Tagen von der Bundesregierung als mögliche Maßnahme zur Verbesserung der Luft in den Städten an Brüssel gemeldet worden. Sie könnte zunächst in einigen Modellstädten getestet werden.

"Der Vorschlag der Bundesregierung wird eine Kostenspirale in Gang setzen", sagte Henckel. Deutlich steigende Passagierzahlen machten hohe Investitionen in die bereits jetzt vielfach überlasteten Verkehrssysteme nötig. Bahnhöfe und Knotenpunkte müssten rasch ausgebaut werden, gebraucht würden mehr Züge, dichtere Takte und mehr Personal. In der Hauptstadtregion käme der ÖPNV allein durch einen Anstieg der Passagierzahlen um rund zehn Prozent an seine Grenze.

Hofreiter forderte in der "Bild am Sonntag": "Für alle Kinder und Jugendlichen muss der Nahverkehr bundesweit kostenfrei sein." Finanziert werden soll dies aus den derzeitigen Geldern für die Schülertickets und aus dem Bundeshaushalt. "Das ist machbar und sinnvoll", so der Grünen-Fraktionschef.

Einer Umfrage zufolge würden 67 Prozent der Bundesbürger Bus und Bahn stärker nutzen, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos wären. 31 Prozent sagten, sie würden das nicht tun, zwei Prozent waren unsicher oder machten keine Angabe, wie die Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" weiter ergab. Befragt wurden am vergangenen Mittwoch 503 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger.