Was schlechtes Feedback bei Mitarbeitern auslöst


Der Chef hat selbst den Schreibtisch voll Arbeit. Da fällt ihm auch noch auf, dass seinem Mitarbeiter ein Fehler unterlaufen ist. Ohne sich vorher Gedanken zu machen, weist der Vorgesetzte den Angestellten mit wenigen Worten spontan zurecht – in der Hoffnung, dass solche Patzer in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Doch anstatt Verständnis für das Feedback des Chefs zu haben, fühlt sich der Mitarbeiter zurückgesetzt und persönlich angegriffen – und sucht die Nähe zu Kollegen.

Reaktionen wie diese auf Rückmeldungen des Vorgesetzten kommen häufig vor, wie nun eine Studie von Paul Green, Doktorand der Harvard Business School, zeigt. Dazu beobachtete er in einem Unternehmen das Verhalten von 300 Mitarbeitern auf positives und negatives Feedback vom Chef.

Das Ergebnis: Je negativer die Rückmeldung des Vorgesetzten ausfiel, desto eher versuchten die Angestellten, innerhalb der Organisation neue Netzwerke zu knüpfen. Einige wenige Studienteilnehmer akzeptierten das Feedback des Chefs und versuchten, ihre Leistung zu verbessern.


In vielen Fällen nahmen die Mitarbeiter die Äußerung des Vorgesetzten als Bedrohung für das eigene Selbstbild wahr – und suchten die Nähe zu anderen, um ihr Selbstbild aufrecht zu erhalten. „Shoppen nach Bestätigung“ nennt Green das Verhalten.

Dabei haben die meisten Chefs mit ihrer Rückmeldung gar keine tiefgründigen negativen Absichten, wie die Untersuchung zeigt: Sie haben meist ein naives Bild von Feedback-Prozessen und gehen davon aus, dass die Mitarbeiter ihrer Fehler einsehen und sich künftig bessern wollen.

Das Ziel von Feedback-Gesprächen ist, das Vertrauen zwischen Chef und Mitarbeiter zu stärken und letzten Endes dadurch die Leistung des Unternehmens – also wichtige Kennzahlen wie Umsatz oder Gewinn – zu steigern.

Mit einer negativ wahrgenommenen Rückmeldung erreicht der Vorgesetzte tatsächlich genau das Gegenteil. Diejenigen Mitarbeiter, die während der Untersuchung versuchten, Beziehungen zu anderen Kollegen aufzubauen, erbrachten eine schlechtere Leistung als zuvor. „Organisationen müssen Wege finden, das Bedürfnis der Mitarbeiter nach Bestätigung des eigenen Selbstbildes zu erfüllen“, meint Green. Andernfalls würden die Mitarbeiter keine bessere Performance zeigen.


Bereits frühere Studien zeigten, dass Angestellte oftmals auf der Suche nach Feedback sind – und Bestätigung einfordern.

Feedback sollte ein Vorgesetzter nur dann formulieren, wenn er auch tatsächlich in der Lage dazu ist, also selbst einen Überblick über die Situation hat. Zudem sollte der Zeitpunkt richtig gewählt sein: Der Chef sollte die Rückmeldung zu einem Ereignis zwar zeitnah, nicht aber zwischen Tür und Angel geben.

Und ganz wichtig ist: Die Rückmeldung sollte möglichst konkret formuliert sein sowie Ich-Botschaften und Perspektiven – wie man es besser machen kann – beinhalten.