Chef von Kobe Steel tritt wegen Skandals um gefälschte Produktangaben zurück

Kobe-Steel-Chef Hiroya Kawasaki

Fünf Monate nach Auffliegen des Skandals um gefälschte Produktangaben beim japanischen Stahlkonzern Kobe Steel hat der Chef seinen Rücktritt angekündigt. Hiroya Kawasaki erklärte am Dienstag, er werde zum 1. April seinen Posten räumen. Ein Nachfolger soll in den kommenden Tagen ernannt werden. Er solle "umgehend" die Reformen angehen, die nötig seien, damit "solche Probleme nicht noch einmal auftreten".

Anfang Oktober hatte Kobe Steel erklärt, Angestellte hätten Angaben über Produkte "geschönt" oder einfach erfunden, um die ehrgeizigen Vorgaben ihrer Vorgesetzten zu erfüllen. Nach und nach kam heraus, dass dies nicht nur in einer Abteilung der Fall war, und nicht nur in einem begrenzten Zeitraum: Die "schlechten Praktiken" habe es "an zahlreichen Stellen" gegeben, erklärte Konzernchef Kawasaki am Dienstag, und sie seien "tief verankert".

In einigen Fällen würden Produkte bereits seit den 70er Jahren mit gefälschten Angaben ausgeliefert; mit einigen Kunden habe sich der Konzern diskret auf Entschädigungen geeinigt.

Insgesamt sind nach ersten Angaben von Kobe Steel über 500 Kunden betroffen - eine unabhängige Untersuchungskommission fand aber 163 mehr, so dass sich die Gesamtzahl mittlerweile auf fast 700 beläuft. Beliefert wurden vor allem Unternehmen in Japan wie Toyota, Honda und Mazda, aber auch im Ausland wie General Motors oder Boeing.

Konzernchef Kawasaki erklärte, der Vertrauensverlust der Kunden sei "zutiefst bedauernswert". Kobe Steel beliefere seine Kunden seit mehr als 112 Jahren. Neben dem Chef treten auch mehrere hohe Manager zurück, manche verzichten auf Teile ihres Gehalts.

Die finanziellen Folgen des Skandals beziffert das Unternehmen auf zehn Milliarden Yen (77 Millionen Euro). Trotz des Skandals steht Kobe Steel gut da: Anfang Februar erhöhte der Konzern sogar aufgrund der "stabilen Nachfrage" seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Kobe Steel erwartet einen Nettogewinn von umgerechnet 346 Millionen Euro.

Der Aktienkurs des Stahlkonzerns war nach Bekanntwerden des Skandals um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Mittlerweile hat er sich erholt, das Minus liegt noch bei 19 Prozent.