Chef von Disney-Animation nimmt Auszeit - Lasseter soll Frauen belästigt haben

Disney-Animationschef Lasseter

Nach Vorwürfen der Belästigung von Mitarbeiterinnen nimmt der Chef der Disney-Animationsfilmsparte, John Lasseter, eine Auszeit. Er entschuldige sich bei allen, die von ihm "unerwünschte Umarmungen" oder andere Gesten erhalten hätten, die "in irgendeiner Weise oder Form eine Grenze überschritten" hätten, schrieb Lasseter in einem am Dienstag von Disney veröffentlichten internen Memo.

Der Oscar-gekrönte Regisseur von Erfolgsfilmen wie "Toy Story" und "Cars" räumte ein, er habe in den Animationsfilmstudios nicht ausreichend für eine Kultur von Vertrauen und Respekt gesorgt. In jüngster Zeit habe er "eine Reihe schwieriger Gespräche gehabt, die sehr schmerzhaft für mich waren". Dabei sei ihm zu verstehen gegeben worden, dass er einigen Mitarbeitern das Gefühl gegeben habe, nicht ausreichend respektiert zu werden.

Seine Angestellten hätten das Recht, ihre eigenen Grenzen zu ziehen und deren Einhaltung durchzusetzen, "egal, wie gutartig meine Absichten sind", fügte Lasseter hinzu. Mit dem Disney-Management habe er sich auf eine sechsmonatige Sabbatzeit geeinigt, während der er sich über sein künftiges Verhalten klar werden wolle.

Ein Sprecher von Disney erklärte, das Unternehmen schätze die "Aufrichtigkeit" Lasseters und seine "ehrliche Entschuldigung" und unterstütze seine Sabbatzeit.

Das Branchenmagazin "The Hollywood Reporter" berichtete unter Berufung auf zahlreiche, nicht namentlich genannte Quellen von einem "Muster mutmaßlichen Fehlverhaltens", das Insider von Disney und Lasseters vorherigem Arbeitgeber Pixar beschrieben hätten. Ein Pixar-Angestellter wurde mit den Worten zitiert, Lasseter sei bekannt gewesen für "Grapschen, Küssen und Kommentare über körperliche Attribute".

Viele der Quellen behaupteten, Lasseter habe bei Betriebsveranstaltungen sehr viel getrunken - einige Frauen bei Pixar hätten gewusst, dass sie sich schnell abwenden mussten, um nicht geküsst zu werden.

In einem anderen Fall wurde der lange einflussreiche Fernsehmoderator und Journalist Charlie Rose nach einer Reihe von Belästigungsvorwürfen endgültig entlassen. Die Anstellung des 75-Jährigen sei mit sofortiger Wirkung "beendet" worden, teilte der US-Sender CBS News mit. Damit reagiere der Sender auf das "extrem verstörende und nicht zu tolerierende Verhalten" von Rose gegenüber mehreren Frauen.

Auch der öffentlich-rechtliche Sender PBS beendete die Zusammenarbeit mit Rose und nahm seine Sendungen aus dem Programm. Zunächst hatten CBS News und PBS Rose suspendiert. Der 75-Jährige zählte bislang zu den renommiertesten Journalisten des Landes und interviewte unter anderen den ehemaligen südafrikanischen Staatschef Nelson Mandela, die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama sowie den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

Laut einem Bericht der Zeitung "Washington Post" erhoben mindestens acht Frauen Anschuldigungen gegen Rose. Demnach belästigte der Moderator seit den 90er Jahren bis mindestens 2011 mehrere Mitarbeiterinnen mit anzüglichen Telefonanrufen und unangemessenen Berührungen oder entblößte sich unaufgefordert vor ihnen. Mehrere Stunden nach seiner Entlassung erhoben drei weitere Frauen Belästigungsvorwürfe gegen Rose. Es handelte sich um Mitarbeiterinnen von CBS News, wie der Sender mitteilte.

Rose hatte sich am Montag für sein Fehlverhalten entschuldigt. "Ich habe mich manchmal taktlos verhalten und ich übernehme die Verantwortung dafür", twitterte er. Allerdings glaube er nicht, "dass alle diese Anschuldigungen zutreffen".

Anfang Oktober hatte der Skandal um den vormals einflussreichen Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein eine Welle von Enthüllungen über sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungsvorwürfen gegen Prominente ausgelöst.

Einer Umfrage zufolge wurden 60 Prozent der Frauen in den USA nach eigener Aussage bereits sexuell belästigt. Mehr als zwei Drittel dieser Fälle ereigneten sich am Arbeitsplatz, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten landesweiten Umfrage der Quinnipiac-Universität hervorging.