Chef von Air France-KLM tritt nach Niederlage im Tarifstreit zurück


Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM  taumelt in eine schwere Krise: Air France-KLM-Chef Jean-Marc Janaillac hat am Freitagabend seinen Rücktritt bekanntgegeben, nachdem eine Mehrheit der Beschäftigten seine Kompromissangebot für eine Lohnerhöhung um sieben Prozent abgelehnt hat.

„Janaillac zieht die persönlichen Konsequenzen aus diesem Votum und beruft die Verwaltungsräte von Air France-KLM sowie Air France für den 9. Mai ein, denen er seinen Rücktritt mitteilen wird“, teilte die Airline am Freitag mit. 

Janaillac war seit Juli 2016 Chef der Fluggesellschaft, deren französischer Teil seit Jahren immer wieder von Arbeitskämpfen erschüttert wird. Der 65-Jährige gilt als ein Manager mit Feingefühl für Sozialpartnerschaft. Ihm war zugetraut worden, das Unternehmen in ein ruhigeres Fahrwasser zu steuern, was anfangs auch gelang.

Anfang April begann jedoch eine Auseinandersetzung um Lohnerhöhungen, die vor allem von den Piloten ausging. Infolge mehrerer Sanierungsprogramme hatten die Beschäftigten bei den Vergütungen kürzer treten müssen. Gleichzeitig wurde die Billig-Airline Transavia etwas ausgebaut und in diesem Jahr eine neue Gesellschaft namens Joon aus der Taufe gehoben. 

2017 hatte Air France-KLM mit einem ordentlichen Gewinn abgeschlossen, auch wenn die Rentabilität längst nicht auf dem Niveau der europäischen Mitbewerber liegt. Das Personal verlangte nun einen Ausgleich für die vorübergehende Zurückhaltung.

Die Forderung der Piloten, die zu den bestbezahlten in Europa zählen, ist zweistellig. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich der Konflikt hochgeschaukelt. Janaillac wollte dem Personal entgegenkommen, hielt aber speziell die Forderung der Piloten für überzogen.

Sein Kompromiss – eine Anhebung um sieben Prozent innerhalb von vier Jahren, davon zwei Prozent sofort – lehnten die Gewerkschaften ab. Janaillac setzte daraufhin alles auf eine Karte und organisierte eine unternehmensinterne Abstimmung. An der beteiligten sich innerhalb einer Woche 80 Prozent der 46.800 Air-France-Mitarbeiter. Mit 55 Prozent stimmten sie gegen das Kompromissangebot. 


Ihre Ablehnung provoziert nicht nur den Rücktritt des Air-France-KLM-Chefs, der die Lage offenbar falsch eingeschätzt hat. Sie verschärft auch den Konflikt innerhalb der Gruppe mit den Niederländern von KLM.

Trotz einiger guter Jahre liegt die Umsatzrendite bei Air France unter vier Prozent. Bei KLM beträgt sie neun Prozent. Die Niederländer haben zunehmend die Nase voll davon, dass sie das Geld verdienen, das die Air-France-Piloten bekommen.

„Unsere Piloten verdienen 175.000 Euro im Jahr, die von Air France über 200.000, dafür verschränken sie jetzt die Arme“, zitieren holländische Medien einen KLM-Manager. Die holländischen Gewerkschaften rufen ihren französischen Kollegen zu: „Wacht mal auf! Wenn ihr den Chef loswerden wollt, hilft das nur der Konkurrenz!“ 

Seit Ende Februar musste das Unternehmen bereits an 13 Streiktagen zahlreiche Flüge streichen, es beziffert die Kosten durch die Protestaktionen auf mindestens 300 Millionen Euro. Im ersten Quartal, dessen Ergebnisse am Freitagmorgen veröffentlicht wurden, schrieb Air-France-KLM erneut rote Zahlen: 270 Millionen Euro Verlust flog die Gesellschaft ein. In dieser Lage hat der fortgesetzte Arbeitskampf schon selbstmörderische Züge.