Charly Hübner: Das macht seine Liebesszenen so berührend

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Charly Hübner: Das macht seine Liebesszenen so berührend

"Magical Mystery", "Polizeiruf"... Liebesszenen mit Charly Hübner wohnt stets ein besonderer Zauber inne. Woran das wohl liegt, dafür hat der Schauspieler eine interessante Erklärung.

Schauspieler Charly Hübner (44) ist ab Donnerstag (31.8.) in der Sven-Regener-Romanverfilmung "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" im Kino zu sehen. Und ähnlich wie in seiner Paraderolle des coolen Kommissars Bukow im Rostock-"Polizeiruf" fallen in dem Techno-Roadmovie - neben der wilden Optik des Hauptdarstellers - vor allem auch die Liebesszenen wieder ganz besonders auf. Kollege Detlev Buck (54) nennt sie in einem Interview sogar seine "Lieblingsszenen im Film". Doch was macht diese Szenen so besonders? spot on news hat unter anderem das bei Charly Hübner nachgefragt...

Die Story von "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt"

Eingebettet sind besagte Liebesszenen in diese Geschichte: Mitte der 1990er Jahre trifft Karl Schmidt (Charly Hübner) in Hamburg durch einen Zufall seine alten Kumpels wieder. Während Karl am Tag der Maueröffnung einen Nervenzusammenbruch erlitt und in einer Therapie-WG landete, sind die alten Freunde mittlerweile zu Stars der deutschen Techno-Szene geworden. Mit ihrem erfolgreichen Berliner Plattenlabel Bumm Bumm Records - Detlev Buck spielt dessen Chef Ferdi - wollen sie eine "Magical Mystery"-Tour durch Deutschland machen, um den Rave der 1990er mit dem Hippiegeist der 1960er zu versöhnen.

Dazu brauchen sie einen Fahrer, der immer nüchtern bleiben muss. Da kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr auf das triste Leben in seiner WG. Es beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip durch Deutschland... Eine Handvoll Techno-Freaks, darunter auch DJane Rosa (Annika Meier), betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler - was kann da schon schiefgehen?

Charly Hübner, was halten Sie denn von der Buchvorlage zum Film und der Geschichte generell?

Charly Hübner: Das Buch und die Welt, die Sven Regener [Autor] darin erschaffen hat, berühren mich sehr. Dass dieser Karl Schmidt, der selbst so uneitel ist und sich so überhaupt nicht im Zentrum sieht, dass der zum Zentrum einer Geschichte wird, ist toll. Antiheld wäre für ihn ja noch eine Übertreibung, er ist noch viel weniger als ein Antiheld. Dass einer, der so geplagt ist mit all den Fragen des Seins, in seiner Qualität als guter Geist, als gute Seele, erkannt wird, das ist sensationell.

Wie gefallen Sie sich denn optisch im Film?

Hübner: Frisur und Masse, meinen Sie (lacht)? Nun ja, Sven Regner schreibt von einem "Berg von einem Mann". Ich bin ja nun kein Zarter, aber wenn man weiß, dass Detlev Buck und Mark Hosemann mitspielen - das sind ja auch beides lange Kerle -, muss es schon einen optischen Unterschied geben.

Frisur und Masse ergaben sich auch aus der Biografie der Rolle?

Hübner: Genau. 1989, am Tag des Mauerfalls, erleidet Karl Schmidt einen Zusammenbruch. Er landet in Ochsenzoll, einer psychiatrischen Einrichtung in Hamburg. Nach dem Klinikaufenthalt zieht er in eine betreute Anti-Drogen-WG. Zu Beginn des Films ist er seit vier Jahren dort. Hinter ihm liegen vier Jahre heimlich Eisbecher essen und Kette rauchen. Außerdem hat er vier Jahre lang nicht am Modewettbewerb teilgenommen und seine Haare nicht geschnitten.

Welche Rolle spielt das Aussehen von Karl Schmidt für die Liebesgeschichte im Film?

Hübner: Es ist doch auch das Schöne an der Lebensgeschichte von Karl Schmidt, dass die obercoolste Lady von allen, Rosa (Annika Meier), gleich im ersten Moment erkennt, dass es hier um mehr geht: Sie verliebt sich in diesen Berg von Seele. In den, der am wenigsten dem Schönheitsideal entspricht. Der nicht schlank und rank ist, der alles in sich trägt, was an Problemen existiert. Das ist aber egal, denn er ist cool. Das finde ich philosophisch grandios.

Die Liebesszenen zwischen Ihnen beiden sind berührend, obwohl Karl nicht viel sagt. Und auch im "Polizeiruf" fallen die zarten Annäherungen von Kommissar Bukow (Hübner) und Profilerin König (Anneke Kim Sarnau) immer angenehm auf. Woran liegt das?

Hübner: Keine Ahnung! Bei Karl und Rosa hat es vielleicht damit zu tun, dass die beiden so gegensätzlich sind. Und anstatt seine Begeisterung mit einem coolen Satz zu überspielen, zeigt Charlie einfach nur ehrlich mit den Augen: "Boah ist die schön!" Wenn du so introvertiert bist wie Karl Schmidt, kannst du das nur mit den Augen sagen. Vielleicht ist das der Effekt, der beim Zuschauer die Rührung auslöst? Sascha Bukow ("Polizeiruf") ist viel mutiger und stärker als Karl Schmidt. Aber auch er und Kollegin Katrin König sind sehr gegensätzlich und nicht die Größten, wenn es darum geht, über Gefühle zu sprechen. Vielleicht rührt gerade diese Unbeholfenheit...

Warum sollte man den Film unbedingt auf der großen Leinwand im Kino ansehen?

Hübner: In Zeiten von Internet und Videolinks, einen Kinofilm im Kino zu sehen, ist das Beste, weil er da einfach hingehört. Kleinigkeiten, die wir im Spiel nur mit dem Auge oder dem Mundwinkel machen, sind auf der Kinoleinwand Pointen. Außerdem wirken die Tanzszenen fast wie 3D.

Foto(s): DCM/Gordon Timpen, DCM/Gordon Timpen, DCM/Gordon Timpen, DCM/Gordon Timpen, SMPSP, DCM/Gordon Timpen, SMPSP