"Chaotisch"! WADA empört über CAS-Urteil

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) will die Aufhebung der Sperren gegen russische Athleten nicht akzeptieren

Mit dramatischen Worten hat Vizepräsidentin Linda Helleland von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nach der Aufhebung der lebenslangen Doping-Sperren gegen mehrere russische Sportler Alarm geschlagen.

"Die Situation ist chaotisch und unhaltbar und kann nicht länger akzeptiert werden", erklärte Norwegens Jugend- und Gleichberechtigungsministerin in einem Schreiben an den Branchendienst insidethegames.com: "Saubere Athleten und Sportfans in der ganzen Welt haben das Vertrauen verloren, und die verschiedenen Verbände laufen Gefahr, sämtliche Glaubwürdigkeit zu verlieren."

Helleland sieht nach dem Urteil des internationalen Sportgerichtshofes CAS zugunsten der ursprünglich vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Staatsdoping-Skandal gesperrten Russen eine rote Linie für den Umgang mit der Dopingproblematik überschritten.

"Worte allein säubern den Sport nicht. Es ist Zeit aufzustehen und zu sagen, dass das aufzuhören hat. Es ist Zeit zu handeln."

WADA-Finanzierung in Gefahr

Aus Sicht der früheren Sportministerin ihres Landes stehen besonders auch die finanziellen Mittel der WADA-Mitgliedsländer für die Dopingbekämpfung auf dem Spiel.

"Ohne Glaubwürdigkeit werden Regierungen in der ganzen Welt anfangen zu fragen, wofür ihre Gelder ausgegeben werden. Die Regierungen müssen an das Anti-Doping-System glauben können, ein System mit Transparenz und Integrität."

Helleland deutete außerdem die Einleitung einer unabhängigen Untersuchung der Abläufe in der "Causa Russland" an. Nähere Angaben zu ihren Pläne machte die WADA-Spitzenfunktionärin nicht.

"Seit der Veröffentlichung des McLaren-Reports zum systematischen Doping in Russland habe ich die verschiedenen Entscheidungen und die Konsequenzen daraus mit großer Besorgnis verfolgt", sagte Helleland zu ihrer Motivation zur Aufarbeitung der Entscheidungskette im Staatsdoping-Skandal.