Corona-Chaos: Warum die Premier League tief im Dilemma steckt

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Die Premier League wird von einer bedrohlichen Corona-Welle überrollt. Der erste Trainer fordert nun Spieltagsabsagen - dagegen sprechen allerdings einige Gründe.

Jürgen Klopp, Trainer von Liverpool während des Premier League Spiels zwischen Liverpool und Newcastle United
Die Lage in der Premier League wird immer prekärer. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

Jüngstes Opfer der Corona-Welle im englischen Fußball: der FC Chelsea. Am Rande des Spiels gegen den FC Everton gaben die Blues bekannt, dass Timo Werner, Romelu Lukaku, Callum Hudson-Odoi und der verletzte Ben Chilwell positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Auch Nationalspieler Kai Havertz fehlte wegen des Verdachts auf eine Infizierung, die Bestätigung steht noch aus.

Dabei ist der FC Chelsea längst nicht der einzige englische Klub, dem die höchstansteckende Omikron-Variante aktuell gewaltige Probleme bereitet.

Zahlreiche Spiele werden abgesagt

Tottenham Hotspur musste aufgrund einer zweistelligen Anzahl von Infektionen sowohl das Spiel gegen Stade Rennes als auch die Partie gegen Brighton & Hove Albion verschieben. Das für Donnerstag angesetzte Spiel gegen Leicester City wurde ebenfalls verlegt.

Auch Manchester United blieb von der Corona-Welle nicht verschont. Nach dem Sieg gegen Norwich in der vergangenen Woche wurden einige Spieler und Mitglieder des Staffs positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Folge: Die Partien gegen den FC Brentford und Brighton & Hove Albion mussten verschoben werden.

Auch beim FC Liverpool, beim FC Watford und diversen anderen Klubs traten in den vergangenen Tagen mehrere Corona-Fälle auf, insgesamt sechs Partien mussten bereits vorsorglich abgesetzt werden.

Klubs droht Verlust von Fernsehgeldern

Es wird deutlich: Die Premier League versinkt mehr und mehr im Corona-Chaos. Angesichts der zahlreichen Ausfälle beispielsweise beim FC Chelsea droht sogar das Titelrennen zur Lotterie zu verkommen.

Brentfords Trainer Thomas Frank forderte aus diesem Grund eine Absage des kompletten Spieltags sowie der nächsten Runde im Carabao Cup, "um Hygienemaßnahmen sicherzustellen und die Infektionskette zu unterbrechen".

Die Absage von Spieltagen oder gar eine Unterbrechung der Saison würde jedoch eine Reihe von nicht zu vernachlässigenden Problemen mit sich bringen. Zum einen könnte den Premier-League-Klubs in diesem Fall ein exorbitanter Verlust von TV-Geldern drohen. Laut "The Athletic" beratschlagen sich die internationalen Fernsehsender bereits über die möglichen finanziellen Auswirkungen von Spielausfällen und denken offenbar darüber nach, bei weiteren Absagen Geld zurückzufordern.

Die englischen Klubs könnte dies teuer zu stehen kommen. Laut "The Athletic" mussten die Spitzenvereine aufgrund der Unterbrechung der Premier-League-Saison 2019/20 insgesamt rund 390 Millionen Euro an die Fernsehpartner zurückzahlen.

Vielleicht auch aus diesem Grund sieht Chelsea-Coach Thomas Tuchel weitere Spielabsagen eher skeptisch: "Ich weiß nicht, ich will mich nicht in die politischen Dinge einmischen. Wenn sie entscheiden, dass wir spielen müssen, dann spielen wir", sagte Tuchel beim Sender "BT Sport".

Absagen würden zu Überlastung des Spielplans führen

Unter den Premier-League-Klubs scheint generell ein großer Konsens darüber zu herrschen, dass die Saison um jeden Preis weitergehen muss.

Neben der Gefahr von finanziellen Verlusten spräche auch eine mögliche Überlastung des Spielplans gegen weitere Absagen. Es gibt nur wenige Termine, an denen die verschobenen Spiele in nächster Zeit ausgetragen werden könnten, beispielsweise in der geplanten Winterpause zwischen dem 23. Januar und dem 7. Februar oder an den Wochenenden Anfang Januar und Februar, an denen planmäßig die dritte und vierte Runde des FA-Cups stattfinden soll.

Ansonsten müsste der sowieso schon eng getaktete Spielplan beinahe überstrapaziert werden, um für alle Spiele geeignete Nachholtermine zu finden.

Hinzu kommt, dass die Katar-WM bereits im November 2022 beginnt und somit mitten in der Winterpause stattfindet. Aus diesem Grund wurde der Beginn der Premier-League-Saison 2022/23 auf den 6. August vorverlegt, die EFL beginnt sogar noch früher. Der Spielraum für eine mögliche Verlängerung der aktuellen Saison ist somit äußerst begrenzt.

Klopp plädiert für flexibleren Spielplan

Auch Liverpool-Trainer Jürgen Klopp spricht sich gegen eine Absage von Spieltagen aus: "Ich sehe keinen großen Nutzen. Wenn wir dann wiederkommen, ist es noch immer dasselbe." Stattdessen plädiert der ehemalige BVB-Coach für einen flexibleren Spielplan, "besonders für Mannschaften, die nicht international spielen".

Die englischen Klubs scheinen in jedem Fall alles daran zu setzen, weitere Spielabsagen zu verhindern. Die Vereine ergriffen in der vergangenen Woche Notfallmaßnahmen, unter anderem werden Spieler und Mitarbeiter dreimal pro Woche getestet und sind zudem verpflichtet, auf dem gesamten Trainingsgelände eine medizinische Maske zu tragen.

Auch für die Fans gab es neue Beschränkungen: In allen Stadien, die mehr als 10.000 Zuschauer*innen fassen, müssen Fans künftig eine doppelte Impfung oder einen negativen Test vorweisen können.

Trotz aller Notfallmaßnahmen und der Gründe, die gegen die Absage von Spieltagen sprechen, ist klar: Falls die Corona-Fälle in den Vereinen weiterhin so rasant ansteigen, ist eine Unterbrechung der Saison wohl kaum zu vermeiden.

Im Video: 2 nach 10 - Corona-Chaos in England - Jetzt wird die Premier League zur Lotterie!

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