Chaos bei Argentinien: Sampaoli entmachtet - Messi stellt Team auf

Florian Schimak, Sportinformationsdienst
Wer ist hier der Boss? Coach Jorge Sampaoli scheint bei Argentinien aktuell nur noch ein Strohmann zu sein

Argentinien steht am WM-Abgrund. Ein Punkt aus zwei Spielen, das ist zu wenig für die Albiceleste und Lionel Messi.

Coach Jorge Sampaoli drohte bereits kurz nach der bitteren 0:3-Pleite gegen Kroatien die Entlassung, der Verband hielt aber an ihm fest.

Unklar ist allerdings, ob er noch etwas zu sagen hat.

Argentinische Medien bezeichnen ihn nur noch als "nominellen Trainer" (Olé), von einer Entmachtung ist die Rede.

Beim Sonntagstraining der Albiceleste hatte man diesen Eindruck. Dort leitete hauptsächlich der Co-Trainer die Einheit, Sampaoli lief lediglich mit Zetteln in der Hand über den Platz.

Sieht so ein Coach aus, der in zwei Tagen sein Team auf das eminent wichtige Spiel gegen Nigeria vorbereiten soll?

 

Ex-Weltmeister: Sampaoli ohne Einfluss

"Die Mannschaft stellt sich selbst auf, das ist Fakt. Wenn Sampaoli gegen Nigeria auf der Bank sitzen möchte, kann er das gerne machen. Wenn nicht, dann eben nicht", sagte Ricardo Giusti, Weltmeister von 1986, der DailyMail.

Stattdessen sollte Giustis ehemaliger Teamkollege Jorge Burruchaga das Team übernehmen, um das Achtelfinale noch irgendwie zu erreichen.

Beim Vizeweltmeister ist wegen des drohenden WM-Ausscheidens die Situation angespannt, die Nerven liegen blank.

Eigentlich war Sampaoli also schon gefeuert, von den Superstars aus dem Amt gejagt. Argentinien wäre jedoch nicht Argentinien, wenn es nicht mit seifenopergleichen Wendungen aufwartete. 

Agüero: "Sampaoli kann sagen, was er will"

Bereits direkt nach dem Schlusspfiff gegen Kroatien sorgte eine Aussage von Sergio Agüero für Aufsehen, als dieser eine Nachfrage zum umstrittenen Coach falsch verstand. "Von mir aus kann Sampaoli sagen, was er will", motze Agüero und ließ damit tief in die mannschaftliche Seele blicken.

"Die Jungs sind rastlos und besorgt. Und als sie gesehen haben, dass ich auch rastlos und besorgt bin, haben sie mir gesagt: 'Lauf weg, tschüss'", bestätigte Sampaoli der argentinischen Zeitung La Nacion.

Verbandspräsident Claudio Tapia soll aber interveniert und Sampaoli am Samstagabend das Vertrauen ausgesprochen haben.

Am Sonntag behauptete Routinier Javier Mascherano dann: "Die Beziehung zum Trainer ist komplett normal."

 

Doch Sampaoli selber bestätigte, dass zumindest sein Verhältnis zu Lionel Messi erheblich gestört ist.

"Ich habe ihm meine Hand gereicht. Ich habe ihm bei Whatsapp eine Nachricht geschickt und ihm gesagt, dass er auf mich zählen kann. Er hat es gelesen und nicht geantwortet", sagte der Trainer.

Messi und Mascherano als Spielertrainer? 

Angeblich sollen Messi und Mascherano das Team nun anführen und für das Spiel gegen Nigeria einstellen. 

Sampaoli hatte dafür nur noch Galgenhumor übrig: "Ich habe die gleichen Kompetenzen wie vorher. Außer, dass Messi die Aufstellung macht und Mascherano die Anweisungen gibt. Ich renne nur am Spielfeldrand auf und ab und schreie mir die Seele aus dem Leib."

Mit einem Sieg würde sich Argentinien noch für das Achtelfinale qualifizieren, aber auch nur, wenn zeitgleich Island gegen Kroatien nicht gewinnt.

Für Messi, der am Sonntag seinen 31. Geburtstag feierte, dürfte diese WM die letzte Chance auf einen großen Titel mit der Nationalmannschaft sein.