Champions League: RB Leipzig: Von der Oberliga in die Champions League

In Rekordgeschwindigkeit hat RB Leipzig in sieben Jahren den Durchmarsch von der Oberliga in die Champions League geschafft. Vor der Königsklassen-Premiere gegen die AS Monaco blickt SPOX auf die Meilensteine dieses Weges zurück.

In Rekordgeschwindigkeit hat RB Leipzig in sieben Jahren den Durchmarsch von der Oberliga in die Champions League geschafft. Vor der Königsklassen-Premiere gegen die AS Monaco blickt SPOX auf die Meilensteine dieses Weges zurück.

2009/10: Der Anfang vor 800 Zuschauern in der Oberliga

Die Anfänge in der Oberliga

Nachdem Red Bull 2005 den österreichischen Erstligisten SV Austria Salzburg übernommen hat und dieser fortan als FC Red Bull Salzburg aufläuft, will sich der Getränkehersteller auch im deutschen Fußball einen Namen machen. Da der Konzern bei verschiedenen Zweitligisten mit dem Antrag scheitert, deren Mehrheitsanteile zu übernehmen, wird kurzerhand am 19. Mai 2009 mit Rasen Ballsport Leipzig ein komplett neuer Verein ins Leben gerufen.

Einen Monat später segnet der Nordostdeutsche Fußballverband den Antrag ab, das Spielrecht des SSV Markranstädt zu übernehmen, sodass dem Start in der Oberliga Nordost Süd nichts mehr im Wege steht. Neben der Startlizenz übernimmt Leipzig auch einen Großteil der Spieler und die Heimspielstätte von Markranstädt.

Am 8. August ist es dann soweit. Vor 800 Zuschauern bestreitet Leipzig bei der zweiten Mannschaft von Carl Zeiss Jena das erste Ligaspiel der Vereinsgeschichte und sichert sich beim 1:1 den ersten Punkt. Am vierten Spieltag übernimmt Leipzig erstmals die Tabellenführung, die ab dem sechsten Spieltag nicht mehr abgegeben wird. Nachdem die Mannschaft in der gesamten Saison nur zwei Niederlagen hinnehmen muss, wird Anfang Mai mit dem 2:0 bei Halberstadt der Aufstieg in die Regionalliga perfekt gemacht.

Trotz der Oberliga-Meisterschaft mit 22 Punkten Vorsprung muss Trainer Tino Vogel am Saisonende seine Koffer packen. Als Begründung führt der Verein die mangelnde Erfahrung des Trainers im anvisierten Profifußball an. Auch von Sportdirektor Joachim Krug trennen sich die Verantwortlichen, Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer übernimmt in der Folge Krugs Aufgaben. Red Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz kündigt an, ab sofort den Fokus weg von der österreichischen Schwester RB Salzburg auf den deutschen Verein zu legen.

2010 - 2013: Neu-Strukturierung mit Rangnick und Zorniger

Rangnick und Zorniger bringen Erfolg zurück

Mit Thomas Oral als neuem Trainer geht Leipzig die Mission Drittligaaufstieg an und zieht in das ehemalige Leipziger Zentralstadion um, das in Red Bull Arena umbenannt wird. Nach drei Remis zum Saisonauftakt glückt am vierten Spieltag in Kiel der erste Sieg. Der anvisierte erste Tabellenplatz und die damit verbundene Aufstiegsrunde zur 3. Liga wird letztlich mit 18 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Chemnitzer FC deutlich verpasst, Oral zum Saisonende beurlaubt. Bereits zuvor hatte sich Red Bull von Beiersdorfer getrennt.

Auch unter dem neuen Cheftrainer Peter Pacult verpasst Leipzig in der Spielzeit 2011/12 den ersehnten Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse. Auf dem Weg zum ersehnten Traumziel Bundesliga droht das Fußballprojekt in der Sackgasse stecken zu bleiben. Gerade als der Konzern unter der Leitung von Dietrich Mateschitz die Geduld zu verlieren droht, werden die für die nächsten Jahre entscheidenden Weichen bei den Personalfragen gestellt.

Zunächst wird der von seinem Trainer-Engagement beim FC Schalke zurückgetretene Ralf Rangnick im Juni 2012 als neuer Sportdirektor installiert, der fortan die Geschicke von Leipzig und Salzburg im Verbund leitet. Eine der ersten Amtshandlungen Rangnicks ist die Entlassung von Pacult. Der bis dato unbekannte Alexander Zornigers wird neuer Cheftrainer.

"Man hat gesehen, dass ein für die Liga überdurchschnittlicher Etat nicht ausreicht. Da spielen noch andere Dinge eine Rolle. Irgendetwas muss doch nicht gestimmt haben, sonst wäre man mit diesen Mitteln erfolgreich gewesen", so Rangnick, der auch die bisherige Vereinsphilosophie kritisch hinterfragt. Während bis dahin hauptsächlich auf etablierte Spieler gesetzt wurde, regt Rangnick ein Umdenken an und legt fortan den Fokus auf Spieler "die hier ihren nächsten Karrierestep sehen". Einer dieser Spieler ist Dominik Kaiser, der für 600.000 Euro von Hoffenheim losgeeist wird.

Nach der Umstrukturierung übernimmt Leipzig am vierten Spieltag 2012/13 die Tabellenführung und verteidigt diese bis Saisonende ohne eine einzige Niederlage erfolgreich. In der Aufstiegsrunde glückt nach einem 2:0 und einem 2:2 n.V. gegen die Sportfreunde Lotte schließlich der lang ersehnte Aufstieg in die 3. Liga.

2013 - 2016: Neue Dimensionen auf dem Transfermarkt

Neue Dimensionen auf dem Transfermarkt

Vor dem Start in die neue Spielklasse knackt der Verein erstmals die Ablösemarke von einer Million Euro. Für Yussuf Poulsen überweisen die Sachsen 1,3 Millionen an Lyngby BK. Zum Saisonstart weist Kapitän Daniel Frahn zwar noch die Favoritenrolle in der ungewohnten Liga von sich, in der Mitte der Hinrunde deutet sich aber bereits der Durchmarsch in die 2. Liga an.

Ab dem 13. Spieltag steht Leipzig stets unter den ersten drei Mannschaften der Tabelle, am 37. Spieltag sichert sich die Mannschaft vor der Rekordkulisse von 42.713 Zuschauern im "wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte" (Rangnick) mit einem 5:1 gegen Saarbrücken den direkten Aufstieg. Der Sportdirektor betont anschließend die "großartige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass wir in der vergangenen Saison noch in der vierten Liga gespielt haben."

Für einen möglichst kurzen Aufenthalt in der 2. Liga legt der Verein vor der Saison 2014/15 auf dem Transfermarkt jegliche Zurückhaltung ab. Bis Ende August kommen unter anderem Massimo Bruno, Marcel Sabitzer und Lukas Klostermann, im Januar folgen Omer Damari und Emil Forsberg. Unter dem Strich stehen Ausgaben von über 23 Millionen Euro. Angesprochen auf die deutsche Meisterschaft sagt RB-Milliardär Dietrich Mateschitz: "Ein paar Jahre vergehen ja schnell, aber irgendwann wird es so sein." Mittelfristig sollen der FC Bayern und Borussia Dortmund angegriffen werden.

Im Laufe der Saison wahrt Leipzig die Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen, jedoch kommt es mit fortschreitender Zeit zu ersten Rissen im Verhältnis des Trainers zu seiner Mannschaft. Darüber hinaus offenbaren sich zwischen Zorniger und Rangnick immer gravierendere Unterschiede bezüglich der Zielsetzung und der sportlichen Ausrichtung.

Nach fünf Spielen ohne Sieg beendet Zorniger im Februar 2016 aus eigenem Antrieb die Anstellung bei Leipzig. Dass er damit nur seiner Entlassung zuvorgekommen ist, gilt als offenes Geheimnis. Achim Beierlorzer übernimmt die Mannschaft interimsweise und führt die Leipziger auf den fünften Tabellenplatz. Nach einer 0:4-Niederlage am 32. Spieltag ist der direkte Durchmarsch in die Bundesliga ad acta gelegt.

2015/16: Mit Trainer-Manager Rangnick in die Bundesliga

Mit Trainer-Manager Rangnick in die Bundesliga

Zur Saison 2015/16 beendet Rangnick seine Doppelfunktion bei Salzburg und Leipzig , um sich fortan einzig und allein auf den deutschen Standort zu konzentrieren. Nachdem sich die Wunschlösung mit Thomas Tuchel auf der Position des Cheftrainers nicht realisieren lässt, übernimmt Rangnick neben seiner Rolle als Sportdirektor kurzerhand selbst den Trainerposten. "Ich freue mich auf diese Aufgabe und den Trainingsstart. Es ist in dieser Situation für uns alle die sinnvollste Lösung."

Für das große Ziel, den Aufstieg in die Bundesliga, wird weiter kräftig in die Mannschaft investiert. Für über 25 Millionen Euro kommen unter anderem Davie Selke, Marcel Halstenberg, Stefan Ilsanker und Willi Orban nach Sachsen. Ab dem 15. Spieltag steht Leipzig immer auf den direkten Aufstiegsplätzen und steigt am Saisonende hinter dem SC Freiburg als Tabellenzweiter erstmals in die Bundesliga auf.

Vor dem entscheidenden 2:0 gegen den Karlsruher SC einigt sich Leipzig nach wochenlangen Spekulationen mit dem FC Ingolstadt auf eine Verpflichtung von Ralph Hasenhüttl. Laut Angaben der Schanzer bezahlt Leipzig für Hasenhüttl "die höchste Ablöse, die bisher für einen Trainertransfer in Deutschland bezahlt wurde".

2016/17: Vizemeisterschaft hinter dem FC Bayern

Vizemeisterschaft hinter dem FC Bayern

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga stößt Leipzig auf dem Transfermarkt in noch höhere Sphären vor. Für Timo Werner und Naby Keita wird jeweils die Schallmauer von zehn Millionen Euro durchbrochen, kurz vor Ende der Transferfrist steigt Oliver Burke für 15,2 Millionen Euro zum vereinsinternen Rekordtransfer auf.

Beflügelt von der Euphorie des Last-Minute-Sieges gegen Borussia Dortmund am zweiten Spieltag marschiert Leipzig zwischendurch zu acht Siegen in Folge und erobert am 11. Spieltag zum ersten Mal die Tabellenführung vom FC Bayern.

Der Rekordmeister ahnt langsam, dass in dem Aufsteiger ein ernsthafter Konkurrent um die nationale Vormachtstellung erwachsen könnte. Uli Hoeneß freut sich auf der Jahreshauptversammlung auf "einen weiteren Feind (neben Dortmund), den wir jetzt endlich wieder attackieren können." Hasenhüttl reagiert gelassen auf die Spitzen aus der bayerischen Landeshauptstadt: "Sportlich haben wir in ein Wespennest gestochen. Dass es jetzt ein bisschen summt, ist klar."

Ausgerechnet gegen Hasenhüttls Ex-Verein Ingolstadt setzt es die erste Niederlage, zwei Wochen später zeigen die Bayern dem Neuling zum Jahresausklang die Grenzen auf und stellen das nationale Machtverhältnis beim 3:0 wieder her.

Im Frühjahr 2017 bleibt Leipzig zum ersten Mal in der höchsten Spielklasse drei Partien ohne Sieg und muss die Münchner auf dreizehn Punkte davonziehen lassen. Der von vielen Experten prognostizierte Einbruch bleibt aber aus. Im Gegenteil: Am 32. Spieltag ist mit dem 4:1 bei Hertha BSC die direkte Qualifikation für die Champions League unter Dach und Fach gebracht. Hasenhüttl zeigt sich im Anschluss "sehr stolz, es gibt keinen besseren Rahmen, als vor so vielen Fans zu feiern."

An den letzten beiden Spieltagen sichert sich Leipzig noch vor Dortmund die Vizemeisterschaft. Mit dem Remis in Frankfurt zum Saisonausklang wird nur knapp der Punkterekord für einen Aufsteiger verpasst.

2017/18: Premiere in der europäischen Königsklasse

Das erste Mal in der Königsklasse

Um für den Tanz auf drei Hochzeiten gerüstet zu sein, verstärkt Leipzig den Kader im Sommer 2017 unter anderem mit Kevin Kampl, Jean-Kevin Augustin, Bruma und Konrad Laimer. Auf der anderen Seite weckt der Erfolg auch Begehrlichkeiten bei den europäischen Schwergewichten. Durch eine Ausstiegsklausel verpflichtet der FC Liverpool Naby Keita zur Saison 2018/19.

Als Teil des vierten Topfes entgeht Leipzig bei der Auslosung der Gruppenphase der Champions League den absoluten Topvereinen und erwischt mit der AS Monaco, dem FC Porto und Besiktas attraktive, aber machbare Aufgaben. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zeigt sich "nicht unglücklich mit der Gruppe. Wir nehmen sie an und freuen uns darauf, aber wir wissen, dass man keinen Gegner unterschätzen darf."

Mit zwei Siegen aus drei Partien zum Start in die neue Bundesligasaison wähnt sich Leipzig gut gerüstet für das Debüt in der Königsklasse gegen den französischen Meister aus dem Fürstenstaat. "Wir haben mittlerweile mehrere Gesichter und wir werden das rausholen, das notwendig ist", blickt Hasenhüttl der Premiere optimistisch entgegen.

Eine ganz besondere Bedeutung besitzt das Treffen für Dominik Kaiser: "Für mich persönlich ist es ein ganz besonderer Schritt, so weit gekommen zu sein. Die Vorfreude ist daher riesengroß." Der Mittelfeldspieler und einstige Kapitän gehört mittlerweile seit fünf Jahren zum Leipziger Inventar und verkörpert wie kein anderer den kometenhaften Aufstieg von den Dorfplätzen der sächsischen Provinz in die Eliteklasse des europäischen Vereinsfußballs.

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