Champions League: Nächster BVB-Rückschlag: Angst vor dem Aufbäumen

Die handfeste Krise von Borussia Dortmund hat weiter Bestand. Mit dem Verpassen des Champions-League-Achtelfinals ist das erste Saisonziel nun auch rechnerisch in den Sand gesetzt. Der BVB strahlt derzeit kein Aufbäumen gegen die Misere aus, die Angst spürt auch Trainer Peter Bosz.

Die handfeste Krise von Borussia Dortmund hat weiter Bestand. Mit dem Verpassen des Champions-League-Achtelfinals ist das erste Saisonziel nun auch rechnerisch in den Sand gesetzt. Der BVB strahlt derzeit kein Aufbäumen gegen die Misere aus, die Angst spürt auch Trainer Peter Bosz.

"Erklären können wir es nicht wirklich", sagte Michael Zorc vor dem Spiel. "Ich kann es nicht erklären im Moment", sagte Mario Götze danach. "Wenn wir wüssten was los ist, hätten wir es längst repariert", sagte Gonzalo Castro.

Der BVB steht nun bei nur einem Sieg aus den letzten neun Pflichtspielen und ist nach der 1:2-Heimniederlage gegen Tottenham Hotspur auch rechnerisch aus der Champions League ausgeschieden. So ist selbst das Überwintern in der Europa League nicht gesichert, es muss bis zum Schluss gezittert werden.

Gesichert ist in diesen Tagen in Dortmund ohnehin ganz wenig. Einzig das: Die Mannschaft spielt nicht gut und scheint meilenweit entfernt von einer Normalform zu sein.

Bosz: "Variieren ist kein Problem"

Ansonsten aber tüftelt Trainer Peter Bosz schon herum, ein bisschen taktisch und sehr viel personell. Beim 20. Pflichtspiel unter seiner Regie musste Bosz die 13. Viererkettenformation aufs Feld schicken. Der Niederländer rückte gegen die Spurs vom 4-3-3 ab, das praktizierte 4-1-4-1 war jedoch auch die minimalste aller möglicher Abweichungen.

"Wir wollen Druck nach vorne machen. Ich spreche nicht von Systemen, sondern von Prinzipien. Variieren ist kein Problem", sagte Bosz vor der Partie. Doch es scheint alles nicht zu helfen.

Im Gegenteil: Ein stringentes Aufbäumen gegen die Misere strahlt die Dortmunder Mannschaft derzeit nicht aus. Am Dienstagabend blieb man nach dem Führungstor, das 31 recht ordentliche Minuten beschloss, über eine Stunde ohne eigenen Torschuss.

BVB ohne Körpersprache und Mentalität

Bosz sprach im Vorfeld davon, dass Tottenham möglicherweise zu einem guten Zeitpunkt käme, da aktuell wenig von seinem Team erwartet würde. Es war geplant, das Publikum und die Mitspieler untereinander mit einer präsenten Körpersprache mitzunehmen und Vertrauen auszustrahlen.

Dies ging am Tag von Boszs 54. Geburtstag letztlich in die Hose. Wie schon am Freitag in Stuttgart vergeigte der BVB die zweiten 45 Minuten komplett. Jeweils ein frühes Gegentor nach dem Seitenwechsel kappte jegliche Mentalität innerhalb der Truppe.

"Man sieht dann, wie dünn das Vertrauen ist", sagte Bosz über die Folgen des 1:1-Ausgleichs. Seine Spieler versteckten sich auf dem Feld, die Körperspannung ging verloren und der Kopf begann zu rattern. "Wenn wir wüssten, was nach dem 1:1 auch heute wieder passiert ist, dann wären wir um einiges schlauer", rätselte Götze.

Bosz erwidert Vorwurf mangelnder Kondition

In diesen Spielphasen trat nun auch gegen die Engländer der Eindruck auf, den Dortmundern würde es an Frische und Fitness fehlen. Die Spieler wirkten erneut frühzeitig platt, physisch wie mental. Der BVB hatte auf die Distanz gesehen in den zuletzt so missratenen Spielen kaum etwas entgegen zu setzen.

"Es fehlt nicht an Kondition", entgegnete Bosz anschließend entschieden. "Das Gegentor macht etwas mit dem Selbstvertrauen der Spieler - das darf nicht sein. Wie wir bei den Gegentoren verteidigen - das ist nicht gut."

Es geht ein wenig die Angst umher in Dortmund, das fehlende Zutrauen in die eigene Stärke hat auch die Zuschauer bisweilen vereinnahmt. Seitdem feststand, dass das Duell mit den Spurs sportlich nur noch wenig attraktiv ist, kursierten zahlreiche Ticketangebote im Internet. Die sonst vollgepackte Südtribüne kam ziemlich luftig daher. 20 Minuten nach Schlusspfiff war der Signal Iduna Park praktisch geleert. Fußballtempel war am Dienstag nicht.

"Wir müssen gewinnen, auch für meine Position"

Auch Bosz spürt die Angst. Über das nun kaum an Brisanz zu überbietende Derby gegen Schalke am Samstag sagte er im Grunde dasselbe, was er schon am Montag über die Londoner sagte: "Ich glaube, das Derby ist zum jetzigen Zeitpunkt das Beste, was uns passieren kann."

Es ist schwer, momentan in die Köpfe der Dortmunder Vereinsverantwortlichen zu schauen. Aber vielleicht ist das Derby auch das Schlechteste, was jetzt noch passieren kann. Gerade auch für Bosz, der sich nun ersten ernsten Fragen zu seiner Zukunft ausgesetzt sah.

"Von einem Endspiel gegen Schalke würde ich nicht sprechen, aber es ist sicherlich ein sehr wichtiges Spiel", antwortete er. "Wir müssen gewinnen. Auch für meine Position, das ist klar."

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