Champions League: Klopp führt Liverpool ins Halbfinale: Der BVB-Spirit von 2013

Der FC Liverpool ist nach zwei Siegen gegen Topfavorit Manchester City ins Halbfinale der Champions League eingezogen . Das Rückspiel war ein weiterer Schritt im Reifeprozess der Reds, das Selbstvertrauen der Mannschaft wächst. Jürgen Klopp hat einen ähnlichen Spirit wie 2013 beim BVB entfacht - und steht damit vor seinem zweiten Einzug ins Endspiel der Königsklasse.

Der FC Liverpool ist nach zwei Siegen gegen Topfavorit Manchester City ins Halbfinale der Champions League eingezogen. Das Rückspiel war ein weiterer Schritt im Reifeprozess der Reds, das Selbstvertrauen der Mannschaft wächst. Jürgen Klopp hat einen ähnlichen Spirit wie 2013 beim BVB entfacht - und steht damit vor seinem zweiten Einzug ins Endspiel der Königsklasse.

Bei dieser emotionalen Umarmung werden Erinnerungen wach. Zwei alte Weggefährten herzen sich innig und flüstern sich gegenseitig einige Worte ins Ohr.

Es sind wohl Worte des Trostes, die Jürgen Klopp Ilkay Gündogan in diesem Moment zuspricht. Denn soeben hat sich sein FC Liverpool durch einen 2:1-Rückspielsieg bei Manchester City durchgesetzt und das Halbfinale der Champions League erreicht.

Genau fünf Jahre und einen Tag zuvor erlebten die beiden in gemeinsamen Farben einen Abend, den sie nie vergessen werden: das Wunder von Malaga. Damals zog Borussia Dortmund durch zwei Last-Minute-Tore nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal ins Halbfinale des prestigereichsten Vereinswettbewerbs in Europa ein. Mit Klopp als Trainer und Gündogan im schwarz-gelben Trikot, zum Zeitpunkt des Last-Minute-Wahnsinns bereits ausgewechselt.

Zwar war der spätere 4:1-Sieg im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid aufgrund des Gegners noch ein deutlicheres Ausrufezeichen. Dennoch ging jener Abend in Dortmund als der Abend in die Geschichte ein, der den Spirit dieser BVB-Mannschaft in eine Form goss.

Gemeinsam feierten Klopp und Gündogan damals den ersten Einzug ins Champions-League-Halbfinale ihrer Karrieren. Später erreichten sie sogar das Finale in Wembley, das sie gegen den FC Bayern verloren.

Jürgen Klopp mit vorläufigem Höhepunkt seiner Liverpool-Amtszeit

Beinahe auf den Tag genau fünf Jahre später durfte nur einer der beiden jubeln: Jürgen Klopp.

Der 50-Jährige erreichte den vorläufigen Höhepunkt seiner Amtszeit als Trainer des FC Liverpool. Nach dem überragenden 3:0-Heimsieg in der vergangenen Woche machten die Reds durch ein 2:1 auswärts im Etihad ihre erste Halbfinal-Teilnahme nach einer gefühlten Ewigkeit perfekt.

Klopp: "Manchester City war das schwerste Los"

"Wir sind im Halbfinale, das ist verrückt, das ist Wahnsinn", sagte Klopp später im Interview. "Wahnsinn" war der Sieg vor allem aufgrund der widrigen Vorzeichen: "Für mich war Manchester City das schwerste Los, das wir überhaupt bekommen konnten."

Tatsächlich schien City im Vorhinein des Viertelfinals übermächtig. Doch Liverpool profitierte von einer furiosen ersten Halbzeit an der Anfield Road im Hinspiel und einer Mischung aus Spielglück und Reife im Rückspiel.

Denn mit dem Gegentor nach nur 116 Sekunden begann die Partie im Etihad alles andere als planmäßig. Die Reds ließen sich in der Folge tief fallen, schafften es aber trotzdem nicht, die Passwege der Citizens zuzustellen und bekamen keinen Zugriff. Weitere Tore für Guardiolas City schienen nur eine Frage der Zeit zu sein.

"Wir mussten den Wirbelsturm überstehen", ordnete Klopp die erste Halbzeit später ein.

Pep Guardiola und Manchester City hadern mit dem Schiedsrichter

Seine Mannschaft überstand es. Auch weil City kurz vor der Halbzeit durch Bernardo Silva nur den Pfosten traf und Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ein reguläres Tor von Leroy Sane wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung zurückpfiff. Eine Fehlentscheidung, ergo Spielglück. Pep Guardiola protestierte deswegen so lautstark, dass er noch in der Halbzeit auf die Tribüne musste.

Nach dem Seitenwechsel stand Liverpool defensiv stabiler. Vor allem gelang es aber den Offensiven besser, den Spielaufbau der Citizens frühzeitig zu stören. Roberto Firmino und Sadio Mane gingen höher ins Pressing. In der ersten Halbzeit waren beide noch zwei von zehn Spielern am und im eigenen Strafraum gewesen. Einzig Mohamed Salah hatte vorne gewartet und war völlig abgeschnitten.

Salah entscheidet das Viertelfinale der Champions League für Liverpool

Doch natürlich war es der Ägypter, der die Partie mit seiner Extraklasse in der 56. Minute zugunsten der Citizens entschied: Nachdem Mane sich gegen zwei Verteidiger durchgesetzt hatte und elfmeterreif gefoult worden war, landete der Ball links im Sechzehner bei Salah. Dieser chippte das Ding eiskalt und mit seinem ganzen Selbstbewusstsein über Ederson hinweg zum 1:1 ins Tor.

Milner lobt Charakter der Liverpool-Mannschaft

"Uns war klar, dass wir die Stimmung durch ein Tor killen können", sagte Klopp. Und er behielt Recht. Salahs Treffer zog den Offensivbemühungen der Citizens den Stecker. Die Schultern hingen, der Glaube war weg, Liverpool hatte die Partie im Sack - und gewann durch Firmino sogar noch.

James Milner hob nach dem Spiel die Teamleistung hevor: "Das frühe Gegentor hat uns aufgeweckt. Es sagt viel über den Charakter der Mannschaft aus, dass wir dem Druck in der ersten Halbzeit standgehalten haben."

Klopp hat die beste Bilanz aller Trainer gegen Guardiola

Für Klopp gab es keinen Zweifel daran, dass der Halbfinaleinzug seines Teams verdient ist: "Wir haben fünf Tore gegen Manchester City geschossen und eines kassiert. Das ist normalerweise nicht möglich."

Doch normal ist ohnehin nichts, wenn Klopp auf Guardiola trifft. So hat er seinen Status als Trainer mit der besten Statistik gegen Guardiola-Teams auf nun sieben Siege ausgebaut. Außerdem ist Liverpool die erste Mannschaft überhaupt, die innerhalb einer Saison drei Pflichtspiele gegen den Katalanen gewann.

Auf dem Papier war Liverpool im Viertelfinale gegen den designierten Premier-League-Meister der klare Außenseiter. Nach 180 Minuten ist das Weiterkommen jedoch absolut verdient. Die beiden Spiele markierten den nächsten Entwicklungsschritt der Reds unter Klopp.

Sadio Mane: "Wir haben die Qualität, jeden Gegner zu schlagen"

"Wenn du solche Spiele gewinnst, bekommst du mehr Selbstvertrauen und mehr Kraft", sagte Sadio Mane, der sich mit dem Weiterkommen selbst ein Geschenk zum 26. Geburtstag machte. Das angesprochene Selbstvertrauen verbalisierte der Senegalese sogleich: "Es ist zu früh, um über das Finale zu sprechen. Es wird im Halbfinale nicht einfach werden, aber alles ist möglich, denn wir haben die Qualität, jeden Gegner zu schlagen."

Liverpool war gegen City das richtige Team mit dem richtigen Spirit zur richtigen Zeit. Mit dem richtigen Trainer Jürgen Klopp. Dieser führte 2013 letztmals ein Team, das vorher niemand auf dem Zettel hatte, bis ins Finale. Davon sind die Reds fünf Jahre später nur noch einen Schritt entfernt.

Gündogan ist kein Klopp-Schützling mehr. Er kann seinem alten Weggefährten diesmal nur gratulieren und Glück wünschen.

Champions League: Wann finden das Halbfinale und das Finale statt?

Runde Datum
Halbfinale 24./25. April und 1./2. Mai
Finale (Kiev) 26. Mai

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