Champions League: FCB-Sieg: Ausrufezeichen mit Fragezeichen

Der FC Bayern München gewinnt das letzte Gruppenspiel in der Vorrunde der Champions League mit 3:1 gegen Paris St.-Germain und schließt die Gruppe mit 15 Punkten auf Rang zwei ab. Die Bayern haben sich für das 0:3 im Hinspiel rehabilitiert, sind in der Bewertung aber hin- und hergerissen.

Der FC Bayern München gewinnt das letzte Gruppenspiel in der Vorrunde der Champions League mit 3:1 gegen Paris St.-Germain und schließt die Gruppe mit 15 Punkten auf Rang zwei ab. Die Bayern haben sich für das 0:3 im Hinspiel rehabilitiert, sind in der Bewertung aber hin- und hergerissen.

Jubel und Zufriedenheit in allen Gesichtern. Egal, wohin man schaute, ob Bayern-Fans oder PSG-Fans, alle konnten etwas Positives mit nach Hause nehmen an diesem Abend. Auch die beiden Trainer sahen ihre Wünsche auf der Pressekonferenz nach der Partie erfüllt.

"Wir haben insgesamt gut gespielt und nicht viel zugelassen", sagte PSG-Trainer Unai Emery. "Unser Ziel war es, den ersten Platz zu halten und das ist uns gelungen." Kann man so sehen.

"Wir haben mit dem Spiel untermauert, dass wir nicht nur wettbewerbsfähig sind, sondern eine gute Mannschaft haben, die Ambitionen hat", sagte FCB-Trainer Jupp Heynckes. "Die Mannschaft glaubt an sich und wird immer besser." Kann man so sehen.

Hummels nach Spielende stocksauer

Also nur Gewinner an diesem kühlen Dienstagabend in der Münchner Arena? Wer sich Mats Hummels nach Abpfiff der Begegnung anschaute, bekam immerhin einen grantigen Mann zu sehen. Der Innenverteidiger schimpfte wild gestikulierend auf dem Weg in die Katakomben, während sich seine Kollegen auf den Weg in beide Kurven machten, um sich den Applaus der Fans abzuholen.

Schon im Spiel hatte Hummels eine andere Körpersprache und offensichtlich einen anderen Anspruch als manche seiner Kollegen. Er bemängelte zu behäbiges Passspiel und langsame Seitenverlagerungen bei Sebastian Rudy, er ärgerte sich mehr über vergebene Chancen und er wurde auch nochmal beim wackeligen Schiedsrichter Cünyet Cakir vorstellig, als Thiago Silva kurz vor seiner Auswechslung nochmal in die Mitte des Platzes gehumpelt war, um dort niederzusinken und auf Zeit zu spielen.

Hummels vermittelte in jeder Minute, auch tief in der zweiten Halbzeit, das Gefühl, dass er noch an die Wende glaubte. Daran, dass die Bayern trotz des 0:3 im Hinspiel noch Gruppensieger werden können. Nach Paris' Treffer durch Kylian Mbappe zum zwischenzeitlichen 1:2 hätten die Bayern noch drei weitere Treffer gebraucht.

Müller sieht Vorgabe des Trainers erfüllt

"Man war ein bisschen hin- und hergerissen auf dem Platz, auch als es 3:1 stand, ob man jetzt nochmal mehr Risiko gehen soll. Wir hätten ja noch das 5:1 gebraucht, aber dann gibst du natürlich wieder Räume her", räsonierte dann auch Thomas Müller.

"Wir hätten vom Ergebnis her natürlich nichts zu verlieren gehabt, aber uns ging es ja auch darum, das Spiel zu gewinnen. Das war die Vorgabe des Trainers. Da haben wir uns innerlich dann eher dafür entschieden, das Spiel zu gewinnen. Davon können wir uns aber nichts kaufen."

Die erfahrenen Hummels und Müller hätten schon noch gerne versucht, ob dieses PSG nicht doch schon wieder eine haushohe Führung aus der Hand geben würde, wie vor knapp neun Monaten gegen den FC Barcelona (1:6 nach 4:0).

Salihamidzic ist kein Sammer

"Klar war es ein wichtiger Sieg. Wir hatten ja noch ein bisschen was gutzumachen durch die Pleite in Paris. Wir haben noch dran geglaubt, einen hohen Sieg einzufahren, vor allem nach dem 2:0. Durch das 2:1 haben wir uns das dann verbaut", sagte dagegen der noch nicht ganz so mit Bayern-Selbstbewusstsein getränkte Sebastian Rudy.

Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic blieb eher bescheiden: "Wir haben gewonnen. Ich glaube, das ist genug." Der Sportvorstand Matthias Sammer hätte an dieser Stelle vermutlich anders argumentiert und über die letzten zwei, drei Prozent im Leistungssport referiert.

Hummels, der ohne Statement aus der Arena verschwand, hätte das womöglich besser gefallen.

Bayern zieht Schlüsse aus dem Hinspiel

Zur Ehrenrettung der Kollegen sei gesagt, dass diese Bayern-Mannschaft in dieser Aufstellung das Mia san Mia noch gar nicht so verkörpern kann, wie viele Teams in den vergangenen Jahren. Es fehlten wichtige Leistungsträger und Führungsspieler aufgrund von Verletzungen (Neuer, Robben, Thiago) oder spielten nur zweitweise bzw. gar nicht, weil sie sich nach Genesung erst wieder an ihr altes Leistungsniveau heranarbeiten (Müller, Ribery, Alaba, Boateng) oder weil sie ihre Karriere beendet haben (Lahm, Alonso).

"Wir haben gezeigt, dass wir Ausfälle kompensieren können", sagte Heynckes. Anders als vor zweieinhalb Monaten bei Carlo Ancelotti war seine Aufstellung kein Politikum, obwohl viele Stars fehlten.

Es lief auch so ganz ordentlich, weil die Bayern aus dem Hinspiel einige Schlüsse gezogen hatten und PSG damit nicht so in die Karten spielte wie in Paris. Die Bayern spielten zum Teil fast Außenseiterfußball, verteidigten tief in der eigenen Hälfte und lauerten auf Konter. So wie es PSG im Heimspiel getan hatte. Der Spielverlauf mit dem frühen Tor spielte beiden Teams jeweils in die Karten.

"Wenn man gegen so einen Gegner nicht dicht in der Defensive agiert, das Mittelfeld nicht verdichtet und der Gegner kontern kann, kann man so ein spiel nicht gewinnen", sagte Heynckes. "Aber wir haben das überragend gemacht und taktisch sehr klug gespielt. Das war der Schlüssel zum Erfolg."

Zumindest für den Teilerfolg des Sieges ohne den Gruppensieg. Aber das sahen an diesem Abend nicht alle so.

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