Champions League: Der FC Bayern nach dem Sieg bei Celtic: Hauptsache überlebt

Mit einem 2:1-Sieg beim Celtic FC hat sich der FC Bayern München für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Wirklich gut spielten die Bayern zwar nicht, aber sie hatten auch mit drei erschwerenden Umständen zurechtzukommen.

Mit einem 2:1-Sieg beim Celtic FC hat sich der FC Bayern München für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Wirklich gut spielten die Bayern zwar nicht, aber sie hatten auch mit drei erschwerenden Umständen zurechtzukommen.

Mit einem Pflaster über dem rechten Auge schleppte sich Javi Martinez Seite an Seite mit Arjen Robben durch die Mixed Zone des Celtic Park. Eine knappe Stunde war da schon vergangen seit seinem Tor zum 2:1, das dem FC Bayern den Sieg und ihm selbst eine blutende Wunde beschert hatte.

Ob er denn was zu seiner Leistung, die auch ganz abgesehen von seinem ersten Champions-League-Tor sehr lobenswert war, sagen wolle, wurde Martinez gefragt. Aber das wollte er erstmal nicht. "Arjen macht das schon", sagte Martinez und ging lächelnd weiter, während Arjen stehen blieb und das dann eben ganz pflichtbewusst machte.

"Defensiv ist er sehr wichtig und heute macht er auch noch das entscheidende Tor", sagte Robben also. "Da kann man ihn nur loben." Martinez zählte beim FC Bayern zu den Spielern, die am öftesten am Ball waren, die meisten Pässe spielten sowie die meisten Zweikämpfe und auch Luftzweikämpfe bestritten. Martinez lief in dieser Mischung aus 4-3-3- und 4-1-4-1-System als alleiniger Sechser auf und machte das, was ein alleiniger Sechser machen muss: kämpfen.

Für die Kür ging Martinez sogar bis aufs Blut und dazu sagte er etwas später dann doch noch was: "Es hat weh getan, aber es war nur Blut. Ich ziehe mir gerne jedes Spiel einen Cut zu, wenn ich dabei ein Tor schieße." Die Worte eines Kämpfers.

Lächelgrübchen und eine Stirn in Falten

Tormann Sven Ulreich lobte Martinez derweil als "Hauptfaktor, warum wir in den letzten Wochen stabiler in der Abwehr stehen" und nannte ihn "brutal wichtig". Immer wichtiger wurde Martinez zuletzt, weil ihn Trainer Jupp Heynckes wieder ins defensive Mittelfeld, ins Herz der Mannschaft beorderte. Dorthin also, wo Martinez schon einmal heimisch war. "Als wir mit Herrn Heynckes vor ein paar Jahren erfolgreich waren, hat er dort auch gespielt", erinnerte sich natürlich auch Robben an die Triple-Saison 2012/13 und lächelte.

Als er sich aber genug an damals erinnert hatte und stattdessen über heute und das Spiel von gerade eben zu reden begann, verschwanden die Lächelgrübchen von Robbens Backen. Stattdessen warf er seine Stirn in Falten.

"Manche Spiele musst du einfach versuchen zu überleben", sagte Robben. Dieses im Celtic Park war so eines. Drei Umstände hoben das Spiel nämlich auf ein Schwierigkeitslevel, das es prinzipiell gar nicht haben sollte - schließlich ist der Marktwert des Bayern-Kaders knapp zehnmal so hoch wie der von Celtic.

Rochierendes Quartett statt Vollstrecker

Da wäre erstens der Stürmermangel. Keinen einzigen gelernten Profi-Angreifer hatte der FC Bayer im Kader, Robert Lewandowski und Thomas Müller fehlten verletzt. In der Triple-Saison (als Martinez noch dort spielte, wo er jetzt wieder spielt) waren am vierten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase ebenfalls die beiden nominellen Stürmer (Mario Mandzukic und Mario Gomez) unpässlich. Damals gab es aber auch noch einen Claudio Pizarro, der dann eben gegen Lille auflief und beim 6:1-Sieg einen Dreierpack schnürte.

Diesmal hatte Heynckes aber keinen weiteren Stürmer zur Verfügung, im Sommer verzichteten die Verantwortlichen bekanntlich ganz bewusst darauf, einen zu holen. Heynckes war damals noch im Ruhestand (genau wie Pizarro), ist jetzt aber wieder aktiv (genau wie Pizarro - zu Heynckes' Pech aber nicht in München, sondern in Köln) und versicherte neulich, dass er "im Winter mal mit den hohen Herren darüber reden" müsse. Heynckes hätte ja schon gerne eine weitere Alternative im Angriff.

Nun blieb Heynckes aber nichts anderes übrig, als zu improvisieren und so ließ er zu Beginn James Rodriguez als zentrale Spitze auflaufen. Lange hielt es James da vorne aber nicht aus, immer wieder ließ er sich ins Mittelfeld oder auf die Flügel fallen. Abwechselnd stießen dann Robben, Arturo Vidal oder Kingsley Coman in die Spitze, Coman in der zweiten Halbzeit sogar permanent.

Sie alle waren zwar bemüht, sind aber von Natur aus eher Vorbereiter als Vollstrecker. Keiner des Quartetts gab mehr als einen Torschuss ab. Oftmals fehlte durch das ständige Rotieren, Fallenlassen und Ausweichen eine Anspielstation in der Zentrale. "Wir haben nicht immer alle Räume richtig besetzt. Ohne Stürmer ist es schwieriger, das war nicht immer optimal,", sagte Robben und fand, dass "wir uns normalerweise mehr Chancen herausspielen". Normalerweise erspielt sich der FC Bayern aber nicht nur mehr Chancen, normalerweise lässt er auch weniger zu.

Kraftverlust wegen Spieleüberfluss

Lediglich einer Ungenauigkeit von Stuart Armstrong (4.), einer Rettungstat von David Alaba (30.) und einer Parade von Ulreich (48.) war es nämlich zu verdanken, dass der FC Bayern nicht bereits früher ein Gegentor kassierte. Mats Hummels und Joshua Kimmich sahen diese Szenen und einige weitere Abstimmungsprobleme der neuformierten Viererkette nur von der Bank, Heynckes schonte die beiden Stammspieler. Aufgrund des zweiten erschwerenden Umstandes: dem Spieleüberfluss.

Innerhalb von nur 18 Tagen absolvierte der FC Bayern seit Heynckes' Amtsantritt sechs Spiele - und gewann sie alle. Heynckes sah dabei aber "sehr viel Kraftverlust" und erklärte so seine Rotation, die auch in Hinblick auf das anstehende Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund zu verstehen war. Diese Partie stufte Heynckes wohl wichtiger ein als die in Glasgow.

Und einmal mehr rechtfertigte das Ergebnis Heynckes' Maßnahmen. "Es ist aber trotzdem immer schwer, wenn Spieler von der Bank kommen, die länger nicht gespielt haben", sagte Ulreich. Für ihn als Neuer-Ersatz gilt das mittlerweile nicht mehr, für die reinrotierten Rafinha oder Niklas Süle dagegen schon eher. Beide standen zuvor unter Heynckes erst einmal in der Startelf.

Malerische Kulisse für einen Kampfsieg

Und dann wurden sie direkt mit dem dritten erschwerenden Umstand konfrontiert: der beeindruckenden, einschüchternden Kulisse im Celtic Park. Das andächtige "You'll Never Walk Alone" vor dem Spiel, das irre Gebrüll bei der Champions-League-Hymne, der frenetische Jubel bei jedem gewonnenen Eckball, ja jedem gewonnenen Zweikampf eines Celtic-Spielers und schließlich die gesangliche und von tausenden Handy-Taschenlampen beleuchtete Erinnerung an die "Lisbon Lions" von 1967 in der 67. Minute.

Süle nannte die Stimmung wahlweise "nicht schöner vorstellbar" oder "atemberaubend", Hummels "unfassbar" und Robben sagte: "Das gibt es nicht oft auf der Welt."

Es war die malerische Kulisse für einen Kampfsieg des FC Bayern, der ihn frühzeitig ins Achtelfinale der Champions League beförderte.

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