Champions League: FC Bayern gegen PSG: Der Tedesco-Ansatz

Der FC Bayern München hat vor der Partie gegen Paris Saint-Germain kaum noch realistische Chancen auf den Gruppensieg. Trainer Jupp Heynckes und seine Mannschaft geben diesen jedoch auch gar nicht als Ziel aus. Stattdessen bemühen sie den Tedesco-Ansatz.

Der FC Bayern München hat vor der Partie gegen Paris Saint-Germain kaum noch realistische Chancen auf den Gruppensieg. Trainer Jupp Heynckes und seine Mannschaft geben diesen jedoch auch gar nicht als Ziel aus. Stattdessen bemühen sie den Tedesco-Ansatz.

Ausschließen will der FC Bayern grundsätzlich nichts. Zumindest keinen Erfolg. Das ist in die Vereinsstatuten eingebrannt. Das Mia san mia ist häufig gleichbedeutend mit einem "Alles ist möglich".

Vor dem Showdown der Champions-League-Gruppenphase gegen Paris Saint-Germain schlagen die Protagonisten des Rekordmeisters jedoch andere, ungewohnt defensive Töne an: "Wenn beide Mannschaften gleich in der Tabelle stehen würden und auch vom Torverhältnis ähnlich wären, würde ich sagen, es geht um den Gruppensieg", ordnete Trainer Jupp Heynckes am Montag ein und fügte hinzu: "Aber man sollte realistisch bleiben. Es wäre vermessen, das zu sagen. Wir spielen nicht um den Gruppensieg."

Chance auf den Gruppensieg für Bayern gering

Tatsächlich ist die Chance für die Münchner, ihre Gruppe doch noch zu gewinnen, verschwindend gering.

Nach der 0:3-Hinspielniederlage im Parc des Princes müsste der deutsche Serienmeister zwingend mit vier Toren Unterschied gewinnen, um noch an PSG vorbeizuziehen. Auch ein 3:0-Sieg würde nicht reichen, schließlich haben die Franzosen das deutlich bessere Torverhältnis.

Zwar ist ein Ergebnis mit vier Toren Unterschied auch auf diesem hohen Niveau nicht ausgeschlossen - das hat spätestens die Remontada des FC Barcelona gegen PSG in der Vorsaison gezeigt - doch es muss schon einiges zusammenkommen: das nötige Spielglück, ein absoluter Sahnetag und ein völlig gebrauchter Tag des Gegners.

Parallele zum Derby zwischen Dortmund und Schalke

Vor allem Letzteres scheint deutlich unwahrscheinlicher als noch im Vorjahr. Das im Sommer hochkarätig verstärkte Starensemble aus Paris spielt, mit Ausnahme der verpatzten Generalprobe am Wochenende gegen Racing Straßburg, eine zu stabile Saison.

Insofern gehen die Bayern mit einem anderen Ansatz in die Partie. Nämlich mit dem, sich kleinere, realistischere Ziele zu setzen, um womöglich aus dieser Position heraus doch irgendwie noch den ganz großen Coup zu schaffen.

Was das bedeutet, bewies Schalkes Trainer Domenico Tedesco vor eineinhalb Wochen im Derby gegen Borussia Dortmund auf beeindruckende Art und Weise.

Auch die Schalker mussten vier Tore aufholen - und das sogar innerhalb einer Halbzeit. Tedesco verriet hinterher seine Denkweise: "Wir wollten uns für die zweite Halbzeit ein realistisches Ziel setzen. Es wäre nicht realistisch gewesen, wenn wir gesagt hätten: Wir wollen hier noch 4:4 spielen oder sogar gewinnen. Wir wollten daher die zweite Halbzeit gewinnen, um Charakter zu zeigen und mit einem mehr oder weniger guten Gefühl nach Hause zu fahren. Das war unser Ziel."

Das Ende vom Lied ist bekannt: Schalke schaffte das Derby-Wunder und der 32-Jährige durfte sich feiern lassen.

Heynckes: "Es geht ums Prestige"

Einen ähnlichen Ansatz wählt vor dem Duell gegen Paris sein 40 Jahre älterer Trainerkollege Heynckes, der bei der Zielsetzung einen anderen Schwerpunkt als den Gruppensieg setzt: "Es geht ums Prestige, es geht darum zu zeigen, dass wir uns mit Spitzenmannschaften messen können."

Das steht auch für Ex-PSG-Spieler Kingsley Coman im Mittelpunkt: "Wir müssen uns selbst und Europa zeigen, dass wir immer noch Titelanwärter sind und große Spiele gewinnen können."

Der Gruppensieg ist für Heynckes ohnehin nur wenig relevant: "Morgen ist kein entscheidendes Spiel, ob du im Achtelfinale oder Viertelfinale weiterkommst. Manchmal ist besser, wenn du als Erster weiterkommst, aber manchmal ist das eine Fehlkalkulation."

Gruppensieg nicht zwangsläufig eine Garantie

Angesichts der Tatsache, dass unter anderem Juventus Turin (voraussichtlich) und Real Madrid (sicher) ihre Gruppen ebenfalls als Zweiter abschließen, könnte auch als Gruppensieger ein dicker Brocken drohen.

Und der Vorteil, zuerst zu Hause zu spielen, ist ebenfalls nur marginal. In der Triplesaison 2012/2013 spielte die Heynckes-Truppe im Viertelfinale gegen Juventus und im Halbfinale gegen den FC Barcelona zunächst in der heimischen Arena und setzte sich durch.

Prüfung des Entwicklungsstands seit Ancelotti-Entlassung

Unwichtig ist die Partie dennoch keineswegs. So war das Hinspiel die Kulmination der Probleme, die die Bayern in der Endphase unter Carlo Ancelotti hatten. Fast zwei Monate später ist Paris genau der Gegner, durch den die Münchner überprüfen können, wie weit sie seit der erneuten Übernahme durch Heynckes denn wirklich gekommen sind.

Nach dem Leipzig-Leipzig-Dortmund-Dreischlag vor einem Monat ist es die vierte große Prüfung für die neu gewonnene Stabilität. Eine Stabilität, die den Bayern am Samstag gegen Hannover zeitweise abgegangen war, weshalb Jerome Boateng nach der Partie warnte: "Das kannst du gegen Paris nicht machen, sonst schießen die dich ab."

Die Bestätigung der Fortschritte unter Heynckes und die Wiedergutmachung des Hinspiel-Debakels spielen bei der Zielvorgabe der Münchner die wichtigste Rolle: "Wir wollen da einen anderen FC Bayern sehen als im Hinspiel und wir wollen etwas zeigen, gerade vor heimischem Publikum", kündigte Keeper Sven Ulreich an.

Bayern lassen sich kleines Hintertürchen offen

Ein Hintertürchen lassen sich die Bayern dennoch offen: "Sollte sich irgendwie die Möglichkeit ergeben, doch noch auf Gruppensieg zu spielen, werden wir das natürlich auch machen", sagte etwa Mats Hummels, "aber man muss realistisch einschätzen, dass die Mannschaft von Paris so stark ist, dass es nur mit einer überragenden Leistung von uns möglich ist."

Auch Ulreich hat den Gruppensieg zumindest noch nicht ganz aufgegeben: "Im Fußball ist nichts unmöglich. Natürlich ist das auch drin."

Der FC Bayern ist eben am Ende doch immer noch der FC Bayern. Auch in den zurückhaltenden Momenten scheint das Mia san mia durch. Immer. Denn etwas auszuschließen, das passt nicht in die Vereins-DNA.

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