Champions League: Bayern beherrscht Celtic: Nur ein Teil des Puzzles

Der FC Bayern München hat mit dem 3:0-Sieg gegen Celtic einen entscheidenden Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale gemacht. Nach zwei Siegen in zwei Spielen unter Jupp Heynckes zeigen sich erste Erkenntnisse. Allerdings gibt es nach wie vor einiges zu verbessern.

Der FC Bayern München hat mit dem 3:0-Sieg gegen Celtic einen entscheidenden Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale gemacht. Nach zwei Siegen in zwei Spielen unter Jupp Heynckes zeigen sich erste Erkenntnisse. Allerdings gibt es nach wie vor einiges zu verbessern.

Irgendwie soll es an diesem Abend nicht sein. Dabei will er doch unbedingt. Aber Robert Lewandowski ist es im Heimspiel gegen Celtic nicht vergönnt, eine Torbeteiligung auf den Spielberichtsbogen zu bringen.

Dabei hätte er diese bereits in der 6. Minute haben können: Der Pole kratzt den Ball rechts im Strafraum von der Grundlinie und legt zurück auf Thiago, der das Ding unters Dach drischt. Die frühe 1:0-Führung für den Rekordmeister? Denkste! Der Schiedsrichter-Assistent winkt mit der Fahne. Er gibt den Ball aus, der Treffer zählt nicht. Eine Fehlentscheidung.

Nicht einmal zwei Minuten später könnte er die nächste Torbeteiligung einsammeln. Mikael Lustig hält Lewandowski im Sechzehner. Der Stürmer geht zu Boden, doch der Pfiff von Schiedsrichter Sergei Karasev bleibt aus. Erneut eine Fehlentscheidung.

Celtic ist kein Maßstab für den FC Bayern

Zwar steht es nach acht Minuten noch immer 0:0 im Duell um Platz zwei in Gruppe B der Champions-League-Gruppenphase, doch bereits jetzt zeichnet sich ab: Es ist kein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe. Der FC Bayern dominiert und eigentlich ist es nur eine Frage der Höhe des Ergebnisses. Denn Celtic ist an diesem Abend kein Maßstab.

Die Mannschaft von Brendan Rodgers ist es aus der heimischen schottischen Liga gewöhnt, eine Partie zu dominieren und zwischen 60 und 70 Prozent Ballbesitz zu haben. Auf einen so überlegenen Gegner zu treffen, überfordert die Bhoys, die defensive Abstimmung stimmt nicht.

Die Bayern schaffen es mit einfachsten Mitteln, sich hinter die Viererkette zu kombinieren. Von Anfang an ist ein Klassenunterschied auszumachen.

Dass nach 90 Minuten ein 3:0 auf der Videowand der Allianz Arena steht, klingt standesgemäß. Zwei Spiele unter Jupp Heynckes, zwei Siege, 8:0 Tore - nur Udo Lattek startete im Jahr 1970 besser in eine Amtszeit beim FC Bayern, damals kam sein Team auf 10:0 Tore. Eine Statistik, auf die es Heynckes an diesem Abend auch hätte bringen können, ja müssen.

Heynckes: "Wir hätten noch mehr Tore erzielen müssen"

Genau da lag nämlich einer der größten Kritikpunkte: " Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht und wahnsinnig viele Torchancen herausgearbeitet. Wir hätten noch viel mehr Tore erzielen müssen", resümierte Heynckes.

Tatsächlich wirkte das Ergebnis angesichts des Spielverlaufs niedrig. Stellvertretend dafür stand Lewandowski: Der Pole war an elf der 26 Bayern-Torschüsse direkt beteiligt, hatte jedoch kein Fortune. Aufgrund fehlender Effizienz, falscher (bei der Torvorlage für Thiago und dem nicht gegebenen Elfmeter) sowie richtiger Schiedsrichterentscheidungen (bei seinem Abseitstor).

Das Thema mangelnde Chancenverwertung war jedoch beim letztlichen Resultat nur ein Randaspekt. Mit einem 3:0 konnten die Bayern letztlich zufrieden sein - zumal der direkte Vergleich gegen Celtic damit beinahe sicher gewonnen und damit der Achtelfinaleinzug nahezu perfekt ist.

Und generell sahen die Münchner in der Partie eine Fortsetzung des positiven Trends seit der Übernahme von Heynckes als Nachfolger des geschassten Carlo Ancelotti: "Die Mannschaft ist hochmotiviert und merkt selbst, dass wir langsam wieder in die Erfolgsspur kommen", freute sich der 72-Jährige über seinen zweiten Sieg.

Heynckes fordert Taktik, Disziplin, Hierarchie

Von den drei Werten, die Heynckes von Beginn an (wieder) installieren wollte - Taktik, Disziplin, Hierarchie - hat er vor allem bei letzterem den Hebel angesetzt. Zum zweiten Mal in Serie schickte er die gleiche Startelf ins Rennen, mit Ausnahme von Sebastian Rudy, der den verletzten Javi Martinez ersetzte. Heynckes setzt auf einen klaren Stamm.

Arjen Robben gefällt das. Er wiegelte im Bauch der Arena ab, am Wochenende gegen Hamburg womöglich eine Pause zu brauchen: "Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, aber im Moment bin ich fit und wenn du fit bist, willst du immer spielen und im Rhythmus bleiben. Wir haben auf der einen Seite viel Qualität in der Mannschaft. Aber wir brauchen Automatismen. Zu viel Rotation ist meiner Meinung nach nicht so gut."

Neben der Hierarchie ist auch die Disziplin auf einem guten Weg. Maßnahmen wie Handyverbot oder verschärfte Pünktlichkeits-Überwachung stoßen auf positive Resonanz: "Es gehört dazu, dass eine gesunde Disziplin vorhanden ist. Für das mannschaftliche Zusammenleben ist das schon enorm wichtig", legte etwa Müller dar.

Heynckes fordert Veränderungen

Alles rosig und alles gut ist trotz des vielseits zitierten "Jupp-Effekts" bei den Bayern jedoch noch nicht: "Wenn man sehr erfolgreich sein möchte, dann muss man noch einiges verändern", mahnte Heynckes.

Besonders das Thema Balance - also Heynckes' dritter Punkt, die Taktik - war präsent. Dass die Münchner Celtic immer wieder Räume zum Kontern boten, gefiel den Beteiligten gar nicht: "Hinten raus haben wir zu viel zugelassen. Das müssen wir abstellen", forderte Heynckes.

Insgesamt spielten die Münchner auch im zweiten Durchgang mit Vollgas auf ein höheres Ergebnis. Eigentlich eine gute Eigenschaft. Die Balance ging dabei jedoch verloren: "Wir müssen ab und zu mal das Gas herausnehmen und mehr Kontrolle hineinbringen. In der zweiten Halbzeit gab es ein paar Situationen, in denen es hin und her ging. Da müssen wir es nächstes Mal ruhiger machen. Der Gegner hat uns heute die Räume gegeben. Jeder ist geil drauf, noch mehr Tore zu schießen. Aber da müssen wir eine bessere Balance finden", ordnete der starke Martinez-Ersatz Rudy ein.

Tatsächlich hatte Celtic auch im ersten Durchgang bereits Möglichkeiten zu Gegenstößen. Doch es war nicht zu übersehen, dass die Schotten per Definition keine Kontermannschaft sind. Das Mittelfeld rückte nur inkonsequent nach und insbesondere Rechtsaußen Patrick Roberts lief sich ein ums andere Mal fest. Womöglich hätte ein konterstärkerer Gegner wie etwa Leipzig oder der BVB diese Lücken konsequenter genutzt.

Leipzig, Leipzig, Celtic, Dortmund

Celtic war - ungeschlagener schottischer Meister hin oder her - kein Maßstab. Genauo wie Freiburg nicht der Maßstab war. In gewisser Weise hat der FC Bayern im Umbauprozess unter Heynckes das perfekte Aufbauprogramm, bevor nach dem Spiel gegen den HSV in einer Woche die beiden Spiele im Pokal und der Bundesliga gegen RB Leipzig, das sicherlich brisantere Rückspiel im Celtic Park und der Gipfel gegen Borussia Dortmund warten.

"Natürlich war das heute nur ein weiteres Puzzlestück", mahnte Sportdirektor Hasan Salihamidzic deswegen: "Wir wissen, dass in den nächsten Wochen viele schwierige Spiele anstehen. Bis dahin müssen wir noch einiges verbessern, aber wir haben heute einen Schritt in die richtige Richtung gemacht."

Um im Bild des Sportdirektors zu bleiben, lieferte die Partie gegen Celtic ein weiteres Stück im Puzzle "FC Bayern 2017/2018 unter Jupp Heynckes". Langsam formt sich ein Bild von der Mannschaft, von der Spielidee - und die ersten Ergebnisse stellen sich ein. Doch es fehlen eben noch einige Teile, um das Bild zu komplettieren, es ist noch löchrig.

Ähnlich sieht Kapitän Thomas Müller die Lage: "Bisher haben wir es zweimal gut gemacht, aber wir haben auch heute noch einige Dinge nicht so optimal gelöst. Also es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber bisher ist schon ein kleiner Ruck durch die Mannschaft gegangen."

In Sachen Balance, Chancenverwertung oder Fortune im Abschluss etwa gibt es noch Luft nach oben. Robert Lewandowski konnte an diesem Abend ein Lied davon singen.

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