Champions League: Atletico im Formtief - Rückkehr zu patetico?

Atletico Madrid hat das Toreschießen verlernt. Eines der erfolgreichsten Teams auf internationalem Parkett der letzten Jahre steht in der Champions League vor dem vorzeitigen Aus in der Gruppenphase. Am 5. Spieltag geht es gegen Tabellenführer AS Rom schon um alles (20.45 Uhr im LIVETICKER ).

Atletico Madrid hat das Toreschießen verlernt. Eines der erfolgreichsten Teams auf internationalem Parkett der letzten Jahre steht in der Champions League vor dem vorzeitigen Aus in der Gruppenphase. Am 5. Spieltag geht es gegen Tabellenführer AS Rom schon um alles (20.45 Uhr im LIVETICKER).

Im Mai 2017 stellten die Fans von Atletico Madrid im Champions League-Halbfinale eines für alle Zeit klar: "Orgullosos de no ser como vosotros", "wir sind stolz darauf nicht so zu sein wie ihr", prangerte in rot und weiß in einer riesigen Choreographie um das gesamte Stadion. Die Nachricht geht an den Lokalrivalen und Liga-Krösus Real Madrid. Atletico gewann das Spiel mit 2:1, für einen Einzug ins Finale reichte das ob der 3:0 Niederlage im Hinspiel jedoch nicht.

Von einem Ausscheiden im Halbfinale sind die Colchoneros in dieser Saison weit entfernt. Am 5. Spieltag empfängt das Team von Diego Simeone Tabellenführer AS Rom, der nach dem Sieg im Römer Stadtderby gegen Lazio (2:1) mit viel Selbstvertrauen im Gepäck nach Madrid fliegen dürfte. Es droht bereits jetzt das Aus.

Das Hinspiel endete zum Auftakt torlos. Eine Niederlage gegen den FC Chelsea und zwei schwache Auftritte gegen den krassen Außenseiter Qarabag aus Aserbaidschan (0:0 und 1:1) später steht man nun mit dem Rücken zur Wand.

Antoine Griezmann und die Offensivschwäche

Der Knackpunkt: Die Offensive. In der Champions League gelangen erst zwei mickrige Treffer. Zum Gesicht der Ladehemmung im Sturm wird dabei Antoine Griezmann, der in dieser Spielzeit in 14 Spielen erst drei Tore schoss. Durch die anhaltenden Transfergerüchte und dem langen hin und her im Sommer, werfen ihm die Atletico-Fans Lustlosigkeit vor. Als ihn Diego Simeone in der 72. Minute des Madrider Stadtderbys vom Platz nahm, quittierten die Fans seinen Auftritt mit einem schallenden Pfeifkonzert. Die Marca titelte: "Griezmann, auf welchen Planeten bist du verschwunden?"

Von seiner Klasse in der Defensive hat Atletico Madrid unter Taktikkünstler Simeone derweil kaum etwas eingebüßt. Nach Barca stellt man in der Liga die zweitbeste Defensive. Auf Diego Godin und Co. kann sich Simeone verlassen. Einzig der eigene Torerfolg will nicht mehr gelingen. Neben Griezmann sind auch Fernando Torres und Luciano Vietto (jeweils noch ohne Tor) sowie Kevin Gameiro (erst ein Treffer) im Abschluss glücklos.

Die Ladehemmung im Sturm lässt sich an Zahlen ablesen: 75 Mal schoss Atletico in dieser Champions-League-Saison bereits aufs Tor, trotzdem gelangen nur zwei Treffer. Eine Verunsicherung macht sich breit: Nach der verdienten Niederlage gegen Chelsea (1:2) folgten sieben Unentschieden und lediglich zwei Siege.

Einzig Flügelspieler Angel Correa strahlt noch Torgefahr aus (vier Treffer) und wird mittlerweile im Sturmzentrum eingesetzt. Mehr als zwei Tore in einem Spiel erzielte Atletico zuletzt vor zehn Spielen, beim 2:0 Heimerfolg gegen den FC Sevilla. Seither hagelt es torlose Unentschieden und schlechte Stimmung.

Atletico in der Identitätskrise

Die Rojiblancos dürfen gegen die Roma nicht verlieren. Nicht so zu sein wie Real Madrid heißt jedoch auch verlieren zu können, der sympathische Underdog zu sein. Doch kann Atletico das noch von sich behaupten? Der Erfolg der letzten Jahre spricht eine andere Sprache: In den letzten vier CL-Saisons kam man immer mindestens bis ins Viertelfinale. Zweimal erreichte man gar das Finale des wichtigsten europäischen Wettbewerbs und musste sich nur denkbar knapp dem Stadtrivalen geschlagen geben.

Auch national war das Team von Diego Simeone stets ganz oben dabei: In der Liga ist man seit 2011/12 nie mehr schlechter als Platz drei gewesen, der Höhepunkt war mit dem Gewinn der spanischen Meisterschaft 2014 erreicht.

Atletico schaffte, was jahrelang keiner Mannschaft in Spanien gelang, das Zweigefüge aus Barcelona und Real Madrid an der Spitze der Primera Division wurde gesprengt. Plötzlich mischten auch die Colchoneros um den Titel mit. Atletico stieg in die absolute Elite Europas auf, konnte zu den besten vier Mannschaften des Kontinents gezählt werden. Der Beiname "patetico de Madrid" (blamabel, peinlich) verschwand.

"Atletico war fernab von Erfolg. In Madrid spielten die Galaktischen. Warum sollte man als Kind Fan von Atletico werden? Heute haben die Kinder Atletico-Rucksäcke, Trikots und Federmäppchen. Heute ist der Klub eben erfolgreich", sagte Andre Kahle, Präsident des ersten deutschen Atletico-Fanklubs, im Interview mit SPOX.

Atleti-Präsident: "Haben das beste Team in der Klub-Geschichte"

Doch der Verlust des "Underdog-Status" macht Atletico Madrid in dieser Saison zu schaffen. Die Frage, wie man mit einem bevorstehenden Champions-League-Aus umzugehen habe, beschäftigt das Präsidium. Präsident Enrique Cerezo will nichts von einer Krise wissen. "Wir haben das beste Team in der Geschichte des Klubs", sagt er der Marca.

Für den vergangenen Sommer verhängte die UEFA für diverse Verstöße gegen die Transferbestimmungen bei minderjährigen Spielern eine Transfersperre. Die Lösung sei "ungerecht", twitterte der Klub und die Angst vor Abgängen ohne adäquaten Ersatz machte sich breit. Doch es kam anders, Antoine Griezmann blieb. Er könne den Klub doch in diesem schwierigen Moment nicht verlassen, teilte Griezmann mit. Gegenüber Telefoot erklärte er jetzt, dass er auch über den Winter hinaus bleiben möchte.

Nach Ablaufen der Transfersperre im Januar soll Diego Costa, der mit Atletico 2013 den spanischen Pokal und 2014 die Liga gewann, das Sturmproblem lösen. Für die Champions League könnte er allerdings zu spät kommen.

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