Cerberus steigt bei der Commerzbank ein

Der Finanzinvestor Cerberus ist bei der Commerzbank eingestiegen. Der US-Hedgefonds erwarb rund fünf Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank – und gilt als nicht zimperlich. Der Aktienkurs reagierte positiv.


Wie Deutschlands zweitgrößte Privatbank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, liegt der Stimmrechtsanteil von Cerberus bei 5,01 Prozent. Das geht aus einer Stimmrechtsmitteilung der Bank hervor. Das Paket ist knapp 700 Millionen Euro wert.

Anleger nahmen den Einstieg des streitbaren Investors bei der Commerzbank positiv auf. Die Papiere des Instituts, an dem seit der Finanzkrise auch der Staat beteiligt ist, verteuerten sich an der Frankfurter Börse zwischenzeitlich um rund 2,8 Prozent auf 11,12 Euro und waren damit die größte Kursgewinner im Leitindex Dax.

Die Commerzbank wollte den Vorgang nicht kommentieren. Cerberus ließ eine Anfrage des Handelsblatt zunächst unbeantwortet. Schon Anfang Juli war über einen Einstieg des amerikanischen Investors bei der Bank spekuliert worden. Die Cerberus Capital Management ist nun nach der Bundesrepublik Deutschland (mit einem Anteil von über 15 Prozent) und vor dem Finanzinvestor Blackrock (rund fünf Prozent) der zweitgrößte Aktionäre der Commerzbank.

Die Bundesregierung kann dem Einstieg des Investors offenbar Gutes abgewinnen. Zwar wollte sich eine Sprecherin am Mittwoch nicht konkret zu dieser Transaktion äußern. Sie sagte aber generell: „Steigendes Investoreninteresse ist positiv für die Commerzbank und deren Aktienkurs.“ Zur Frage, was der Bund mit seiner Beteiligung an der Commerzbank zu tun gedenke, führte sie aus: „Wir haben unsere Position zur Commerzbank nicht geändert.“ Der Grundsatz heiße: „Wir wollen für den Steuerzahler ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen.“


Cerberus besitzt eine Vorliebe für schwierige Fälle: Der Finanzinvestor, der von dem ehemaligen US-Finanzminister John Snow geführt wird, investiert traditionell in angeschlagene Firmen, versucht sie zu sanieren und verkauft sie dann weiter. Cerberus investiert aber auch wie ein klassischer Hedgefonds in Wertpapiere. In der deutschen Finanzwelt ist Cerberus spätestens seit 2007 ein Begriff. Damals hatte der Investor die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler übernommen und so das Ende des deutsch-amerikanischen Autogiganten Daimler-Chrysler endgültig besiegelt.


Cerberus ist in der griechischen Mythologie ein mehrköpfiger Höllenhund, der vor der Pforte zur Unterwelt wacht. Für einen Finanzinvestor ist das ein Name, der nicht auf Zimperlichkeit schließen lässt. In der Aktionärsstruktur der Commerzbank trifft der Höllenhund auf einen eher gemäßigten Großinvestor – den deutschen Staat. Denn noch immer ist der Bund seit dem Rettungseinstieg während der Finanzkrise größter Aktionär der Frankfurter Bank.

Die spannende und derzeit auf dem Parket heiß diskutierte Frage ist die nach der Motivation von Cerberus. Die Commerzbank ist alles andere als das deutsche Vorzeigeinstitut – und steckt mitten im Umbau. Vorstandschef Martin Zielke will die Bank verkleinern und trennt sich von Tausenden Mitarbeitern. Wegen des Stellenabbaus will die Commerzbank 810 Millionen Euro an Rückstellungen ins zweite Quartal buchen.




Was will Cerberus mit der Commerzbank?


Was der als aggressiv geltende Investor mit dem Aktienpaket im Schilde führt, blieb zunächst unklar. Klar ist: Cerberus ist bereits im europäischen Bankensektor aktiv. Der US-Investor ist Mehrheitseigentümer der österreichischen Bank Bawag P.S.K. Nach dem deutschen Staat ist er nun auch der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte nicht sagen, ob Cerberus im Vorfeld des Einstiegs wie üblich Kontakt mit der Bank aufgenommen hatte.

In einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hatte es Anfang des Monats geheißen, Cerberus wolle mit dem Einstieg vom Aufschwung in der deutschen Finanzbranche profitieren. Der Kurs der Commerzbank-Aktie hat in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Seit dem Tiefststand von 5,16 Euro im August 2016 hat er sich mehr als verdoppelt.

Deutsche Banken stehen ohnehin im Interesse des Investors. Vor kurzem hatte Cerberus die Übernahme der Stuttgarter Regionalbank Südwestbank perfekt gemacht: In der vergangenen Woche teilten beide Seiten mit, dass die Bawag das Stuttgarter Institut vollständig übernimmt. Bereits damals hatte Bawag-Chef Anas Abuzaakouk klargemacht, dass er größere Ambitionen im Nachbarland hat: „Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns“, sagte er Reuters. „Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die eine Ergänzung für die Südwestbank wären.“


Die österreichische Bawag macht sich gerade schick für einen Börsengang, der laut Finanzkreisen ab Herbst über die Bühne gehen könnte. Bawag und ihr Großaktionär sind laut der Süddeutschen Zeitung auch an der Wüstenrot-Bank interessiert, an der der Stuttgarter Finanzkonzern W&W das strategische Interesse verloren hatte.

Auch mit einer Übernahme der Postbank hatte sich Cerberus schon beschäftigt: Die Pläne hatten sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank einen zu hohen Preis gefordert hatte. Eine Komplettübernahme der Commerzbank wäre für einen Finanzinvestor wie Cerberus allerdings zu teuer: Ihr Börsenwert liegt bei fast 14 Milliarden Euro.

Der Investor hat den Einstieg bei der Commerzbank – zumindest teilweise – über die gleiche Holding mit den Namen Promontoria bewerkstelligt, die auch die Bawag-Anteile hält. Firmen mit dem gleichen Namen waren in Europa auch schon als Investoren in Einzelhandelsimmobilien und als Käufer fauler Kredite aufgetreten.

Mit Material von Reuters.