CEOs speisen am Abend mit Trump – zumindest eine Chefin schlägt die Einladung aus


Die Briten betonen gerne ihre besondere, historisch gewachsene Verbindung zu den USA. So hofft auch Premierministerin Theresa May auf fruchtbare britisch-amerikanische Handelsbeziehungen nach dem Austritt ihres Landes aus der EU.

Bei einem großen Dinner mit Trump und Dutzenden britischen Vorstandschefs bietet sich am Donnerstagabend die Chance, sich mit dem US-Präsidenten gutzustellen. Auf dem G7-Gipfel in Kanada vor einem Monat hatte Trump May noch weitgehend ignoriert.

Die Wirtschaftsbosse und die Politiker werden im Blenheim Palace bei Oxford zu Abend essen, einem der bekanntesten Schlösser des Landes. Auf der Speisekarte stehen unter anderem schottischer Lachs, Rindfleisch, Erdbeeren und Eiscreme.

Geburtsort von Winston Churchill

Blenheim Palace ist der Geburtsort des von Trump verehrten Winston Churchill. Der US-Präsident ließ zu seinem Amtsantritt sogar eine Büste des ehemaligen britischen Premiers ins Oval Office stellen.

Am Abend wird Trumps Helikopter erwartet, der Präsident dann mit militärischen Ehren empfangen. Den Gästen des Dinners bietet sich die Chance, aus erster Hand Informationen zur Handelspolitik der USA zu erhalten.

Die Gästeliste ist prominent besetzt: Größen wie Blackrock-Chef Larry Fink oder der CEO des Konsumgüterriesen Unilever, Paul Polman, stehen darauf. Auch Jim Ratcliffe, Chef des britisch-schweizerischen Petrochemiekonzerns Ineos und mit 21 Milliarden Pfund Vermögen der reichste Brite, soll am Dinner teilnehmen, ebenso wie Barclays-Boss Jes Staley, Glaxo-Smithkline-Chefin Emma Walmsley und Richard Gnodde, Europachef von Goldman Sachs.

Auch dabei sein sollen Airbus-Chef Tom Enders, Rolls-Royce-CEO Warren East, BP-Boss Bob Dudley, Shell-Chef Ben van Beurden und Ivan Menezes, CEO des Getränkekonzerns Diageo, sie alle stehen ebenfalls auf der Gästeliste.


Doch nicht jeder, dem May eine Einladung schicken ließ, nahm sie auch an. Martha Lane-Fox, Gründerin des Reiseportals Lastminute.com, lehnte nach Informationen der „Financial Times“ ab, zum Blenheim Palace zu reisen. „Ich verstehe, wieso die britische Regierung Trump unterhalten muss, aber ich will es ganz sicher nicht“, sagte Lane-Fox demnach.

Bekannte Firmenlenker wie Richard Branson, Gründer der Virgin Group, oder IT-Unternehmer Alan Sugar wurden gar nicht erst eingeladen. Die beiden Milliardäre hatten sich in der Vergangenheit mit Kritik am US-Präsidenten nicht zurückgehalten.

So beschreibt Branson in seiner Autobiografie ein Mittagessen mit Trump in den 1990er-Jahren, bei dem Trump sich abfällig über Bekannte geäußert und Rache geschworen haben soll. Branson schreibt, dass Trump ihm „leid getan“ habe. Gegenüber britischen Medien hatte Branson das Treffen als hässlich bezeichnet.


Alan Sugar moderiert die britische Version der US-amerikanischen Reality-Sendung „The Apprentice“, deren Star im amerikanischen Fernsehen Donald Trump war. Bei Twitter lieferten sich beide einmal einen hitzigen Schlagabtausch über wirtschaftspolitische Belange und die Ausrichtung der Show.

Das Dinner ist der Auftakt zu Trumps viertägigem Besuch auf der Insel – seinem ersten als US-Präsident. Auf der Agenda stehen ein Besuch auf einem Truppenübungsplatz, ein Mittagessen mit Theresa May und ein Empfang bei Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor. Das Wochenende wird Trump in Schottland verbringen. Dort kann er seine Kräfte sammeln für die nächste Station auf seiner Europa-Reise: das Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki.