Der CEO von IBM verteidigt Watson gegen die Kritiker

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

International Business Machines (WKN:851399) hat Milliarden von Dollar in das kognitive Computersystem Watson investiert, dass sich mit dem Gewinn von Jeopardy einen Namen gemacht hat. Watson wird in einer Vielzahl von Branchen eingesetzt, vom Gesundheitssektor bis hin zum Steuerberater und das System ist das Aushängeschild des Umbaus von IBM geworden.

IBM gibt keine Finanzinformationen über Watson preis, so dass wir nicht wirklich wissen, wie erfolgreich die Initiative war. Aber es gab genug Kritik. Chamath Palihapitiya, CEO von Social Capital, nannte Watson einen Witz, um ganz ehrlich zu sein. Ein Untersuchungsbericht von STAT kam zu dem Schluss, dass Watson sein Versprechen im Gesundheitswesen bei weitem nicht eingehalten hat, insbesondere wenn es um die Krebsbehandlung geht.

IBM-CEO Ginni Rometty verteidigte in einem Interview mit Bloomberg den kognitiven Computer. Hier ist alles, was für die Investoren gerade wichtig ist.

Watson ist auf Kurs

IBMs Ziele für Watson sind nicht gerade bescheiden. 2014 erwartete Rometty, dass Watson ein Geschäft mit 10 Milliarden US-Dollar Umsatz in den nächsten 10 Jahren werden könne. Allein der Gesundheitssektor bietet eine milliardenschwere Möglichkeit. Auf die Frage, ob sie die Kritik von Watson kommentieren wollten, sagte Rometty: ?Watson ist genau im Plan?.

Watson besteht aus verschiedenen Technologien wie maschinelles Lernen und natürliche Sprachverarbeitung. Es ist kein Plug-and-Play-System. Watson muss für eine bestimmte Aufgabe erst geschult werden. Rometty wies darauf hin, dass es bei Ärzten ein Jahr dauerte, um Watson so weit zu trainieren, zum ersten Mal Krebs zu erkennen. Aber das System kann nun lernen, eine neue Krebserkrankung in nur 30 Tagen zu erkennen. Watson wird bis Ende des Jahres über die Ursachen von 80 % aller Krebserkrankungen geschult.

Die Erlöse aus Watson werden wahrscheinlich auch in jedem Anwendungsfall langsam ansteigen. Sie haben aber das Potenzial, schnell zu wachsen, sobald sich das System bewährt hat. Ob IBM diesen Punkt bei Watson schon erreicht hat, ist aber unklar. Der Gesamtumsatz des Unternehmens ist noch immer rückläufig, sodass wir mit Sicherheit wissen, dass Watson und alle anderen Wachstumsinitiativen von IBM noch nicht groß genug sind, um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

In Daten investieren

IBM erwarb im vergangenen Jahr das Unternehmen The Weather Company und nutzte diese Übernahme als Grundlage für Watson-IOT. Das Training von Watson erfordert große Datenmengen und IBM scheut sich nicht, für die Beschaffung dieser Daten zu bezahlen.

The Weather Company berechnet Prognosen mit Daten von 3 Milliarden Referenzpunkten und berechnet täglich 15 Milliarden Prognosen. Diese Daten sind für eine Vielzahl von Branchen nützlich. Während des Hurrikans Irma beispielsweise haben 140 Fluggesellschaften Watson eine halbe Billion Mal bemüht, um Flugzeuge umzuleiten und Turbulenzen zu minimieren.

Turbulenzen sind teuer und kosten Fluggesellschaften jährlich rund 100 Millionen US-Dollar laut IBM.

Nur 20 % aller Daten sind recherchierbar. Laut Rometty werden die restlichen 80 % von Unternehmen kontrolliert. Rometty erklärte, warum IBMs Ansatz für künstliche Intelligenz sich diese Daten zunutze machen will:

Wenn das meine Daten sind und es ist meine IT und mein Wettbewerbsvorteil, dann trainiere ich die Algorithmen und ich will sicher sein, dass diese Algorithmen auch meine sind. Ich will eine Plattform, die meine künstliche Intelligenz ist, auch wenn sie in der Cloud funktioniert. Business AI kennt die Domain und den Beruf und es kann Ihre Erkenntnisse schützen. Nicht nur Ihre Daten, sondern Ihre Erkenntnisse.

Langfristig denken

Rometty sieht in der künstlichen Intelligenz ein Werkzeug, mit dem Menschen ihre Arbeit besser erledigen können. “Wir glauben wirklich, dass es hier um Mensch und Maschine geht und nicht um Mensch gegen Maschine.” Es wird noch Zeit in Anspruch nehmen, um Watson an den Punkt zu bringen, an dem dieses Ziel erreicht wird und ein sinnvoller Gewinn für IBM generiert wird. “Das ist eine Ära, die sich jahrzehntelang vor uns abspielen wird.”

IBM setzt darauf, dass der Markt für KI-gesteuerte Werkzeuge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dramatisch wachsen wird. IBM hat als Unternehmen den Zweck, seinen Kunden bei der Lösung von Problemen zu helfen. Die Art und Weise hat sich im Laufe der Jahre verändert und wird mit zunehmender Reife der künstlichen Intelligenz immer wieder Veränderungen unterworfen sein. Watson ist nicht so sehr ein Strategiewechsel, sondern eine Weiterentwicklung der Strategie, die IBM seit mehr als einem Jahrhundert verfolgt.

Der Hype um die künstliche Intelligenz und Watson mag die realen Errungenschaften dieser Technologie im Moment noch übertreffen, aber das bedeutet nicht, dass Watson auf Dauer keinen Erfolg für IBM haben kann.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel von Timothy Green erschien am 26.9.2017 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017