Der Celonis-Gründer über die Milliardenrunde – und darüber, wie es nun weitergeht

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Gründete das Softwarestartup Celonis gemeinsam mit Alex Rinke und Martin Klenk: Co-CEO Bastian Nominacher
Gründete das Softwarestartup Celonis gemeinsam mit Alex Rinke und Martin Klenk: Co-CEO Bastian Nominacher

Bastian, mit einer Finanzierungsrunde von einer Milliarde und einer zweistelligen Milliardenbewertung ist Celonis zum ersten „Decacorn“ Deutschlands geworden. Was bedeutet das für dich als Gründer?

Für uns ist es einfach sehr spannend zu sehen, was man mit unserer Software erreichen kann. Auch welchen Bedarf es für unserer Technologie gibt. Der Durchbruch kam für uns mit der Einführung des Execution Management Systems im Herbst 2020, seitdem wir nicht mehr nur die Analyse von Prozessen anbieten können, sondern auch deren aktive Steuerung.

Es gibt nicht viele Softwareunternehmen in Deutschland, die international so schnell gewachsen sind, wie ihr. Wie habt ihr euch gegen den internationalen Wettbewerb durchgesetzt?

Wir sind vom Kunden ausgegangen und haben uns auf deren Bedürfnisse fokussiert. Da wir lange bebootstrapped waren, mussten wir für unsere Kunden schnell greifbare Ergebnisse liefern, weil sonst das Geschäft weggebrochen und dann kein Kapital für Wachstum dagewesen wären. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland von einer sehr guten Ingenieurskultur profitiert haben, die gibt es auch im Softwarebereich.

Was habt ihr nun mit dem Geld vor – und wie überlegt man überhaupt, wie man eine Milliarde ausgibt?

Gerade bieten wir die sechste Generation der Software an. Aber wir haben natürlich eine viel größere Vision: mit unserer Software Prozesse in Unternehmen noch besser zu steuern. Um die umzusetzen, müssen wir unser Engineering noch deutlich ausbauen. Zudem arbeiten wir bisher erst mit weniger als einem Prozent der potenziellen Kunden, für die unsere Software infrage kommt. Man muss auch einiges an Geld in die Hand nehmen, wenn man einen so großen Markt schnell erschließen will.

Kommt es in eurem Markt darauf an, besonders schnell zu sein?

Geschwindigkeit ist im Softwaremarkt unheimlich wichtig, das war sie schon immer. Schon zu Beginn haben wir deshalb gesagt, dass wir uns jedes Jahr verdoppeln wollen.

Schlägt sich das auch bei den Mitarbeitenden nieder? Derzeit habt ihr 1.300 – um eure Ziele zu erreichen werden es sicher bald mehr sein müssen. Findet man die so einfach?

Da werden wir natürlich deutlich ausbauen. In ein bis eineinhalb Jahren sollen es etwa 2.000 sein. Dass dezentrale Arbeitsumgebungen spätestens durch Corona normal sein werden, macht es für uns natürlich einfacher, auch wenn wir bereits jetzt eine global aufgestellte Firma sind. Aber wir wollen auch unsere deutsche Identität behalten. „Made in Germany“ ist im Softwarebereich gerade sehr gefragt.

Wie kam die Finanzierungsrunde zustande? Habt ihr selbst den Kontakt zu den Investoren gesucht? Immerhin liegt eure letzte Finanzierung schon eine Weile zurück.

Eine weitere Runde hatten wir nicht geplant, nach den vergangenen Finanzierungen waren wir ganz gut aufgestellt. Dann kamen immer mehr Angebote, sodass wir die jetzige Runde kurzfristig angegangen sind. Am Ende war sie fünffach oversubscribed, so groß war das Interesse. Deswegen konnten wir die Gelegenheit nutzen und wieder Investoren an Bord bringen, die sehr gut zu unserem strategischen Fokus passen.

Nach welchen Kriterien habt ihr das getan? Und was versprecht ihr euch von ihnen – abseits vom Geld?

Uns war wichtig, dass die Investoren Erfahrungen im Softwarebereich haben. Mit jeder Finanzierungsrunde erweitert sich auch die Kontaktbasis und das Netzwerk, und es war uns wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten kennenzulernen, die für uns auch Mentoren sein können.

Es ergibt sich ja auch ein Marketingeffekt, wenn Investoren euer Produkt bei anderen Portfoliofirmen bewerben.

Als Marketingeffekt würde ich das nicht bezeichnen. Aber natürlich öffnet es einige Türen. Wir haben alleine in der Anbahnungsphase schon mit 40 Vorständen größerer Firmen gesprochen.

Üblicherweise sollen Finanzierungsrunden etwa 18 Monate halten und bislang habt ihr euch – nach der Bootstrapping-Phase – grob an diesen Rhythmus gehalten. Wie lange soll die Dollar-Milliarde nun reichen – war das die letzte Finanzierungsrunde?

Wir haben jetzt eine wirklich gute Basis und keine weiteren Runden geplant. Ehrlich gesagt, waren die Abstände zwischen den Finanzierungsrunden Zufall. Wir sind immer unternehmerisch unterwegs gewesen und haben Runden dann gemacht, wenn sie aus unserer Sicht sinnvoll waren.

Ihr verweist auf eine Reihe von Dax-Unternehmen als Kunden. Wann wird Celonis selbst an die Börse gehen?

Mit unserer breiten Kapitalbasis sind wir jetzt sehr flexibel. Ein Börsengang bleibt eine intressante Option, aber wir haben derzeit keine konkreten Pläne.