Celgene weiter auf Expansionskurs


Seine Mittelfrist-Prognose musste das amerikanische Biotech-Unternehmen Celgene zwar im vergangenen Jahr etwas reduzieren. Alles in allem bleibt der Krebsmittelhersteller vorerst jedoch eines der wachstumsstärksten und expansionsfreudigsten Unternehmen der Branche. Das konnte Firmenchef Mark Alles am Donnerstag nun auch mit den Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr sowie mit dem Ausblick für 2018 untermauern.

In den Wochen zuvor hatte Celgene seine Ambitionen bereits mit zwei milliardenschweren Zukäufen im Biotechsektor unter Beweis gestellt, der Übernahme des Zelltherapie-Spezialisten Juno für neun Milliarden Dollar und dem bis zu sieben Milliarden Dollar teuren Erwerb der Biotechfirma Impact Biomedicines. Der US-Konzern, aktuell mit rund 82 Milliarden Dollar Börsenwert die Nummer Drei der US-Biotechbranche, erwarb mit diesen beiden Akquisitionen noch keine Umsätze sondern vor allem Forschungsprojekte, die das mittelfristige Wachstum absichern sollen.

Im laufenden Geschäft zeigt sich Celgene auch mit dem bestehenden Produktprogramm noch in starker Verfassung. Dank weiterhin kräftiger Steigerungen beim Bestseller Revlimid konnte das Unternehmen den Umsatz im vierten Quartal um 17 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar und im Gesamtjahr 2017 um 16 Prozent auf 13 Milliarden Dollar steigern. Der Nettogewinn verbesserte sich im Gesamtjahr um 47 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. Bereinigt um Sondereffekte und akquisitionsbedingte Belastungen stieg er laut Celgene um gut ein Viertel auf sechs Milliarden Dollar.


Für das laufende Jahr stellt Celgene einen Anstieg des bereinigten Gewinns um etwa 14 Prozent auf 8,70 bis 8,90 Dollar je Aktie in Aussicht, gegenüber 7,74 Dollar je Aktie im Jahr 2017. Der Umsatz soll um weitere 12 Prozent auf 14,4 bis 14,8 Milliarden Dollar zulegen.  Für die Topprodukte, die beiden Krebsmittel Revlimid und Pomalyst sowie das Schuppenflechte-Medikament Otezla , werden dabei solide zweistellige Wachstumsraten unterstellt.

Mit Abstand wichtigster Umsatzträger wird dabei das Medikament Revlimid bleiben, das gegen verschiedene Arten von Blutkrebs zugelassen ist und sich inzwischen zum umsatzstärksten Krebsmedikament der Welt entwickelt hat.  Im abgelaufenen Jahr stieg der Umsatz mit dem Wirkstoff um 17 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar, 2018 soll er nach den Plänen von Celgene um weitere 15 Prozent auf etwa 9,4 Milliarden Dollar zulegen.  Die Abhängigkeit von diesem Bestseller wird daher, trotz  der Akquisitionen und hoher Investitionen  in die Produktentwicklung, vorerst hoch bleiben.

Die Patente laufen allerdings erst ab Mitte der 2020er Jahre aus, so dass dem Konzern noch einige Zeit bleibt, für Nachschub zu sorgen. Und mit der Übernahme der Biotechfirma Juno, die an neuartigen Zelltherapien gegen Krebs arbeitet, hat Celgene sein Forschungsprogramm im Bereich der Krebstherapie weiter verbreitert.

Juno gilt als eines der führenden Entwicklungsunternehmen im Bereich der so genannten Car-T-Therapien, bei denen genmodifizierte Immunzellen gegen Krebs eingesetzt werden. Sie zeigten insbesondere gegen bestimmte Formen von Leukämien überraschende Erfolge. Und nachdem inzwischen zwei erste Produkte aus dem Bereich (von Novartis und Kite Pharma)  inzwischen bereits eine Zulassung erhalten haben, trauen manche Experten dem Konzept inzwischen auch erhebliches kommerzielles Potenzial zu.


Andererseits  hat sich auch im Falle Celgene zuletzt die Erfahrung bestätigt, dass Entwicklungsprojekte im Pharmabereich mit hohen Risiken verbunden sind. Die Arbeiten an einem potenziellen Medikament gegen die Darmkrankheit Crohn’s musste das US-Unternehmen im vergangenen Jahr nach einer gescheiterten klinischen Studie einstellen.

Vor allem die Abschreibungen auf dieses Projekt sorgten nun nach Aussage von Firmenchef Alles auch dafür, dass sich die ausgewiesenen Forschungskosten im vierten Quartal 2017 auf 2,7 Milliarden Dollar erhöhten, gegenüber 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahr. Alles in allem dürfte das Unternehmen mit dem fehlgeschlagenen Crohns-Projekt als deutlich mehr als eine Milliarde Dollar in den Sand gesetzt haben.