CDU-Team und 100-Tage-Programm: So soll ab Samstag die Kehrtwende für Laschets Stolper-Wahlkampf gelingen

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Laschets Wahlkampf steckt in der Krise
Laschets Wahlkampf steckt in der Krise

Wenn es darauf ankommt, dann steht die Union zusammen. Flügelkämpfe, persönliche Rivalitäten, all das können CDU und CSU blitzartig beenden, wenn es um den gemeinsamen Erfolg geht. Normalerweise. Doch 2021 ist kein normales Wahljahr. Fünf Wochen vor der Bundestagswahl ist die Stimmung in der Union mies. Die Umfragewerte machen viele in der Partei nervös. Wahlkreiskandidaten, die nicht über die Landesliste abgesichert sind, machen sich große Sorgen um ihre Zukunft. Besonders die Performance des Spitzenkandidaten lässt selbst führende CDUler den Kopf schütteln.

Normalerweise herrscht im Wahlkampf das Gesetz des Schweigens. Weil Streit nur noch mehr schadet, wollte lange niemand den eigenen Kandidaten kritisieren. Doch in interner Runde wurde Laschet offen zum Rückzug gedrängt. Die Düsseldorfer CDU-Abgeordnete Sylvia Pantel habe Laschet in einer digitalen Sitzung der Bundestagsfraktion aufgefordert, die Konsequenzen zu ziehen, wenn die Umfragewerte nicht besser werden, berichtet "Bild". "Es ist besser, kurz und schmerzhaft zu reagieren, als gemeinsam unterzugehen", sagte sie.

Der angestaute Unmut über Laschet erklärt sich durch immer neue Fettnäpfchen, in die er tritt. Am Donnerstag wurde ein Video auf Twitter hunderttausendfach angesehen, in dem er erneut keine gute Figur macht. Eine "Focus"-Reporterin fragt ihn nach seinen thematischen Schwerpunkten, Laschet nennt zunächst Digitalisierung und Klimaschutz. Dann fragt die Reporterin: "Eine dritte Sache?" Laschet schaut in die Ferne, sagt fünf Sekunden lang nichts und antwortet dann: "Joah, was machen wir noch?" Von insgesamt 139 Seiten CDU-Wahlprogramm scheint ihm kein weiteres Projekt der Union einzufallen.

https://twitter.com/migrate89/status/1428347011309346827

Doch nun will er die Kehrtwende schaffen. Besonders drei Punkte hat er sich dafür herausgesucht.

Am Samstag zelebriert die Union ihren offiziellen Wahlkampfauftakt. Im Berliner Tempodrom wird Laschet eine Rede halten. Auch Markus Söder und sogar Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden einen seltenen Wahlkampfauftritt absolvieren. Bei dem hybriden Event soll es Schaltgespräche zu verschiedenen Wahlkreiskandidaten geben, anschließend soll eine große Haustür-Aktion der Wahlkämpfer gestartet werden. Auch Laschet soll Bürger an ihren Türen besuchen.

Besonders auf den Auftritt Söders darf man gespannt sein. Denn ausgerechnet er, der immer wieder durchscheinen lässt, dass er die besseren Umfragewerte hat und mithin der bessere Kandidat gewesen wäre, soll nun für Laschet trommeln. Söder ist in der Lage mitreißende Reden zu halten. Wenn er Laschet am Samstag überstrahlt, wäre das eine Bestätigung derjenigen, die sagen, Söder solle Laschet als Kanzlerkandidat ersetzen. Es wird ein Auftritt mit Risiko. Dennoch hoffen viele in der Union, dass der Wahlkampfauftakt der Partei einen neuen Impuls geben wird. Für viele ist es einer der letzten Strohhalme, an den sie sich klammern.

Zum zweiten Punkt, mit dem Laschet die Wende schaffen will, musste er von Parteifreunden offenbar gedrängt werden. Seit Wochen bitten viele in der CDU ihn, ein Team aufzustellen, das die Breite der Partei deutlich macht. In der Fraktionssitzung sagte er nun: "Wir müssen und werden mehr Köpfe zeigen und machen so deutlich, dass wir ein starkes Team sind." Es ist Laschets Eingeständnis, dass er als Kandidat seine Partei nicht nach oben zieht. Ein Mitglied des Parteivorstands sagt, er erzähle den Menschen am Wahlstand, dass es ja nicht nur Laschet in der CDU gebe, sondern auch Politiker wie Friedrich Merz oder den Wirtschaftsexperten Carsten Linnemann. Nun hat auch Laschet offenbar eingesehen, dass sich andere vor ihn stellen müssen, um seine eigene Schwäche etwas zu verdecken.

Laschet hatte sich lange gegen die Team-Idee gesträubt, wohl auch aus Angst, die zu vergrätzen, die nicht dabei sind, darunter aktuelle Minister. Besonders verwunderlich ist es auch, weil das lange als Laschets Stärke in NRW gesehen wurde, dass er vielen Politikern neben sich Raum lassen könne.

Als Drittes ist ein inhaltlicher Aufschlag angekündigt. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte Laschet in den ersten 100 Tage seiner Regierung wolle er ein „Planungsbeschleunigungs-Paket“ vorlegen. Damit sollen Genehmigungsverfahren schneller abgewickelt werden und Großvorhaben wie die Energiewende mit mehr Tempo vorangetrieben werden. Doch ob Laschet überhaupt die nächste Regierung anführen wird, ist derzeit so fraglich wie nie.

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