CDU-Kanzlerkandidat Laschet will keine Lockdowns mehr, doch in seiner Heimat NRW explodieren die Corona-Zahlen. Daran liegt es

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Armin Laschet, Unions-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt an einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Kabinetts von Nordrhein-Westfalen teil.
Armin Laschet, Unions-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt an einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Kabinetts von Nordrhein-Westfalen teil.

Armin Laschet will in Deutschland keinen Corona-Lockdown mehr zulassen. "Ich setze darauf, dass wir beim Impfen weitere Fortschritte machen, dass wir für die, die geimpft sind, keine Beschränkungen mehr haben und dass wir vor allem keinen Lockdown mehr machen. Das verspreche ich“, sagte der CDU-Kanzlerkandidat am Sonntag im TV-Sender von "Bild". Die Corona-Inzidenz allein sei nicht mehr aussagekräftig über den Verlauf der Pandemie, sagte Laschet mit Verweis auf die Impfzahlen in Deutschland. Es müsse mehr auf die Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern geschaut werden.

Kann Laschet ein solches Versprechen wirklich halten? Gerade sein eigenes Bundesland Nordrhein-Westfalen ist zurzeit der absolute Corona-Hotspot der Bundesrepublik. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts lag die Inzidenz in dem Bundesland am Dienstag bei 108; im Bundesschnitt lag sie bei 58. Außer NRW hat kein anderes Bundesland die 100er-Grenze bei der Corona-Inzidenz durchbrochen. Von den zehn Landkreisen mit der höchsten Inzidenz in Deutschland liegen neun in NRW.

Eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hat. Innerhalb eines Monats hat sich die Zahl der Neuinfektionen in NRW laut Angaben der Landesregierung versiebenfacht. Ein Anstieg, der auch in den Krankenhäusern ankommt: Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Corona hat sich im Laufe eines Monats vervierfacht.

Wie konnte das passieren?

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Lauterbach kritisiert Laschets Corona-Politik

"In NRW hat man zu früh ein Ende vieler Maßnahmen verkündet. Ich hatte schon damals gewarnt, dass das zu riskant ist, denn nun sehen wir einen schnellen Zuwachs", sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Gespräch mit Business Insider. Lauterbachs Wahlkreis ist die deutsche Corona-Hochburg Leverkusen, in der die Inzidenz schon über 200 liegt. Der SPD-Politiker hält eine komplette Abkehr von der Inzidenz als Orientierung deshalb für gefährlich.

"Wir konnten mit diesem Richtwert die Pandemie bislang gut steuern", sagt Lauterbach. "Die Gefahr, wenn man vor allem die Hospitalisierung heranzieht, ist, dass man immer zu spät dran ist. Angenommen ein Mensch infiziert sich heute, dann kommt er innerhalb von anderthalb Wochen ins Krankenhaus und in drei Wochen auf die Intensivstation. Da verliert man wertvolle Zeit, um zu reagieren." Lauterbachs Vorschlag: Die Inzidenz für Geimpfte und Ungeimpfte separat ausgeben und dies als zusätzlichen Richtwert für die Corona-Politik einführen. So etwa ist es in Bayern geregelt. Zudem sollten viele Bereiche des öffentlichen Lebens nur noch für Geimpfte und Genesene, aber nicht mehr für Getestete zugänglich gemacht werden.

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung in Nordrhein-Westfalen sieht solche Maßnahmen nicht vor. Wie die Regierung auf steigende Infektionszahlen reagieren will, ist dort nicht festgehalten. Die Möglichkeit für einen Lockdown bietet die Verordnung nicht. Stattdessen wurde durch sie die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen abgeschafft.

Laschet sieht Fallzahlen in NRW nicht in Corona-Lockerungen begründet

Sollten die Infektionen und Krankenhauseinlieferungen in NRW weiter steigen, wird sich zeigen, ob Laschet an seinem Lockdown-Versprechen festhalten kann. Möglich wäre, dass das Leben zumindest für Ungeimpfte eingeschränkt werden müsste.

Der CDU-Chef jedoch sieht NRW trotz seiner Spitzenreiter-Rolle in der Corona-Statistik nicht als Sonderfall. Am Dienstag sagte er nach einer Kabinettssitzung in Berlin über den Vorwurf gegen seine Corona-Politik: "Die Regeln sind überall in Deutschland die gleichen. Sie können es nicht darauf zurückführen, dass es an den Regeln liegt, die gelten." Vielmehr seien das Ende der Sommerferien, Reiserückkehrer, Einreisen aus Hochrisikogebieten und die dichte Besiedlung NRWs für die hohen Fallzahlen verantwortlich. "Insofern gehe ich davon aus, dass diese Welle sich fortsetzt — je nachdem, wo gerade die Schulferien enden", sagte Laschet.

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