CDU und FDP in Thüringen lehnen organisierte Zusammenarbeit mit Rot-Rot-Grün ab

Die Spitzen der Parteien beraten über die Lage

Im schwierigen Ringen um Mehrheitsfindungen in Thüringen wollen CDU und FDP die geplante rot-rot-grüne Minderheitsregierung nicht durch dauerhafte Kooperationen im Rahmen fester Strukturen unterstützen. Das betonten CDU-Landesparteichef Mike Mohring und sein FDP-Kollege Thomas Kemmerich am Montag in Erfurt nach einem Gespräch mit den Spitzen von Linken, SPD und Grünen. Eine Zusammenarbeit bei einzelnen Projekten sei aber möglich.

Mohring betonte, die CDU sei "offen und gesprächsbereit bei konkreten Projekten" und werde sich entsprechenden Gesprächseinladungen von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht verweigern. Seine Partei werde jedoch das "ideologische Projekt Rot-Rot-Grün nicht verlängern". Auch eine Wahl Ramelows zum Ministerpräsidenten schloss Mohring ebenso wie FDP-Parteichef Kemmerich erneut aus.

Kemmerich sagte, es werde keine "Blankoschecks" für die geplante neue rot-rot-grüne Minderheitsregierung geben. Vorschlägen für konkrete Vorhaben werde sich die FDP gleichwohl nicht verschließen. Gespräche dazu könnten fallweise und jederzeit im Landtag geführt werden. Ein eigenes Gremium für solche Abstimmungsprozesse zwischen Linken, SPD, Grünen, CDU und FDP lehne seine Partei ab.

Die Mehrheitsverhältnisse nach der Landtagswahl vom 27. Oktober sind kompliziert. Für klassische Zweier- oder Dreierbündnisse reicht es nicht. Ramelow plant eine Minderheitsregierung mit SPD und Grünen, die mangels eigener Mehrheit aber auf die Unterstützung von CDU und FDP angewiesen wäre, um Gesetze beschließen zu können.

Die Spitzen von Linken, SPD und Grüne einigten sich inzwischen bereits grundsätzlich auf das Modell einer gemeinsamen Minderheitsregierung. Letzte Einzelheiten sollen in den kommenden Tagen geklärt werden, ein erstes weiteres Treffen ist für Mittwoch geplant. Zeitgleich läuft derzeit die Debatte darüber, wie das Verhältnis von Rot-Rot-Grün zu CDU und FDP gestaltet werden kann.

Bereits am Sonntagabend trafen sich Ramelow und Mohring in Erfurt auf Einladung des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, um über die Lage zu beraten. Bei dem Treffen habe er erläutert, "warum ich mit Herrn Mohring über eine projektorientierte Regierungsarbeit intensiv weiter reden möchte", teilte Ramelow anschließend mit.

Mohring erklärte, er und Ramelow hätten auf Einladung des Ex-Bundespräsidenten "über die Herausforderungen in unserem Land gesprochen". Er finde es "richtig, wenn der Ministerpräsident zu Gesprächen über wichtige Projekte einlädt, die für Thüringen wichtig sind".

Ramelow wirbt bereits seit längerem vor allem um eine "projektbezogene Zusammenarbeit" mit der CDU, um seiner geplanten Minderheitsregierung die nötigen Mehrheiten zu verschaffen. In der CDU gibt es neben zustimmenden Wortmeldungen starke Vorbehalte. Eine wie auch immer geartete Kooperation zwischen Linken und CDU wäre ein Novum. Beide trennt ein tiefer programmatischer Graben.

CDU-Bundeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftige ihre kategorische Ablehnung einer Kooperation mit der Linken. Gegenüber der Funke-Mediengruppe verwies sie am Montag auf einen Parteitagsbeschluss, der das eindeutig ausschließt. "Den kennen auch die Thüringer", sagte sie.

Thüringens Grünen-Landeschefin Anja Siegesmund äußerte sich nach dem parteiübergreifenden Treffen vom Montag zurückhaltend. Die Vertreter von CDU und FDP hätten sich lediglich "unkonkret" zur Ausgestaltung einer möglichen Unterstützung geäußert und spielten ihrer Meinung nach auf Zeit. In dieser Form seien nun auch keine weiteren Gesprächsrunden mehr geplant, betonte sie.

Die Linken-Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow und SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee sprachen hingegen von einem positiven Gespräch. Tiefensee sagte, er habe den "Willen" gesehen, gemeinsame Projekte durchzusetzen.

Laut Hennig-Wellsow ist die Wahl von Ramelow im Landtag mittlerweile für Anfang Februar vorgesehen, möglichst am 5. Februar. Aufgrund der Regeln der Landesverfassung könnte er im dritten Wahlgang auch ohne absolute Stimmenmehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

CDU-Chef Mohring kritisierte die Planungen für einen Wahl Anfang Februar am Montag bereits als zu schnell. Es sei mehr Zeit nötig, um über mögliche gemeinsame Projekte seiner Partei mit Rot-Rot-Grün zu sprechen.