Cate Blanchett leitet die Jury in Cannes

In der Missbrauchsaffäre setzen die Filmfestspiele von Cannes ein Zeichen: Die Festivaldirektion ernannte am Donnerstag die australische Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett zur diesjährigen Leiterin der Jury

Inmitten der Missbrauchsaffären in den USA, aber auch in Europa, setzen die Filmfestspiele von Cannes ein Zeichen: Die Festivaldirektion ernannte am Donnerstag die australische Schauspielerin Cate Blanchett zur diesjährigen Leiterin der Jury. Die zweifache Oscar-Preisträgerin hat eine Stiftung für Missbrauchsopfer mitgegründet und war eine der ersten Prominenten, die öffentlich Stellung gegen den ehemaligen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein bezogen.

Die Leitung der Festspiele begrüßte in einer Erklärung, dass es gelungen sei, diese "einzigartige Künstlerin" für den Jury-Vorsitz zu gewinnen. "Sie wird eine engagierte Präsidentin sein, eine leidenschaftliche Frau und eine großzügige Zuschauerin", betonte Festival-Präsident Pierre Lescure.

Blanchett ist die zwölfte Frau an der Spitze der Jury in Cannes, zuletzt hatte vor vier Jahren die neuseeländische Regisseurin Jane Campion diesen Posten inne. Die 71. Festspiele an der Côte d'Azur beginnen am 8. Mai.

Die 48-jährige Blanchett gehört zusammen mit Meryl Streep und Natalie Portman zu den Mitbegründerinnen von Time's Up (Die Zeit ist reif), einer Initiative von mehr als 300 Schauspielerinnen, Autorinnen, Regisseurinnen und anderen Frauen aus der US-Unterhaltungsindustrie gegen sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz. Sie haben bereits gut 13 Millionen Dollar (rund elf Millionen Euro) eingesammelt, um weibliche und männliche Missbrauchsopfer zu unterstützen.

Die Initiative ist eine Folge des Skandals um den Film- und Fernsehmogul Weinstein, der mehr als hundert Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben soll. Seit Bekanntwerden des Falls im Oktober wurden Missbrauchsvorwürfe gegen dutzende weitere Mitarbeiter der US-Filmindustrie sowie gegen Politiker, Medienvertreter und Wirtschaftsbosse erhoben.

Blanchett nahm bereits zu Beginn der Affäre Stellung: "Jeder Mann in einer Führungs- oder Machtposition, der denkt, er habe das Recht, Frauen zu belästigen, zu bedrohen oder sexuell zu missbrauchen, die er trifft oder mit denen er arbeitet, muss zur Verantwortung gezogen werden", forderte sie im US-Fernsehen. "Es ist nie einfach für eine Frau, in solchen Situationen etwas zu enthüllen, und ich unterstütze von ganzem Herzen alle, die es tun."

Blanchett hat zweimal den Oscar erhalten: Im Jahr 2014 als beste weibliche Darstellerin in Woody Allens Komödie "Blue Jasmine" und 2005 für ihre Rolle in "Aviator" von Martin Scorsese. Im Juni kommt Blanchetts neuer Film "Ocean's 8" in die deutschen Kinos. In der Gaunerkomödie spielt sie an der Seite von Sandra Bullock.