Erster Castortransport auf dem Neckar von Protesten begleitet

Nach knapp 13 Stunden hat der erste Castortransport per Schiff über den Neckar sein Ziel erreicht. Begleitet von Protesten legte das Schiff mit Atommüll aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim am Abend vor dem Zwischenlager Neckarwestheim an

Begleitet von einzelnen Protesten hat auf dem Neckar erstmals ein Castortransport auf einem Fluss in Deutschland stattgefunden. Aktivisten verzögerten die Fahrt des mit Atommüll beladenen Schiffs vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim zeitweilig, indem sie sich von Brücken abseilten. Größere Zwischenfälle blieben zunächst aus. Das Schiff wurde noch am Mittwoch in Neckarwestheim erwartet.

Der Transport von drei Castorbehältern mit Brennelementen aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim begann am frühen Mittwochmorgen begonnen. Der Atommüll sollte in das Zwischenlager des rund 50 Kilometer entfernten Kraftwerks Neckarwestheim gebracht werden. Das Vorhaben ist umstritten.

Aus Protest gegen den Transport seilten sich bei Bad Wimpfen vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood von einer Brücke ab. Sie spannten dort laut der Organisation ein Transparent mit der Aufschrift "Verhindern statt verschieben". Die Fahrt des Castortransports wurde durch die Aktion nach Angaben eines Polizeisprechers um etwa eine Stunde verzögert. Beamte hätten die Aktivisten von der Brücke geholt.

Robin Wood forderte einen Stopp der Transporte. "Solange politisch nicht geklärt ist, wohin der Atommüll auf Dauer soll, muss er an den Standorten gelagert werden", erklärte Julian Smaluhn von der Umweltschutzorganisation. Es dürfe nicht sein, dass das Energieunternehmen EnBW kein Zwischenlager in Obrigheim errichte, sondern "auf die deutlich gefahrvollere Scheinlösung mit Castortransporten setzt, nur weil das für den Konzern billiger zu haben ist".

Auch die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt kritisierte den Transport. "Den gefährlichsten Müll der Welt mitten durch einen Ballungsraum auf einem Binnenschiff zu transportieren - das ist eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen", erklärte Ausgestrahlt-Sprecher Jochen Stay. Er warf EnBW vor, den Transport nur deshalb nötig zu machen, weil er "im Gegensatz zu anderen Betreibern von Atomkraftwerken kein Geld dafür ausgeben will, an jedem Standort ein ordentliches Castorlager zu bauen."

Am Mittwochnachmittag seilten sich auch an einer Brücke bei Horkheim zwei Aktivisten ab. Dadurch kam es aber laut einem Polizeisprecher nicht zu Verzögerungen, weil sie vor Ankunft des Schiffs von Polizisten heruntergeholt wurden. Am Rande des Neckars gab es demnach zudem einzelne Mahnwachen und Proteste.