Capitals-Star widmet Triumph krankem Vater

Franziska Wendler
T.J. Oshie und Alexander Owetschkin wurden mit den Capitals endlich Stanley-Cup-Sieger

Tonnenschwere Lasten sind am Donnerstagabend von seinen Schultern abgefallen. Nach 13 unendlich langen Jahren hat sich für Alexander Owetschkin der Traum vom Gewinn des Stanley Cups endlich erfüllt.

Mit 4:1 haben die Washington Capitals die Vegas Golden Knights in der Finalserie der NHL besiegt und sich erstmals in der 43-jährigen Vereinsgeschichte die begehrteste Eishockey-Trophäe gesichert.

Für den emotionalen Höhepunkt des Abends sorgte aber nicht der russische Superstar, sondern Stürmer T.J. Oshie. Der 31-Jährige offenbarte nach dem Spiel ein trauriges Familiengeheimnis.

Vater von Oshie leidet an Alzheimer

Auf die Frage, wem er den Titel widmen möchte, bekam der Offensivspieler feuchte Augen. Neben seiner Frau und seinen Kindern geht der Stanley Cup vor allem an seinen Vater.

"Mein Papa kann sich nur noch an sehr wenige Dinge erinnern. Aber ich sage euch eines, an diesen Moment wird er sich immer erinnern, das garantiere ich euch", sagte Oshie über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters. 

In den Sozialen Netzwerken brach anschließend eine Welle des Mitgefühls herein. Viele User gaben zu, während des Interviews die eine oder andere Träne verdrückt zu haben.




Der erkrankte Tim Oshie verfolgte den größten Triumph in der Karriere seines Sohnes live in der Halle in Las Vegas.

Owetschkin jahrelang kritisiert

Ungetrübte Freude strahlte dagegen Owetschkin aus. Für den russischen Superstar endete eine Serie von Enttäuschungen. Zu oft brillierten er und die Capitals in der Regular Season, ehe sie frühzeitig in den Playoffs scheiterten.


Jahrelange Kritik über mangelnde Effektivität und fehlende Führungsqualitäten in den Playoffs dürften damit verstummen. Der 32-Jährige ist am Ziel seiner Träume angelangt.

"Ich wolle einfach alles tun, um den Pokal zu gewinnen. Und wir haben es geschafft", freute sich der Russe nach der Partie.

13 Jahre Warten auf den Titel

Unter den Spielern, die in ihrer Karriere eine Auszeichnung zum MVP erhalten haben, musste in der Geschichte des US-Sports nur der frühere Broncos-Quarterback John Elway länger auf den Titel warten.


Ganze 15 Jahre dauerte es, bis er 1997 den Super Bowl gewinnen konnte. Owetschkin liegt mit 13 Spielzeiten auf Rang zwei, dicht gefolgt von Mavs-Superstar Dirk Nowitzki, für den sich 2011 der Traum vom NBA-Titel erfüllte.

Owetschkin zum MVP gewählt

Neben dem Stanley Cup durfte sich Owetschkin auch über die Conn Smythe Trophy für den wertvollsten Spieler der Playoffs freuen. Nur drei weiteren Europäern war dies vorher gelungen.

"Es ist wie ein Traum, dieser Titel bedeutet mir alles. Ich musste so lange auf diesen Moment warten, seit dem ersten Tag meiner Karriere", zeigte sich der Russe erleichtert.

Den euphorisierten Fans gab der 32-Jährige im Interview nach dem Spiel noch einen Ratschlag mit auf den Weg: "Schnappt euch ein Bier, oder was auch immer und fangt an zu feiern."

Owetschkin und Oshie: Die beiden Hauptdarsteller des Triumphs der Capitals verbindet übrigens auch eine andere Geschichte. Vor vier Jahren bei Olympia in Sotschi war es US-Center Oshie, der im Vorrundenspiel gegen Owetschkins Russen im Penaltyschießen gleich sechsmal antrat - und mit vier verwandelten Penaltys zum Matchwinner wurde.

Den Stanley-Cup-Sieg feierten beide Stars gemeinsam - wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise.