Café International: Endlich ankommen bei Kaffee und Kuchen

Saleha Noori trägt Lippenstift, kein Kopftuch. Die 16-jährige Afghanin plaudert fröhlich mit den anderen Gästen des Café International, schlicht Café I genannt, an der Aachener Straße. "Ich bin gerne hier", sagt sie. Saleha kommt jeden Mittwoch, wenn der Jugendkeller der evangelischen Gemeinde für geflüchtete Menschen und interessierte Weidener seine Türen öffnet. Saleha bringt dann ihre Mutter mit. "Sie geht sonst nicht raus", erzählt das Mädchen. "Es geht ihr nicht gut." Ihre Mutter meide die Öffentlichkeit, seit sie mit ihren Kindern aus Kabul floh und unterwegs ein Sohn und eine weitere Tochter verloren gingen.

Die Familie hatte sich zur Flucht entschlossen, nachdem Salehas Vater in Kabul getötet worden war. "Wir waren im Iran mit kleinen Autos unterwegs, in denen kein Platz für alle war", erzählt Saleha. "Die Schlepper sagten uns, mein Bruder und meine Schwester seien schon in der Unterkunft", berichtet Saleha. "Als wir sie dort nicht fanden, sagten sie, sie kämen noch." Doch der 26-jährige junge Mann und das 13-jährige Mädchen blieben verschwunden.

Die zwei übrig gebliebenen Familienmitglieder leben nun gemeinsam in einem Hotel an der Dasselstraße - und befinden sich doch in einer sehr unterschiedlichen Situation. Saleha besucht eine Vorbereitungsklasse des Georg-Büchner-Gymnasiums. Bald wird sie auf eine Regelschule wechseln. Saleha spricht bereits recht gut Deutsch. Ihre Mutter hingegen hat noch kein Wort gelernt. "Es ist für sie schwierig", sagt das Mädchen. "Sie ist Analphabetin. Frauen dürfen in Afghanistan nicht zur Schule gehen."

Mit den Folgen des diskriminierenden Schulverbots ist das Team des Cafés I immer wieder konfrontiert. "Viele Afghaninnen müssen erst einmal Lesen und Schreiben lernen. Sie können kein Wörterbuch benutzen", schildert Marie Hasendoenck, die regelmäßig im Café I hilft. Die meisten würden allerdings sehr gerne lernen. Inwieweit sie dazu fähig sind, etwas aufzunehmen, hänge von der jeweiligen Geschichte ab, die hinter den Frauen liegt, welche Erlebnisse sie noch zu verdauen hätten.

Vor einem Jahr hat der Treffpunkt für zugewanderte Menschen und Weidener seine Türen geöffnet. Es war eine gemeinsame Idee von Diakonin Gitta Schölermann und Gemeindemitglied Stefanie Fassbender, jeden Mittwoch um 17.30 Uhr die Türen des Jugendkellers für die neu zugezogenen Menschen zu öffnen, bei Kaffee und Kuchen zu plaudern und etwas zu tun. "Anfangs hatten wir einen Nähkurs. Wir haben nach wie vor eine Bastelrunde. Wir kochen gemeinsam. Doch in letzter Zeit ist das Interesse an Sprachförderung stark gewachsen", sagt Schölermann. Es sei aus dem Vorlese- und Leseangebot für Kinder entstanden. Irgendwann seien immer mehr Erwachsene dazugekommen, die ihre Materialen aus dem Deutschunterricht mitbrachten und sich vom Café I-Team helfen ließen. "So richtig kann man die Angebote nicht planen", sagt Schölermann. "Plötzlich entwickelt sich etwas."

Das Café I hat sich zu einem festen Treffpunkt für viele Menschen gemausert. Im Laufe des Nachmittags trudeln immer mehr Menschen ein. Etwa 40 Erwachsene und Kinder haben sich schließlich versammelt. Ein Team von 15 Ehrenamtlern steht bei jedem Treffen bereit. "Das Café I ist ein fester Anker für die geflüchteten Menschen geworden", berichtet Helferin Anni Hamann. "Viele wohnen mittlerweile gar nicht mehr in Weiden und kommen trotzdem noch."

Hanan und Rayan Muzanara leben mit ihrer Mutter und zwei Brüdern ganz in der Nähe in einer Wohnung an der Lübecker Straße. Die 26-jährige Hanan besucht eine Schule an der Liebigstraße, ihre 16-jährige Schwester eine Vorbereitungsklasse am Schillergymnasium. Sie sind vor 20 Monaten aus Aleppo geflohen. Hanan hat dort englische Literatur studiert - nun muss sie sich eine neue Perspektive suchen. "Erst einmal muss ich die Sprachprüfung absolvieren. Und dann mach ich vielleicht eine Ausbildung als Apothekerin oder etwas ähnliches", überlegt sie.

Ihre Landsfrau Jude Nahhas ist da schon weiter. Zwei Jahre ist es her, seit die 23-jährige Frau mit ihrer dreijährigen Tochter ihrem Lebensgefährten nach Deutschland folgte. Auch ihre Mutter war bereits hierhin geflohen, weil eine Tante schon seit 30 Jahren im Land lebt. Mittlerweile ist Jude von Amys Vater getrennt, lebt mit ihrer Tochter in einer kleinen Wohnung in Junkersdorf, hat für sie einen Kitaplatz gefunden - und wird ab dem Wintersemester ihr Studium aufnehmen. Rechts- oder Sozialwissenschaften möchte sie studieren.

"Ich absolviere gerade einen Vorbereitungskurs", sagt Jude. "Ich muss noch die deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang bestehen." Das wird vermutlich gelingen, denn wenn sie spricht, ist kaum noch zu hören, dass ihre eigentliche Muttersprache Arabisch ist.

Das Café I findet immer mittwochs zwischen 16.30 und 18.30 Uhr im Jugendkeller der Ev. Gemeinde gegenüber dem Rhein-Center an der Aachener Straße 1208 statt.

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