Cacau – Der Integrationsbeauftragte des DFB bleibt still


Es ist genau zwei Wochen her, dass sich der frühere deutsche Fußballer Cacau zum bisher letzten Mal in die Diskussion um die Fotos der Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan einmischte.

Die Fußball-WM in Moskau lief noch, Deutschland war längst ausgeschieden, da sagte der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview mit der „Welt“: „Der Fußball ist nach wie vor ein Begegnungsort, wo Menschen zusammenkommen und Integration gelingen kann. Das darf durch diese Diskussion nicht infrage gestellt werden.“

Doch genau das passiert gerade. Einen Tag nach dem Rücktritt des in Gelsenkirchen geborenen Fußballers Mesut Özil ist hierzulande eine neue Integrationsdebatte entflammt. Es wird genau das infrage gestellt, womit sich der DFB jahrelang rühmte.


Und Claudemir Jerônimo Barreto, genannt Cacau, der seit Ende 2016 Integrationsbeauftragter des DFB ist, bleibt stumm und lässt die DFB-Spitze sprechen. Dabei weiß der gebürtige Brasilianer aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Sport für eine gelungene Integration sein kann.

Er selbst wuchs unter ärmlichen Verhältnissen in einer Industriestadt nahe São Paulo auf, die Mutter putzte bei einer deutschen Familie. Mit 18 entschied Cacau, sein Glück als Fußballer in Deutschland zu suchen. Zunächst kickte er in der Fünften Liga, sprach kein Wort Deutsch. Er war fremd, allein – und wollte doch genau das Gegenteil. Er machte Karriere beim VfB Stuttgart, stürmte sich dort in die Herzen der Fans.

2009 wurde er eingebürgert, im selben Jahr machte er das erste seiner insgesamt 23 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft. Beim DFB arbeitet er derzeit vor allem an der Basis, er besucht Integrationsprojekte, Amateurvereine, Flüchtlingskampagnen.

Er will zeigen, wie wichtig es ist, dass Deutsche auf fremde Menschen zugehen, denn „dieses Land gibt einem eine riesige Chance“. Cacau wird in den nächsten Wochen viel Wiederaufbauarbeit leisten müssen.