Ist die BYD-Aktie jetzt ein Kauf?

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Batterie laden an Ladesäule
Batterie laden an Ladesäule

Die BYD (WKN: A0M4W9)-Aktie ist in den letzten Wochen abgegangen wie eine Rakete: In den letzten drei Monaten legte die BYD-Aktie um mehr als 80 % zu. Auf Jahressicht steht sogar ein Plus von über 220 % zu Buche (Stand: 19.10.2020).

Was für eine spektakuläre Entwicklung!

Für Investoren, die diese Entwicklung nur von der Seitenlinie aus verfolgt haben, stellt sich natürlich die Frage, ob die BYD-Aktie auch heute noch ein Kauf ist. Im folgenden Artikel habe ich versucht, dieser Frage basierend auf dem Geschäftsmodell, dem Potenzial und der Bewertung auf den Grund zu gehen.

Check 1: Das Geschäftsmodell hinter der BYD-Aktie

BYD baut neben Autos auch Busse, Lkws, Monorails, elektronische Komponenten und Batterien. Klingt alles extrem spannend, keine Frage. Generell bevorzuge ich jedoch fokussierte Geschäftsmodelle gegenüber Mischkonzernen wie BYD. Dieser Punkt spricht für mich daher eher gegen die BYD-Aktie, als dass er für einen Kauf spricht.

Und auch die Umsatzentwicklung wirkt erst mal nicht sonderlich anziehend. Seit 2015 ist BYD etwas mehr als 11 % pro Jahr beim Umsatz gewachsen. Der operative Gewinn war 2019 sogar ein gutes Stück niedriger als 2015. Da an der Börse allerdings die Zukunft gehandelt wird – und nicht die Vergangenheit – sollten wir es nicht versäumen, einen Blick auf die aktuellsten Zahlen von BYD zu werfen.

BYD-Aktie
BYD-Aktie

Quelle: Getty Images

Und die sehen angesichts eines coronaverseuchten Halbjahres gar nicht mal so schlecht aus. Zwar setzte man rund 2 % weniger um als im Vorjahreszeitraum, beim Gewinn legte man aber satte 14,3 % zu. Diesen guten Zahlen haben der BYD-Aktie zu ihrem jüngsten Kurssprung von 12 auf über 14 Euro verholfen. Dem Markt hat also gefallen, was BYD in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gemacht hat.

Doch wie steht es um das zukünftige Potenzial der BYD-Aktie?

Check 2: Das Potenzial

BYD war zwischen den Jahren 2015 bis 2018 laut eigenen Angaben der Autohersteller, der weltweit am meisten Autos mit regenerativen Antrieben verkauft hat. In diesem Bereich scheint man also eines der führenden Unternehmen zu sein. Gleichzeitig bietet dieser Markt noch eine Menge Wachstumspotenzial, davon bin ich überzeugt.

Gleiches gilt selbstverständlich für Busse und Lkws mit regenerativen Antrieben. Auch in diesen Märkten dürfte eine Menge Wachstumspotenzial für die BYD-Aktie stecken. Das chinesische Unternehmen ist jedoch nicht nur ein Fahrzeugbauer, auch im Bereich regenerative Energien ist man tätig.

So produziert man Solarmodule – und die dazugehörigen Speicherlösungen in Form von Batterien gleich dazu. Sicherlich bieten auch diese beiden Märkte eine Menge Wachstumspotenzial, davon bin ich überzeugt. Doch Wachstumspotenzial alleine reicht nicht für eine erfolgreiche Entwicklung der BYD-Aktie …

Bei all diesen vielversprechenden Märkten, ob Solarmodule oder E-Autos, sollte man sich drei Fragen stellen:

  • Wird BYD das führende Unternehmen in diesen Märkten werden?

  • Bei all diesem Wachstumspotenzial stelle ich mir die Frage, warum das Unternehmen in den letzten Jahren so langsam gewachsen ist.

  • Wie profitabel werden diese vielversprechenden Produkte in den nächsten Jahren sein? Die Netto-Marge betrug im Geschäftsjahr 2019 gerade mal 1,3 %.

Schwierige Fragen – gerade für Investoren aus Europa ist es nicht einfach, hier die richtigen Antworten zu finden. Um ehrlich zu sein verunsichert mich insbesondere die schwache Umsatzentwicklung in den letzten Jahren schon ein bisschen.

Mein Fazit zum Potenzial der BYD-Aktie fällt daher gemischt aus. In der Theorie bieten ausnahmslos alle Geschäftsbereiche von BYD scheinbar eine Menge Wachstumspotenzial. Doch wie sich BYD am Ende tatsächlich schlagen wird und wie profitabel das Geschäft werden könnte, ist Stand heute extrem schwierig zu prognostizieren.

Check 3: Die Bewertung

Die Marktkapitalisierung der BYD-Aktie beträgt aktuell umgerechnet rund 40 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Volkswagen wird aktuell mit rund 70 Mrd. Euro bewertet, Fiat Chrysler mit knapp 17 Mrd. Euro und Toyota mit rund 155 Mrd. Euro.

Wir sehen – hier ist die komplette Bandbreite an Marktkapitalisierungen dabei. Aufgrund des breit aufgestellten Geschäftsmodells von BYD ist eigentlich kein 1:1-Vergleich mit einem diesem Unternehmen sinnvoll. Am ehesten erscheint mir ein Vergleich mit Volkswagen naheliegend.

Dass Volkswagen mehr Wert ist, könnte durchaus Sinn ergeben, immerhin sind die Wolfsburger einer der größten Autohersteller der Welt mit einer zwar angekratzten, aber doch bekannten Marke. So weit ist BYD noch nicht – jedoch könnte sich das Unternehmen durchaus dahin entwickeln.

Gemessen an der Marktkapitalisierung würde ich daher eher keine Überbewertung erkennen. Das KGV hingegen ist hoch, laut finanzen.net liegt es aktuell bei rund 80. Für ein stark wachsendes Unternehmen wäre das okay, das ist bei der BYD-Aktie aber wie gesehen nicht der Fall.

Fazit: Ein Schnäppchen ist die BYD-Aktie aktuell eher nicht. Es ist bereits eine Menge Wachstum – oder besser gesagt die Hoffnung darauf – eingepreist.

Mein Fazit zur BYD-Aktie

So verlockend sich das Geschäftsmodell der BYD-Aktie erst mal anhört – für mich ist die Aktie nichts. Zum einen bevorzuge ich fokussierte Geschäftsmodelle, zum anderen verunsichern mich die stagnierenden Umsatzzahlen. Bei so vielversprechenden Produkten wundere ich mich doch ein wenig über das kaum vorhandene Wachstum bei BYD.

Daran ändert ein einziges gutes Quartal erst mal nichts.

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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