BVB-Torklau: So denkt die UEFA über den Videobeweis

Kerry Hau

Es war doch so ein schöner Spielzug.

Mahmoud Dahoud schlug eine butterweiche Flanke aus dem rechten Halbraum auf die linke Strafraumseite. Dort tauchte Pierre-Emerick Aubameyang auf und verwandelte den Ball mit einem wunderbaren, für Hugo Lloris unhaltbaren Seitfallzieher, in die Maschen. 2:2. Dachten alle.

Doch das italienische Schiedsrichtergespann um Gianluca Rocchi wollte eine Abseitsposition erkannt haben und pfiff den bereits jubelnden Aubameyang zurück. Glück für Tottenham Hotspur, Pech für Borussia Dortmund. Denn das Tor war regulär.


Reguläres Tor aberkannt

Als der englische Goalgetter Harry Kane praktisch im Gegenzug zum 3:1 für die Spurs traf, war das Spiel gelaufen. Und der Ärger der Borussen riesig. Sie haderten nach dem Abpfiff zwar auch mit ihrer eigenen Leistung, vor allem aber mit jener Entscheidung in der 58. Minute.

Eine Entscheidung, die so in der Bundesliga nicht getroffen worden wäre. Denn in Deutschlands höchster Spielklasse gibt es seit dieser Saison im Gegensatz zur Champions League den Videobeweis. 

Doch warum wird ausgerechnet beim Millionenspektakel Königsklasse, beim größten und lukrativsten Geschäft im Fußball, auf dieses Hilfsmittel verzichtet?


"Die UEFA ist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, wie sie ihre Wettbewerbe verbessern kann. So gab es viele Diskussionen über die Torlinientechnik (GLT), bevor sie für die UEFA EURO 2016 und die UEFA Champions League eingeführt wurde", teilte ein Sprecher der Europäischen Fußball-Union auf Anfrage von SPORT1 mit.

"Fluss des Spiels beibehalten"

Demnach macht sich die UEFA Gedanken, in Zukunft auch vom Videobeweis Gebrauch zu machen: "In Bezug auf den Video Assistant Schiedsrichter (VAR) finden zur Zeit verschiedene Versuche statt. Die UEFA überwacht die Ergebnisse, um zu sehen, ob oder wie das System arbeiten kann, während der Fluss des Spiels beibehalten wird."

Allerdings gebe es derzeit "keine konkreten Pläne", den Videobeweis einzuführen. Die UEFA will offenbar technische Pannen und mitunter elend lange Entscheidungswege, wie sie der Videobeweis in der Bundesliga und beim Confed Cup hervorgerufen hat, vermeiden.

Nach dem Spiel zwischen Tottenham und Dortmund steht der Verband nun aber unter einem gewissen Zugzwang.

Der Weltverband FIFA hatte das Hilfsmittel erstmals im Dezember 2016 bei der Klub-Weltmeisterschaft in Japan präsentiert.

Bundesliga als Vorreiter

Ein halbes Jahr später kam er dann auch in Europa beim Confed Cup zum Einsatz. Trotz einer Menge Kritik zeigte sich FIFA-Präsident Gianni Infantino begeistert: "Wir hätten ohne den Videobeweis ein anderes Turnier gehabt. Ein Turnier, das weniger fair gewesen wäre. Große Fehler werden nicht mehr passieren und das ist gut für den Fußball."


Von den großen europäischen Top-Ligen setzen neben der Bundesliga noch die italienische Serie A und zum Teil auch die französische Ligue 1 (bei Play-off-Spielen) und die niederländische Eredivisie (beim Supercup) auf den Videobeweis.

Die Spanier und Engländer stellen sich ebenso wie die UEFA quer. Fragt sich nur, wie lange noch.