BVB in Not! Das fehlt Dortmund ohne Haaland

Christopher Michel
·Lesedauer: 5 Min.

Um 14.30 Uhr war das Geheimnis bei Borussia Dortmund gelüftet. Trainer Lucien Favre brachte Julian Brandt als Ersatz für den verletzten Erling Haaland in der Startelf, Wunderstürmer Youssoufa Moukoko musste auf seinen ersten Einsatz von Beginn an warten (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Doch schnell wurde klar: Das Fehlen von Haaland war für den BVB beim 1:1 bei Eintracht Frankfurt nicht zu kompensieren. SPORT1 nennt fünf Gründe.

Brandt ist in der Spitze verschenkt

Julian Brandt zählt in Topform zu den besten Offensivspielern in der Bundesliga. Der 25-Jährige ist ein Freigeist, der mit seiner Passstärke, Handlungsschnelligkeit und Spielfreude viele gefährliche Aktionen kreieren kann. Doch in Frankfurt zeigte sich einmal mehr, dass Brandt für die Rolle als Stoßstürmer neben der körperlichen Robustheit auch die richtige Mentalität, der nötige Biss fehlt. (Tabelle der Bundesliga)

Die ersten 45 Minuten liefen völlig an ihm vorbei, den Dortmundern fehlte dadurch jegliche Tiefe und Torgefahr. Es war bezeichnend, dass Brandt seine beste Möglichkeit hatte, als er im zweiten Durchgang eine Reihe nach hinten gezogen wurde.

"Natürlich weiß man, wie wichtig Erling ist. Er hat beispielsweise in Berlin vier Tore erzielt. Es ist klar, dass uns seine Tiefenläufe im Zentrum fehlen", analysierte Favre nach Spielende. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Die Entscheidung für Brandt begründete der Schweizer mit einer guten Erfahrung aus der Vergangenheit: "Marco Reus und Brandt haben das einmal gegen Slavia Prag sehr gut gemacht. Da haben beide gut gespielt."

Doch diesmal zeigte sich das Fehlen von Haaland zu deutlich: Der Norweger bringt nicht nur spielerische Qualitäten mit, er ist auch körperlich stets präsent und bindet so eine Vielzahl an Gegenspieler an sich. Brandt ist dies nicht gelungen, für die Rolle als Speerspitze fehlen ihm diese Merkmale.

Moukoko ist hochtalentiert – braucht aber Zeit

Die Zweikampfquote von Youssoufa Moukoko? Sie lag bei 0 (!) Prozent. Der 16-Jährige ist ein großes Talent, er bewegt sich geschickt, sucht die Räume und Situationen. Doch die robuste Abwehr der Eintracht mit Martin Hinteregger, David Abraham und Evan N’Dicka ließ ihn knallhart abblitzen.

"Wir müssen alle mit ihm Geduld haben, er ist erst 16 und muss sich erst an das Tempo gewöhnen", sagte Emre Can über den Teenager. "Das hat man heute gesehen, dass die Verteidiger ein bisschen stärker sind und alles schneller ist. Er ist ein extremes Talent, aber man muss Geduld haben."

Moukoko wird noch viel lernen müssen, Bundesligaspiele besitzen natürlich ein deutlich höheres Niveau als Spiele in der U19-Auswahl. Favre zog dennoch ein zufriedenstellendes Fazit: "Ein solcher Stürmer ist wichtig für uns, weil er sich viel bewegt und Läufe in die Tiefe macht. Das gibt mehr Platz für die Mitspieler."

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In der Tat wurde das Spiel der Dortmunder im zweiten Durchgang mit Moukoko in der Spitze variabler und besser, der Ausgleich fiel hochverdient in eine Sturm- und Drangphase. Doch einen Makel konnte auch der jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten nicht beseitigen.

Es fehlen die Torchancen

Es ist beinahe schon die Ironie der Geschichte dieser Partie, dass die Borussia ihre hochkarätigsten Chancen im schwachen ersten Durchgang hatte. Mats Hummels (3.) und Jadon Sancho (20./26.) verfehlten das Gehäuse der Eintracht nur ganz knapp.

Im besseren zweiten Durchgang hingegen wurden die Dortmunder druckvoller, doch mit Ausnahme des Traumtores von Giovanni Reyna konnten die Gäste keine hochkarätigen Tormöglichkeiten kreieren.

Ohne Haaland fehlt dieser Zug zum gegnerischen Kasten, auch die Leidenschaft des 20-Jährigen ist für Favre nicht zu ersetzen. Wo ist diese unbändige Lust auf Tore?

Auch wenn er vergangenes Wochenende gegen den 1. FC Köln einmal eine Riesenchance vergab, ist er stets gefährlich und ehrgeizig. In der Champions League gegen Lazio Rom (1:1) und jetzt in Frankfurt wurde deutlich, wie wenig Gefahr das Team ohne den Toptorjäger (an zwölf der 22 Tore beteiligt) ausstrahlt.

Marco Reus fehlt die Topform

Favre, der nur zweimal wechselte und auf Nachfrage von SPORT1 auf das Rotationsprinzip verwies, verzichtete auf Reus. Auch in der Schlussphase ging er nicht "All-In", der Kapitän saß 90 Minuten auf der Bank. Auf Reus selbst wollte der Trainer nicht eingehen, sagte nur: "Wir werden auch in Zukunft rotieren. Wir haben sehr intensive Spiele und viele Verletzungen. Deshalb müssen wir aufpassen."

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Dennoch hätte Favre noch einen dritten Wechsel mit Reus ziehen können, der eben Läufe in die Tiefe sucht und Torgefahr ausstrahlt.

Zwar kam der Angreifer nach monatelanger Verletzungspause in den vergangenen Wochen nicht wie erhofft ins Rollen, doch für eine heiße Schlussphase sollte er immer ein Kandidat bleiben.

Reicht das Personal im Angriff für den Angriff auf den Titel?

Rund 180 Minuten ohne Haaland zeigen, dass dem BVB ganz vorne ein passabler Ersatz fehlt. Wenn dann noch mit Raphael Guerreiro (fünf Scorerpunkte in sieben Bundesligapartien) ein weiterer Unterschiedsspieler fehlt, dann wird es eng mit Toreschießen.

Favre sieht allerdings auf SPORT1-Nachfrage keine Notwendigkeit, in der Winter-Transferperiode für das Titelrennen nachzulegen: "Erling Haaland wird zurückkommen und wir haben noch Reinier. Er war in Quarantäne für zehn Tage. Das wird zwar noch dauern, bis er fit ist. Aber wir werden auf dieser Position auf dem Transfermarkt nichts machen. Nein!"

Es bleibt aus BVB-Sicht zu hoffen, dass Haaland nach seinem Muskelfaserriss fit wird und kein weiteres Mal ausfällt.