BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: "Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat uns überrannt"

Watzke sieht in naher Zukunft keine Chance, die Dominanz des FC Bayern durchbrechen zu können und macht auch finanzielle Gründe dafür verantwortlich.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat vor dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern München (Sa., 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) über den Rückstand zum Rekordmeister gesprochen. Der 58-Jährige kündigte zudem einen neugeschaffenen Posten in der sportlichen Leitung an und legte dar, welche Aufgaben Matthias Sammer als externer Berater erfüllen soll.

18 Punkte beträgt der Vorsprung des FC Bayern auf Borussia Dortmund, der mit etwas Schützenhilfe am 28. Spieltag gegen den großen Rivalen sogar die Meisterschaft feiern kann. Für Dortmunds Boss Watzke ist das "aktuell von völlig untergeordneter Bedeutung", wie er in einem Interview mit der Funke Mediengruppe klarstellte. Momentan gehe es nur um das Erreichen der Champions League, auch wenn Watzke "sehr wohl die Hoffnung vieler deutscher Fußballfans" registriere, "dass wir den Bayern zumindest wieder näher auf den Leib rücken. Das ist langfristig auch unser Ziel".

Im Frühjahr 2016 war der BVB noch fünf Punkte am Rekordmeister dran: "Im Sommer ist Mats Hummels dann nach München gewechselt." Hummels Abgang habe den BVB trotz der Weggänge von Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan im gleichen Sommer "sportlich und strukturell am meisten getroffen, und Mats hat Bayern zusätzlich stabilisiert. In Aubameyang und Dembele haben wir danach noch mehr internationale Klasse verloren". Diese "geballte Häufung" an Abgängen zu kompensieren "konnten wir fast nicht schaffen".

BVB-Boss Watzke kündigt neue Position in sportlicher Leitung an

Watzke gab ganz offen zu: "Über unsere Situation haben wir uns in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht und wirklich lange analysiert. Es geht längst nicht nur darum, welcher Spieler gerade kommt, geht oder spielt. Wir mussten den gesamten BVB betrachten und haben festgestellt: die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren hat uns überrannt."

Deshalb soll zur Entlastung der sportlichen Führung "eine neue Position unterhalb von Michael Zorc" geschaffen und ein Leiter für die Lizenzspieler-Abteilung verpflichtet werden: "Die Position umfasst ein enges Heranrücken an die Mannschaft. Nicht nur im organisatorischen Bereich. Er muss vier Eigenschaften haben. Erstens: Kompetenz - was alleine ja schon bedeutet, dass er ein aussagekräftiger Spieler gewesen sein sollte. Zweitens: Loyalität. Drittens: Kreativität. Viertens: Identität - was besagt, dass er eine BVB-Vergangenheit haben sollte. Wir führen gerade die Gespräche und haben klare Vorstellungen, wen wir wollen."

Watzke: Stöger weiter erster Ansprechpartner bei BVB-Trainersuche

Mit BVB-Legende und Eurosport-Experte Matthias Sammer hat der BVB bereits die erste hochkarätige Personalie fix gemacht, wenn auch "nur" als externen Berater. "Wir waren 2012 an München vorbeigezogen. Und dann kam zuerst Matthias Sammer. Nicht Pep Guardiola. Prompt haben sie das Triple gewonnen", erklärte Watzke: "Das hatte auch mit Matthias zu tun. Von dem Moment an, haben wir uns voneinander entfernt. Er hat ja jobbedingt zugegebenermaßen schön bei uns gewildert."

Das habe den BVB aber "nicht ruhen lassen": "Die Frage war: Wie können wir eine so außerordentliche Kompetenz, die auch noch diese BVB-Vergangenheit hat, an uns binden, ohne ihn in eine Struktur zu pressen?" Die Antwort: Als externen Berater, als "Diskussionspartner mit hoher BVB-Affinität".

Als weitere essenzielle Position muss im kommenden Sommer die Trainerfrage geklärt werden. Peter Stöger sei weiterhin "erster Ansprechpartner", dennoch erklärte der 58-Jährige: "Ich bin kein Anhänger davon, dass der Trainer die Transferpolitik bestimmt. Das halte ich für falsch. Die Verweildauer eines Trainers beträgt heutzutage oft nur noch zwei bis drei Jahre. Den Kader muss man über diesen Zeitraum hinaus planen."

"Noch im April" werde der BVB alle relevanten Fragen angehen. Watzke: "Wegen der WM wird der Transfermarkt sowieso erst spät in Bewegung kommen. Vorher müssen wir andere Fragen klären."