Diese Stärke sticht beim neuen BVB heraus

Patrick Berger
·Lesedauer: 4 Min.

Mats Hummels schaute nochmal kurz bei den Kollegen vorbei.

Der Matchwinner aus dem Bielefeld-Spiel (doppelter Torschütze und bester Zweikämpfer) ließ sich am Sonntagvormittag zunächst von Dr. Markus Braun am lädierten Oberschenkel behandeln und erschien anschließend im Schlabber-Look – graue Jogginghose, orange-farbener Hoodie, graue Wollmütze und Brille – auf dem Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. Noch ist offen, ob der 2014er Weltmeister am Mittwochabend im wichtigen Champions-League-Spiel beim FC Brügge (ab 21 Uhr im LIVETICKER) auflaufen kann.

"Der Muskel hat sich zugezogen im Oberschenkel", sagte der 31-Jährige noch am Samstagabend. Einen Stich, der auf einen Muskelfaserriss hindeuten würde, habe er nicht gespürt. Klar ist dennoch: Die Chancen auf eine Blitz-Genesung stehen nicht gerade gut.

Nach SPORT1-Informationen rechnen sie beim BVB nicht damit, dass es der Abwehrchef rechtzeitig bis Mittwoch schafft. Ein Hummels-Ausfall würde den Dortmundern, die in der Deckung weiterhin auf Emre Can (noch in häuslicher Quarantäne) und Dan-Axel Zagadou (Knie) verzichten müssen, schwer treffen. Immerhin: Top-Stürmer Erling Haaland dürfte sich nach überstandenen Knieproblemen wieder fitmelden.

BVB-Trainer Lucien Favre wird beim Gastspiel in Belgien wohl einmal mehr zum Improvisieren gezwungen sein. Zuletzt klappte das äußerst gut. Die Borussen zeigten sich – mit Blick auf die vergangenen Jahre – vor allem in der Abwehr stark verbessert. Sie ist das neue Prunkstück. "Im Moment haben wir von zehn Spielen sieben zu Null gespielt“, befand Mittelfeldspieler Thomas Delaney. "Das ist sehr gut und viel besser als letztes Jahr."

BVB stellt die beste Abwehr der Liga

Der BVB stellt aktuell die beste Abwehr der Liga. Und er feierte an diesem sechsten Bundesliga-Spieltag eine Premiere unter Favre: Erstmals seit drei Jahren blieben die Schwarzgelben vier Ligaspiele in Folge ohne Gegentor. Es war zudem das siebte Zu-Null-Spiel in dieser Saison. Lediglich in Rom (1:3), in Augsburg (0:2) und im Supercup gegen die Bayern (2:3) gab es Gegentreffer.

Egal ob mit Dreier- oder Viererkette, ob mit Stamm- oder Notpersonal – der BVB steht hinten weitestgehend stabil. In der Vorbereitung legte Favre seinen Fokus auf die Defensivarbeit. "Eine Mannschaft, die ganz oben stehen will, darf in 34 Spielen maximal 26 bis 28 Gegentore bekommen", stellte der Schweizer vor der Saison die Meister-Rechnung auf.

Zum Vergleich: In den vergangenen beiden Saisons hatte der BVB mit 44 (18/19) und 41 (19/20) Gegentoren jeweils nur die viertbeste Abwehr der Liga.

BVB gewinnt jetzt auch dreckige Spiele

Was der BVB außerdem besser macht als im Vorjahr: Er gewinnt auch die so genannten dreckigen Spiele und holt Arbeitssiege wie eben in Bielefeld oder zuletzt in Hoffenheim (1:0) und gegen St. Petersburg (2:0).

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Die Leistungen sind nicht immer berauschend, es sind keine Offensiv-Spektakel mehr wie noch oft im Vorjahr. Doch die Mannschaft spielt enorm effektiv. Hummels sprach von einer "sehr erwachsenen Leistung", die man in Bielefeld gezeigt habe. "Wir haben uns jetzt keine 15 hochkarätigen Chancen rausgespielt, aber genügend, um das Spiel verdient zu gewinnen."

Und Julian Brandt ergänzte: "Es ist zwar bei uns ab und zu ein bisschen Rohkost, wenn wir gegen Mannschaften spielen, die tief stehen. Aber mit der nötigen Geduld bekommen wir es bis jetzt ganz gut hin."

Neue Stärke nach Standards

Noch so ein Punkt, der wesentlich besser läuft: Fünf der 13 bisherigen Ligatreffer fielen nach Standards. In der ganzen letzten Saison waren es zehn. Mit drei Toren nach Ecken ist der BVB außerdem jetzt schon so gut wie in der kompletten vergangenen Spielzeit.

Es scheint, als könne der BVB dem FC Bayern in dieser Saison mal bis zum Schluss Paroli bieten. Vor zwei Jahren brach man ja bekanntlich nach der Herbstmeisterschaft ein und in der vergangenen Saison ließ man in der Hinrunde vor allem gegen die vermeintlich kleinen Gegner trotz klarer Überlegenheit die Punkte liegen.

Der BVB kann schon am Samstag im direkten Duell gegen die Bayern zeigen, dass er "erwachsen" (Hummels) geworden ist und die nötige Entwicklung für den Titel genommen hat.