Button steigt mit McLaren-Team in DTM ein: Welche Rolle spielt der Superstar?

Sven Haidinger
·Lesedauer: 4 Min.

Gerhard Bergers Vorhaben, für seine GT3-DTM ein ordentliches Feld zusammenzubekommen, nimmt langsam Fahrt auf: Nun hat mit Jenson Team Rocket RJN ein weiteres Team die Einschreibung für die DTM-Saison 2021 per Pressemitteilung bestätigt. Dahinter verbirgt sich niemand geringerer als Ex-Formel-1-Superstar Jenson Button, der mit seinem Jugendfreund Chris Buncombe 2018 einen Rennstall gründete und 2020 einen McLaren 720S GT3 in der britischen GT-Meisterschaft einsetzte.

"Ich habe die DTM immer geliebt und es ist toll, zu sehen, wie die Serie mit den GT3-Fahrzeugen ein neues Kapitel aufschlägt", wird Button, der vor einem Jahr beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim als Super-GT-Gaststarter in einem Honda am Start war, zitiert. Und der sein Formel-1-Debüt vor 20 Jahren für Williams-BMW gab, als Berger BMW-Motorsportdirektor war.

"Ich kenne Gerhard schon seit langer Zeit und ich bin davon überzeugt, dass er für eine gute Show sorgen wird! Hinter den Kulissen arbeiten wir alle mit Hochdruck daran, dass dieses DTM-Projekt ein Erfolg wird. Ich bin erfreut, dass wir unsere Aktivitäten mit McLaren ausbauen können", sagt Button.

Teamchef stellt klar: Einsatz von Button nicht geplant

Weitere Fragen - zum Beispiel wie viele Boliden das in Didcot ansässige Team einsetzen möchte und wer diese pilotieren soll - lässt die Pressemitteilung unbeantwortet. Grund genug, direkt beim Rennstall und Teamchef Bob Neville nachzufragen.

Die wichtigste Nachricht: Jenson Button, der bislang nur beim Finale der britischen GT-Meisterschaft in Silverstone gemeinsam mit Geschäftspartner Buncombe im Auto saß, ist nicht als Fahrer vorgesehen. "Nein, das ist nicht sehr wahrscheinlich und nicht Teil des Plans", sagt Neville im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Er hat sehr viel zu tun und hat andere Verpflichtungen."

Dazu kommt, dass der 40-jährige Brite demnächst zum zweiten Mal Vater wird und mit seiner Verlobten Brittny Ward in Los Angeles in Kalifornien lebt. "Auch das spielt eine Rolle. Es wäre für ihn sehr schwierig, das umzusetzen", so Neville. "Außerdem ist er keiner, der ständig in einem GT3-Auto sitzt."

Warum man die Anzahl der Autos nicht preisgibt

Tatsächlich hatten Button und Buncombe beim Gastspiel in der britischen GT-Meisterschaft Schwierigkeiten, mit der Spitze mitzuhalten und kamen nur auf Platz 14. Wie sehr sich Button bei seinem Rennstall einbringt? "Jenson ist hier sehr involviert", sagt Neville. "Wir sprechen an den meisten Tagen miteinander - das gilt auch für Chris."

Wie viele Autos die aktuell nur 14 Mitarbeiter umfassende Truppe einsetzen wird, ist noch nicht geklärt. "Das wissen wir nicht wirklich", sagt Neville, der andeutet, dass man aktuell zwar nur ein Auto eingeschrieben hat, es dabei aber nicht bleiben muss.

"Wir müssen noch einige Gespräche führen, auch was die Fahrer angeht", sagt er. "Wenn es aber unser Plan wäre, nur ein Auto einzusetzen, würde man das auch gleich so kommunizieren. Das ist also eine Sache, an der wir gerade arbeiten."

Team plant Teilnahme an mehreren Serien

Abgesehen vom DTM-Engagement plant das Team, 2021 auch an der GT-World-Challenge Europe und an der britischen GT-Meisterschaft teilzunehmen. Die Teilnahme an der SRO-Serie war bereits im Vorjahr geplant gewesen, wurde aber wegen der Coronavirus-Krise abgesagt.

Die Beklebung des McLaren erinnert an Buttons Weltmeisterauto von Brawn

Die Beklebung des McLaren erinnert an Buttons Weltmeisterauto von Brawn<span class="copyright">Rocket RJN</span>
Die Beklebung des McLaren erinnert an Buttons Weltmeisterauto von BrawnRocket RJN

Rocket RJN

Laut Mitbesitzer Buncombe, der selbst 2007 bei den 24 Stunden von Le Mans die LMP2-Klasse für sich entschied, sei es seit der Gründung des Team die Ambition gewesen, "uns weiterzuentwickeln und zu wachsen, indem wir an mehreren verschiedenen Serien teilnehmen und dabei eng mit einem Hersteller zusammenarbeiten". "Als sich für uns diese Möglichkeit in der DTM auftat, war es klar, dass das perfekt passte."

Wer hinter Buttons Team steht

Wie es zum Team kam? Rocket Motorsport hieß ursprünglich das Kart-Team, mit dem Jenson Buttons inzwischen verstorbener Vater John seinen Sohn und Piloten wie Lewis Hamilton, Will Stevens, Oliver Rowland und James Calado betreute. Button ließ den Namen 2018 unter Jenson Team Rocket RJN wieder aufleben, als er bei Bob Nevilles RJN-Truppe einstieg.

RRJN hat aber viel Routine im internationalen Motorsport. "Wir sind bei jedem einzelnen Blancpain-Endurance-Rennen von 2011 bis zum Ende 2018 angetreten", sagt Neville, dessen Truppe 2013 mit einem Nissan den Titel holte, nicht ohne Stolz.

Seit über 20 Jahren setzt der Brite mit RJN Autos im Tourenwagen- und GT-Sport, aber auch bei der Rallye Dakar und im Rally-Raid-Bereich ein. Und auch als Konstrukteur war man mit dem selbst designten Nissan 370Z Nismo GT4, der nach wie vor angeboten wird, aktiv.

Insgesamt sind nun mindestens sechs Autos für die neue DTM-Saison offiziell eingeschrieben: Der GruppeM-Mercedes, die zwei Abt-Audis sowie die zwei McLaren-Fahrzeuge des 2-Seas-Teams und der Bolide von Jenson Buttons Rennstall.

Mit Bildmaterial von Jenson Team Rocket RJN.