Business Insider zu Besuch im türkischen Silicon Valley: So werkelt Togg-Chef Karakaş an Erdogans E-Auto-Traum

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TOGG-CEO Gürcan Karakas
TOGG-CEO Gürcan Karakas

Aus dem türkischen Silicon Valley Bilisim Vadisi blickt man auf den Hafen von Gemlik im Nordwesten der Türkei, wo die Frachtschiffe die angeschlagene Wirtschaft ankurbeln sollen. Aufgrund der Pandemie ist es derzeit still im Tal, auch im Innovationszentrum, das kurz vor der Pandemie eröffnete. Viele Rechner sind noch unbenutzt, auf einigen Stockwerken laufen noch Renovierungsarbeiten. In der bunten Startup-Szene von jungen Frauen mit und ohne Kopftuch, bärtige junge Männer mit Sneakers mit ihren Recycling-Kaffeebechern treffen wir Gürcan Karakaş, CEO des türkischen Autoherstellers Togg. Auch der Hoffnungsträger der türkischen E-Mobilität ist hier angesiedelt. Noch stehen hier viele Räume leer, doch Karakaş strahlt Optimismus aus. Der ehemalige Bosch-Manager trägt ein Poloshirt und Jeans und fühlt sich offenbar in der Rolle eines Startuppers wohl.

Karakaş kam nach dem Maschinenbau-Studium zum deutschen Autozulieferer Bosch und wurde Anfang 2004 zum Türkei-Chef vom deutschen Unternehmen ernannt. Unter seiner Führung weitete sich das Geschäft in der Türkei aus und erreichte fast 2 Milliarden Euro Umsatz. 2018 übernahm er die Führung bei Togg, das Konsortium der türkischen Autohersteller.

Der Togg-CEO hofft, dass die ersten Serienfahrzeuge, zwei SUV, eine Limousine, ein Kompaktwagen sowie ein Minivan Ende 2022 vom Band laufen. „Unser Ziel ist es pro Jahr 175.000 Fahrzeuge zu produzieren“, sagt Karakaş. Die türkische Automobilgruppe hat in den letzten zwei Jahren daran gearbeitet, die E-Mobilität in der Türkei voranzutreiben. Die Batterien produziert Togg zusammen mit dem chinesischen Batteriezellenhersteller Farsis in der Türkei, das Netzteil liefert Bosch.

400 Ingenieure sind im Einsatz für Togg

Wenn alles nach den Plänen von Karakaş geht, soll Togg sich von anderen E-Autos deutlich unterscheiden. „Die E-Automobilhersteller versuchen das Internet ins Auto zu bringen, wir aber werden das Auto ins Internet bringen“, sagt Karakaş. „Wir bauen nicht nur ein Auto, sondern ein Smart Device.“ Dass die etablierten Hersteller ihre Verbrennerautos schlicht mit einem Elektromotor ausstatten, sei ein Fehler, glaubt Karakaş. „Wir arbeiten von Anfang an mit App-Entwicklern, damit sich das Auto dauerhaft aktualisieren kann“, erzählt der Togg-Chef.

Karakaş möchte die 60-jährige Automobilerfahrung der Türkei in ein Ökosystem der Mobilität verwandeln. „Wir definieren uns nicht in erster Linie als Automobilindustrie“, sagt Karakaş. „Wir sind ein Technologieunternehmen, dessen erstes Produkt ein Automobil sein wird.“

Sechs Konzerne schlossen sich zusammen

Um das erste türkische E-Auto auf den Markt zu bringen, schlossen sich in der Türkei sechs Konzerne zusammen. Sie beschäftigen momentan 400 Ingenieure und wollen 3,3 Milliarden Euro in das Projekt investieren.

Togg-CEO Gürcan Karakaş wurde aus Deutschland in die Türkei geholt, um den Wunsch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vom eigenen Auto zu verwirklichen. Wie wichtig das Projekt für Erdoğan ist, wird aus seinen Worten bei der Vorstellung des E-Autos im Januar 2020 in der Stadt Gebze klar. „Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land und erleben einen Traum, der nach 60 Jahren in Erfüllung geht“, sagte der Staatspräsident.

Zur Marktstrategie sagt der CEO, dass nach dem Markteintritt in der Türkei die E-Autos bald auch in Europa verkauft werden sollen. „Für TOGG sind die west- und nordeuropäischen Märkte und natürlich auch Deutschland essenziell“, sagt Gürcan Karakaş.

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