Erst ab 19 Uhr: Schüler in Köln dürfen ihr Rad tagsüber nicht mehr kostenlos mitnehmen

Die Einschränkung erntet viel Kritik und trifft auch Inhaber von Monatskarten.

Es ist eine Entscheidung, die 100.000 Kölner Schüler betreffen wird. Die Verbandsversammlung des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) hatte im Frühjahr beschlossen, dass die Kinder und Jugendlichen, die ein Schüler-Ticket nutzen, künftig nachmittags nicht mehr kostenlos ihr Fahrrad mit in Bussen und Bahnen dürfen.

Die neue Regelung tritt nun zum 1. August in Kraft. In der Vergangenheit hatte das Schüler-Ticket die Mädchen und Jungen berechtigt, immerhin ab 16 Uhr das Rad umsonst mitzunehmen. Nun dürfen sie dies  erst ab 19 Uhr sowie – wie bisher auch – am Wochenende und an Feiertagen.

Busse und Bahnen stoßen an ihre Grenzen

Der VRS begründete seine Entscheidung damit, dass sich Busse und Bahnen an der Kapazitätsgrenzen befänden und Fahrräder zu viel Platz einnähmen, sagte VRS-Sprecher Holger Klein. Besonders in den Kölner Stadtbahnen kämen es zu den Stoßzeiten morgens und abends immer wieder zu Konflikten zwischen Passagieren mit und ohne Rad.

Betroffen seien insbesondere die Linie 1, 7 und 9 und Knotenpunkte wie Neumarkt oder die Haltestellen an der Aachener Straße. Klein wies darauf hin, dass sein Verband prüfen will, ob Jugendliche künftig die KVB-Leihräder nutzen können. Dies ist bislang Erwachsenen vorbehalten. Außerdem soll es möglicherweise mehr Stellplätze für Räder an den Haltestellen geben.

Der Frust über diese Entscheidung sitzt bei Eltern und alternativen Verkehrsverbänden tief: „Das ist ein absolutes Unding“, ärgerte sich Schulpflegschaftsvorsitzender Reinhold Goss. Der VRS habe sich für eine „Preiserhöhung durch die Hintertür“ entschieden, die die Schüler künftig weniger flexibel mache. Fahrten am Nachmittag von Schule zu Vereinen oder zu Freunden würden künftig durch das VRS-Votum erschwert.

Einschränkung schwächt den Mobilitätsverbund

Betroffen seien besonders die Kinder, die quer durch die Stadt fahren müssten, um etwa Gymnasien mit besonderen Schwerpunkten zu erreichen. „Wer morgens bei Sonnenschein in die Schule mit dem Rad fährt, muss nachmittags im Regen auch damit zurückfahren – oder zahlen.“

Ähnlich sieht das Christoph Schmidt vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub: „Mit der Entscheidung wird der Mobilitätsverbund geschwächt.“ Richtig sei es, dass es morgens und abends zu Engpässe im Bus- und Bahnverkehr komme. Schmidt plädiert aber für eine Lösung, wie sie die Stadt Hannover gefunden hat. Dort können Schüler ihre Fahrräder außerhalb der Verkehrsspitzenzeiten umsonst mitnehmen. „Hannover ist hier ein Vorbild für Köln.“

Schon im vergangenen Jahr hatte der VRS beschlossen, dass auch Studenten, die ein Semesterticket nutzen, ihr Rad werktags vor 19 Uhr nicht mehr kostenlos im öffentlichen Nahverkehr mitnehmen dürfen. Diese Regelung, die weitere 80.000 Kölner betrifft,  tritt zum Wintersemester 2017/2018 in Kraft.

Für Inhaber von Abo-Monatskarten gilt die gleiche Einschränkung

Für die übrigen KVB-Kunden (mit Einzelfahrscheinen) ändert sich nichts: Schon zuvor mussten sie für ihr Rad in Bussen und Bahnen einen Fahrschein lösen. Mitnehmen dürfen sie die Räder aber nur, wenn auch Platz ist. Im Streitfall entscheiden dies die KVB-Mitarbeiter. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen haben Vorrang vor Rädern.

Für verschiedene Abo-Monatskarten (Monats-Ticket, Formel 9, Aktiv 69, Job-Ticket, Starter-Ticket) gilt die gleiche Regel wie bei den Schülern: Umsonst darf das Rad werktags ab 19 Uhr sowie am Wochenende mitgenommen werden.

Dieses kostet als Einzelfahrschein 2,80 Euro und als Viererkarte elf Euro. Kunden können auch eine monatliche Zusatzwertmarke für das Rad für 35,30 Euro lösen. Informationen zu den Beförderungsbedingungen der KVB gibt es im Internet unter www.kvb-koeln.de.

Das denken Kölner Schüler über die Regelung

Für mich macht das überhaupt keinen Unterschied. Man wird in der Bahn heute schon oft angemeckert, von Fahrern wie von Passagieren, die nicht wollen, dass man mit einem Fahrrad einsteigt. (Zoe Karnatz, 18)

Ich kann den Schritt der KVB völlig verstehen. Oft ist es einfach viel zu eng in den Bussen und Bahnen. Und wenn es absolut keinen Platz gibt, dann können eben nicht alle Passagiere mitfahren. (Leon Al-Khatib, 19)

Ich finde die Regelung nicht gut. Was macht man, wenn das Wetter plötzlich umschlägt? Eltern mit Kinderwagen nehmen ja auch viel Platz weg und dürfen die Bahn trotzdem kostenlos benutzen. (Anna Donath, 17)

Das ist ziemlich frech von der KVB. Öffentliche Verkehrsmittel sind schließlich dazu da, um alle Menschen zu transportieren. Wir bezahlen außerdem dafür über unser Schüler-Ticket. (Nils Derboven, 19)

Einige Schüler würden zu spät zum Unterricht kommen, weil das Fahrrad unterwegs mal kaputt geht. Nicht alle haben immer das Geld dabei, um ein Bahnticket zu kaufen. (Adriane Silva, 17)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta