Bundesweite Impfungen gegen das Coronavirus angelaufen

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Corona-Impfung einer hundertjährigen Frau in Berlin

In Deutschland haben bundesweit die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Im ganzen Land bekamen vorwiegend ältere und pflegebedürftige Menschen am Sonntag die ersten Impf-Spritzen. Auch europaweit lief die Impfkampagne mit dem Präparat der Hersteller Biontech und Pfizer an.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrieb im Internetdienst Twitter, der Impfstart mache Hoffnung und gebe Zuversicht. Die Impfung sei "der Schlüssel raus aus der Pandemie". Von einem "Meilenstein in der Pandemiebekämpfung" sprach Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), von einem Zeichen der Hoffnung Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Als erste erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie dort Beschäftigte mit direktem Patientenkontakt eine Impfung. Es gehe "zunächst darum, die Schwächsten zu schützen", erklärte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer.

In Berlin eröffnete im Bezirk Treptow-Köpenick zudem ein erstes Impfzentrum, das zunächst vorwiegend für medizinisches Personal vorgesehen ist.

Zu den zuerst Geimpften gehörten am Sonntagmorgen eine 101-jährige Frau in Berlin, eine 95-Jährige im nordrhein-westfälischen Siegen sowie eine Krankenschwester in Frankfurt am Main. Im Laufe des Tages waren in allen Bundesländern erste Impfungen angesetzt. Insgesamt soll Deutschland bis zum Jahresende 1,3 Millionen Impfdosen erhalten, bis Ende März dann elf bis 13 Millionen Dosen.

Probleme gab es zum Auftakt in einigen bayerischen Landkreisen. Unter anderem im Landkreis Augsburg wurden geplante Impfungen sicherheitshalber verschoben, weil es Bedenken gab, ob die erforderliche Kühlung des Impfstoffs während des Transports funktioniert hatte.

In den übrigen EU-Staaten erhielten ebenfalls die ersten Menschen Spritzen mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den gemeinsamen Impfbeginn als "berührenden Moment der Einigkeit" und als europäische "Erfolgsgeschichte". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "neuen Waffe im Kampf gegen das Virus".

Noch vor dem in der EU abgesprochenen Impfstart war am Samstag als wohl erste Deutsche eine 101-Jährige in einem Pflegeheim im sachsen-anhaltinischen Halberstadt geimpft worden, danach weitere Bewohnerinnen und Bewohner und Pflegekräfte. "Bei Corona zählt jeder Tag", begründete der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis Harz, Immo Kramer, in der "Bild"-Zeitung das Ausscheren.

Ebenfalls einen Frühstart der Impfungen gab es in Ungarn und der Slowakei. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte, dass nicht in ganz Europa unmittelbar nach der Freigabe des Impfstoffs am 22. Dezember mit dem Impfen begonnen wurde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) versicherte, es werde von staatlicher Seite keine Sonderrechte für Geimpfte geben. Ansonsten käme dies einer Impfpflicht gleich und er sei gegen einen Zwang, betonte Seehofer in der "Bild am Sonntag". Er lehnte auch Ungleichbehandlungen durch private Unternehmen wie zum Beispiel Fluggesellschaften ab.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte mehr Tempo bei der Produktion von Impfstoffen. "Es gibt einfach zu wenig Impfstoff", sagte Söder der "BamS". Daher müsse das Tempo der Produktion massiv verstärkt werden. Bisher wird davon ausgegangen, dass frühestens im dritten Quartal 2021 genug Impfstoff für alle Impfwilligen zur Verfügung steht.

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