Bundeswehrsoldaten wegen Aufnahmeritualen zu Recht entlassen

Mehrere Bundeswehrsoldaten eines Ausbildungszentrums im baden-württembergischen Pfullendorf sind zu Recht wegen unzulässiger folterähnlicher Aufnahmerituale entlassen worden. Selbst wenn solche Rituale im Einverständnis aller Beteiligten erfolgten, ende der "Spaß dort, wo er die Würde, die Ehre eines Kameraden verletze", entschied der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) in ein am Freitag veröffentlichten Beschlüssen. (Az. 4 S 2200/17 und 4 S 2201/17).

Im Ausgangsfall waren vier Soldaten des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen wegen des Abhaltens von Aufnahmeritualen entlassen worden. Ihre Behandlung eines "Täuflings" und "Gefangenen" erinnerte laut Gericht äußerlich an Folterszenen,, die die Opfer nicht nur in ihrer körperlichen Unversehrtheit beeinträchtigen, sondern sie gerade auch in ihrer Ehre und Würde verletzen sollten.

Der VGH entschied nun, dass Folterrituale dazu führen könnten, "den militärischen Zusammenhalt im Sinne eines gegenseitigen Vertrauens und der Bereitschaft, füreinander einzustehen, zu gefährden". Aufnahmerituale könnten ausarten, Soldaten einem Gruppenzwang unterwerfen und sie durch entwürdigender Behandlung in ihren Grundrechten verletzen. Ob diese Rituale im Einverständnis aller Beteiligten stattgefunden hätten und auch alle Beteiligten diese Behandlung als Spaß angesehen hätten, sei rechtlich unerheblich.