Bundesumweltministerin Hendricks fordert Jamaika-Verhandler zu Kohleausstieg auf

Barbara Hendricks

Die scheidende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat die an den Jamaika-Verhandlungen beteiligten Parteien zu einem "beherzten Schritt beim Kohleausstieg" aufgerufen. "Dann kann man das Klimaziel 2020 noch erreichen, ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit", sagte die Ministerin dem Magazin "Focus" auch mit Blick auf die am Montag beginnende UN-Klimakonferenz in Bonn.

Union, Grüne und FDP loten derzeit die Chancen zur Bildung Jamaika-Koalition aus. Dabei gehört der Klimaschutz zu den Themen, bei denen die Gespräche ins Stocken gerieten. Die Grünen fordern etwa die Stilllegung von 20 besonders schmutzigen Kohlekraftwerken, was bei den anderen Parteien teils auf erheblichen Widerstand stößt.

"Zwar sind die erneuerbaren Energien wie geplant gewachsen, aber die Kohleverstromung ist nicht im gleichen Maße zurückgegangen", sagte Hendricks. "Wir exportieren große Mengen Strom, das verhagelt uns jetzt die Klimabilanz." Wenn Deutschland auf dem Weg zur klimaneutralen Volkswirtschaft Zeit verliere, hätten Länder wie China die Nase auf wichtigen Zukunftsmärkten vorn, warnte die Ministerin. Sie ist geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

In den vergangenen Jahren stiegen die deutschen CO2-Emissionen wieder an. Im Energiesektor stagnierte der Ausbau Erneuerbarer zuletzt, zudem gingen trotz Ökostromerzeugung bislang kaum Kohlekraftwerke vom Netz. Der überschüssige Strom wird schlicht exportiert. Ohne weitere Maßnahmen wird Deutschland sein Klimaziel 2020 weit verfehlen. Es sieht vor, die Emissionen bis dahin um 40 Prozent verglichen mit dem Stand 1990 zu senken.