Bundestrainer Prokop verteidigt EM-Kader

Christian Prokop hat mit seiner Kader-Nominierung für die EM 2018 bei vielen für Unverständnis gesorgt

Bundestrainer Christian Prokop hat seine Kader-Auswahl für die bevorstehende Handball-EM in Kroatien (12. bis 28. Januar) gegen öffentliche Kritik verteidigt.

"Bei der Auswahl der Nationalspieler geht es einzig und allein um die beste Leistung", sagte Prokop der Mitteldeutschen Zeitung: "Aber meine Handschrift hat man in Leipzig gesehen, und ich erhoffe mir, eine ähnliche Philosophie auch bei der Nationalmannschaft einzubringen. Ich möchte, dass wir Werbung für unseren Sport machen, modernen, aggressiven und technisch versierten Handball spielen."

Prokop hatte am Sonntagabend die drei Europameister Finn Lemke, Fabian Wiede und Rune Dahmke aus dem EM-Aufgebot gestrichen und dafür Kritik geerntet. Stattdessen sind in Bastian Roscheck und Maximilian Janke zwei Debütanten von Prokops Ex-Klub SC DHfK Leipzig dabei.

Perspektive zählt auch

"Bastians Nominierung ist ebenso wie die von Max Janke oder Marian Michalczik, der im 20er-Kader steht, auch ein Zeichen dafür, wohin wir mit der Mannschaft wollen. Neben dem aktuellen Erfolg wird auch eine Weiterentwicklung notwendig sein und auf Perspektive geachtet", sagte Prokop, der im Laufe des Turniers bis zu sechs Wechselmöglichkeiten hat.


Der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan hatte dem SID am Montag gesagt: "Wenn diese Entscheidungen nicht zum erhofften Erfolg führen, kann das natürlich für ihn zum Bumerang werden. Viele verstehen diese Kaderplanung nicht so ganz."

Vor allem das Fehlen von Abwehrchef Lemke würde einige Spieler im EM-Kader "wahrscheinlich schocken, andere verunsichern", sagte Stephan. Dessen Coach Roth beim MT Melsungen war gar "nahezu schockiert. So einen Spieler zu Hause zu lassen, ist schwer erklärbar." Lemke war beim EM-Titel vor zwei Jahren ein enorm wichtiger Bestandteil der Bad Boys.

"Auf solche Qualität ohne Not zu verzichten, wirft Fragen auf. Wenn einer das alles mitbringt wie Lemke und keine Verletzung hat, ist es schon fahrlässig", befindet Melsungens Trainer, der mit Julius Kühn und Tobias Reichmann zumindest zwei EM-Fahrer in seinen Reihen hat. "Er hat die Mannschaft sicher überrascht. Aber er wird seine Gründe haben."