Bundestagswahl: Das sind die skurrilsten Wahlkreise in Deutschland

Die Zahlen mancher Wahlkreise sind so ungewöhnlich, dass man zweimal hingucken muss. (Bild: ddp)

Ein Wahlkreis steht seit Jahren repräsentativ für ganz Deutschland. In anderen Wahlkreisen sind sich die Wähler beim Kreuzchen setzen so einig, dass es fast schon unheimlich ist. So schräg fallen die Wahlergebnisse in manchen Orten Deutschlands aus!

Unter allen 298 Wahlkreisen in Deutschland gibt es einen, der so repräsentativ für das ganze Land steht wie kein zweiter. Und das schon seit unglaublichen 64 Jahren. Seit der Wahl 1953 haben die Bürger Pinnebergs immer genau so gewählt, wie die Wahl im gesamten Deutschland ausgegangen ist. Das bedeutet: Das Erststimmen-Ergebnis in Pinneberg stimmte mit dem Gesamtergebnis der Erststimmen überein. Die Partei, die bei den Pinnebergern die Nase vorne hatte, hat immer auch den Regierungschef der folgenden Legislaturperiode gestellt. 17 Mal in Folge, keine Ausnahme.

Die Theorie: Pinneberg ist eine Art Mini-Deutschland

235.000 Wahlberechtigte gibt es im Wahlkreis mit der Bond-Ziffer „007“, und über die Gründe der quasi prophetengleichen Abstimmungen kann nur spekuliert werden.

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Der aktuelle Wahlkreis-Abgeordnete Ole Schröder, der mit der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder verheiratet ist, hat dazu aber eine Theorie. Er sieht den Grund darin, dass Pinneberg insofern ein „Abbild der Republik“ sei, als das Fleckchen in Schleswig-Holstein auf kleinem Raum alles vereint, was es im Großen in Gesamtdeutschland gibt: Stadt, Land und mit Helgoland sogar eine Insel.

Pinneberger sind Wechselwähler

Die Wähler Pinnebergs sind keine Stammwähler, wie man sie in anderen Wahlkreisen findet, die normalerweise eine Partei bevorzugen. Wie es der Gesamtstimmung im Land entspricht, wechseln sie zwischen den Parteien.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat es sich ausgerechnet mit Deutschlands repräsentativstem Wahlkreis vergeigt. (Bild: ddp)

Kein Wunder also, dass SPD-Kanzlerkandidat sich kürzlich bei den Pinnebergern blicken ließ, um Wahlkampf zu machen. Die Einwohner zeigten sich allerdings mächtig verschnupft. Als Europaparlamentspräsident hatte Schulz noch gesagt: „Wir vertreten 500 Millionen Menschen, aber wir haben eine Wahrnehmung wie der Kreistag von Pinneberg.“ Autsch.

Schon innerhalb einer einzigen Stadt können die Unterschiede enorm sein

Das Gegenbeispiel zur frappierenden Kongruenz in Pinneberg findet man innerhalb einer einzigen Stadt, indem man die Abstimmungen in den unterschiedlichen Kiezen vergleicht. Ideal dafür ist die Hauptstadt Berlin, quasi das Ultimo an Vielfältigkeit.

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Dort liegt im Ortsteil Wilhelmstadt ein Wahllokal, in dem die CDU 2013 sagenhafte 53,2 Prozent der Zweitstimmen einheimste. Keine 20 Kilometer weiter bekamen die Christdemokraten in einem Wahllokal in Kreuzberg gerade einmal 4,1 Prozent der Stimmen, womit die Regierungspartei nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde genommen hätte.

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Ähnlich kurios verteilt sind die Stimmen, die 2013 in Berlin auf Die Linke entfallen sind. Inmitten der Plattenbauten in Friedrichsfelde bekam sie mit 49,5 Prozent fast die Hälfte aller abgegebenen Stimmen, wobei in einem Wahllokal im schnieken Grunewald gerade einmal 2,2 Prozent der gut betuchten Bewohner ihr Häkchen bei der Linkspartei machten.

Die Linke kam inmitten der Plattenbauten in Friedrichsfelde 2013 auf über 49 Prozent der Stimmen. (Bild: ddp)

Mit 4,8 Prozent der Stimmen fuhr die FDP 2013 ihre bislang schlechtestes Ergebnis ein und flog sogar aus dem Bundestag. Ein historische Schlappe, die ganz nach dem Geschmack der Wähler zweier Lokale in Hakenfelde und in Gesundbrunnen war: Kein einziger stimmte dort für die Liberalen. Zur gleichen Zeit wählten im reichen Berlin-Dahem im Südwesten der Stadt 18,5 Prozent die FDP.

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Die AfD, die bei der Wahl am Sonntag sogar als drittstärkste Partei in den Bundestag einziehen könnte, bekam ihren höchsten Berliner Wert 2013 in Spandau: 10,9 Prozent. In der Weinmeisterstraße in der Nähe des Hackeschen Marktes wählte dagegen niemand die Rechtspopulisten.

Manche Wahlkreise können einfach nicht aus ihrer Haut

Im niedersächsischen Cloppenburg-Vechta ist mit Überraschungen nicht viel los. Dort nämlich befindet sich eine wahre CDU-Hochburg. 2013 gaben 63,2 Prozent der Wähler den Christdemokraten ihre Zweitstimme, ein wahrer Rekord. Die Linke dagegen musste sich mit 2,8 Prozent begnügen.

Wer es lieber Rot mag, liegt in Gelsenkirchen richtig. In der Stadt im Ruhrgebiet entfielen vor vier Jahren 44 Prozent der Zweitstimmen auf die SPD, sogar zwei Prozent mehr als bei den vorangegangenen Wahlen. Am schlechtesten schnitt dort die FDP mit nur 3 Prozent ab.

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Die Linkspartei war mit 34,6 Prozent am stärksten im Berliner Osten, genauer gesagt dem Stadtteil Lichtenberg, vertreten. Neben den Linken punkteten auch die rechten Parteien vor allem im Osten. Die AfD in Görlitz mit 8,2 Prozent und die NPD mit 5,1 Prozent im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die FDP, die am Sonntag fest mit dem Wiedereinzug in den Bundestag rechnet, wurde 2013 mit 9,2 Prozent am meisten in Düsseldorf gewählt.

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