Bundestagswahl 2017: Die Highlights des TV-Duells

Schulz versus Merkel (Bild: dpa)

Am 3. September um 20:15 Uhr lief das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz. Direkt nach dem TV-Duell veröffentlichte das ZDF eine Blitzumfrage der Forschungsgruppe Wahlen. Auch die ARD ließ die Menschen abstimmen. Das Publikum fand einen klaren Sieger.

Die Befragung erfolgte zur Mitte der Sendung: Wer hat sich bisher im TV-Duell besser geschlagen? Das wollte das ZDF wissen. Die Antwort war eindeutig: 33 Prozent fanden Merkel besser, 24 Prozent Schulz. 43 Prozent sahen keinen Unterschied. Nach einer ersten ARD-Umfrage lag Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Halbzeit des TV-Duells ebenfalls vor ihrem Herausforderer Martin Schulz. 44 Prozent sagten, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Chef.

Nur die Sat.1-Zuschauer waren anderer Meinung. 40,4 Prozent fanden Martin Schulz besser, 40,3 (!) Prozent Angela Merkel. “So ein knappes Ergebnis habe ich noch nie gesehen” , sagte Sat.1-Moderator Claus Strunz.

Hier sind die Highlights des Abends:

Martin Schulz zum Absturz der SPD in den Umfragen:

“Wir hatten einen überraschenden Anstieg in den Umfragen unmittelbar nach meiner Nominierung.”

“Ich stehe für Maß und Mitte”

Die Bundeskanzlerin wird zu Beginn des TV-Duell gefragt, ob es zwei Varianten von Angela Merkel gebe. Zum Beispiel die Klima- und die Autokanzlerin. Sie meint: Nein. Sie stehe für “Maß und Mitte”.

 

 

“Die Menschen können nicht alle zu uns kommen”

Empfindet Merkel die Flüchtlingskrise als Bedrohung? Ein klares Nein. Deutschland habe lange von der Globalisierung profitiert, nun müsse man die Fluchtursachen bekämpfen, meint Merkel und sagt: “Die Menschen können nicht alle zu uns kommen”.

Abkommen mit der Türkei?

Die Bundeskanzlerin verteidigt auch weiterhin ihr Flüchtlingsabkommen mit der Türkei. Sie sei dafür scharf kritisiert worden, aber sie halte es “nach wie vor für absolut richtig”. Schulz findet aber, Erdogan hetze seine Landsleute in Deutschland auf und sagt: “Wenn ich Kanzler werde, werde ich die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei abbrechen.”

“Jetzt ist Schluss”

Schulz betont, dass es in diesem Punkt zwei verschiedene politische Konzept gebe: “Die Sprache, die Herr Erdogan versteht, ist eine andere. Nämlich die der konsequenten Haltung: ‘Jetzt ist Schluss’.”

Es kommt zu einer direkten Konfrontation zwischen Merkel und Schulz. Merkel erklärt: “Leisetreterei ist das letzte, was man braucht im Umgang mit Erdogan, aber man muss auch im Gespräch bleiben”. Schulz hatte zuvor gefordert, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen.

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Nordkorea-Konflikt: Ist Donald Trump der richtige, um zu schlichten?

Schulz findet, dass ein Mann, der mit Tweets “jede Niedertracht” in die Welt setze, nicht der richtige sei, um diesen Konflikt zu lösen. Merkel betont aber die Wichtigkeit der USA in internationalen Konflikten. “Wir müssen alles daran setzen, sie auf einen Kurs der Vernunft zu bringen”, sagt die Bundeskanzlerin.

Merkel und Schulz über Trump

Zum US-Präsidenten hat Angela Merkel eine klare Meinung: “Die Zusammenarbeit mit Trump muss auf gemeinsamen Werten stattfinden. Es gibt viele Sorgen.” Schulz sagt: “Selbst die konstruktiven Kräfte in den USA wissen ja mittlerweile nicht mehr, wann der Präsident irgendeinen Tweet raushaut und damit diplomatische Lösungsmöglichkeiten zerstört.”

Kritik im Netz für Schulz

“Wir sind verliebt ins Gelingen, nicht ins Scheitern”, sagt Schulz. Für seine Aussagen wird er im Netz heftig kritisiert:

 

Gehört der Islam zu Deutschland? 2/3 der Deutschen sagen “Nein”. Was sagt Merkel?

Der Islam gehöre zu Deutschland, so Angela Merkel – allerdings nur, wenn er verfassungskonform sei. “Wir haben vier Millionen Muslime in Deutschland. Sie tragen zum Erfolg Deutschlands bei.”

“Eine Million Menschen zu integrieren, ist eine Generationsaufgabe”

Wann werden wir in Deutschland die Flüchtlinge in Arbeit haben, fragt Moderatorin Sandra Maischberger: “Das dauert”, sagt Schulz. “Man kann nicht sagen, dass dauert ein oder anderthalb Jahre.” Aber es werde noch in unserer Generation der Fall sein. “Eine Million Menschen zu integrieren, ist eine Generationsaufgabe, ja.”

Schulz über Gerechtigkeit

“Deutschland ist ein wohlhabendes Land – aber das heißt ja nicht, dass alle Deutsche wohlhabend sind”, so Schulz. Es gäbe zu viele prekäre Beschäftigungen und Zeitarbeitsverträge. “Weil unsere Wirtschaft gerade boomt, sollten wir für mehr Gerechtigkeit sorgen.”

Merkel über Arbeitslosigkeit

Zu ihrem Amtsantritt 2005 seien es fünf Millionen Arbeitslose gewesen, heute nur noch 2,5. Allerdings gibt Merkel zu: “Jeder Arbeitslose ist einer zu viel.”

“Zum ersten Mal bezieht Frau Merkel eine ganz klare Position”

Schulz’ ironisches Lob zu Merkels deutlicher Aussage, dass die Rente mit 70 nicht komme: “Zum ersten Mal bezieht Frau Merkel heute Abend eine ganz klare Position.”

Die Maut – immer wieder die Maut

Schulz erinnert an das TV-Duell vor vier Jahren, als Merkel versprach, dass keine Maut kommen werde – die es jetzt aber gebe.

 

Merkel erwidert: “Ich habe das schon sehr oft gehört, und habe mir gedacht, dass das jetzt wieder kommt.” Sie habe schon immer gesagt, dass sie nur eine Maut zulasse, die den deutschen Autofahrer nicht zusätzlich belastet. Sie hätte sich einfach nicht vorstellen können, dass das funktioniere.

“Frau Merkel, darf ich?”

So richtig will in diesem TV-Duell keine Spannung aufkommen.

Es kommt aber zu witzigen Diskussionen. Schulz: “Frau Merkel, darf ich?” Doch die Kanzlerin lässt sich das Wort nicht nehmen und antwortet: ”Können Sie gleich!”

Was sagt Schulz zum Diesel-Skandal?

Deutsche Bürger dürfen nicht schlechter gestellt werden als Verbraucher in den Vereinigten Staaten. “Wenn da umgerüstet werden muss, müssen die Hersteller zahlen.” Deshalb befürworte Schulz eine Musterfeststellungsklage, weil ein Einzelner nichts erreichen könne. “Dieser Aufgabe müssen wir uns richtig annehmen, denn der angerichtete Schaden ist immens.”

Merkel findet: “Die Angestellten in der Automobilindustrie dürfen jetzt nicht die Dummen sein.” Sie weist außerdem den Vorwurf zurück, sie halte sich mit der Kritik an der Autoindustrie zurück und sagt: “Ich bin entsetzt und stocksauer!”

Steuern und Kindergeld?

Was hat eine vierköpfige Familie mit einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro bei Schulz als Kanzler mehr in der Tasche? Schulz: “Im Monat zwischen 200 und 250 Euro.” Angela Merkel hält mit höherem Kindergeld dagegen.

Müssen wir uns an den Terror gewöhnen, Frau Merkel?

Merkel: “Sich an diesen Terror zu gewöhnen, würde bedeuten, unsere Art des Lebens aufzugeben. Ein klares Nein.”

Um Zeit zu sparen, entscheiden sich die Moderatoren zum Schluss für eine Schnellfragerunde.

Frau Merkel, finden Sie es gut, dass die WM 2022 in Katar stattfindet?

Merkel: “Nein, nicht so gut!” Schulz findet ebenfalls: Nein.

Merkel zu Ehe für alle:

“Ich glaube, die Entscheidung, die wir im Bundestag getroffen haben, ist befriedend.“

“Ohne Papiere nicht mehr ins Land?”

Merkel widerspricht dem CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach, der gefordert hatte, Menschen ohne Papiere grundsätzlich nicht mehr ins Land zu lassen. Das sei generell nicht möglich, so Merkel.

Schlussworte von Merkel und Schulz in 60 Sekunden

Martin Schulz findet: “In 60 Sekunden kann ein verantwortungsloser Politiker die Welt zum Einsturz bringen.“ Aber: “Wir leben in einer Zeit des Umbruchs.” Dafür brauche man den Mut zum Aufbruch und müsse die Zukunft gestalten und dürfe nicht die Vergangenheit verwalten. “Gerechtigkeit, Sicherheit und Frieden in der Welt herzustellen, ist die Aufgabe in Europa“, so Schulz. Die Demokratien müssten gestärkt werden.

Merkel bedankt sich in ihrem Schlussstatement für die Zeit der Zuschauer. “Ich bitte Sie um Ihr Vertrauen. Geben Sie der CDU Ihre Stimme.” Es sei jedoch nicht ausführlich genug über die nächsten vier Jahre gesprochen worden, kritisiert sie. Merkel spricht über die Herausforderungen der digitalen Zukunft.

Dann verweist sie auf alte Erfolge: “Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre und der Neugier auf das Neue wollen wir Deutschland so gestalten, dass das Land auch in zehn Jahren noch ein modernes Land ist”. Dafür, so Merkel, möchte sie arbeiten, “für Sie und mit Ihnen”. “Ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können”, sagt sie zum Abschluss.

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