Bundesregierung verwahrt sich gegen Kritik türkischer Behörde an liberaler Moschee

Gebetsraum der Moschee in Berlin

Die Bundesregierung hat sich mit scharfen Worten gegen die türkische Kritik an einer liberalen Moschee in Berlin verwahrt. "Ich möchte hier in aller Klarheit Äußerungen zurückweisen, die darauf abzielen, Menschen in Deutschland das Recht zur freien Ausübung ihrer Religion abzusprechen", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung sei "sehr überrascht und auch ziemlich betroffen von manchen Stellungnahmen" aus der Türkei.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hatte zuvor die neu eröffnete liberale Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin scharf kritisiert und von einem "Versuch zur Verfälschung der Religion" gesprochen. Dies falle nicht unter die Glaubens- und Meinungsfreiheit. Der Direktor der Behörde, Mehmet Görmez, rückte die Moschee zudem in die Nähe der von der türkischen Regierung als Terrororganisation verfolgten Gülen-Bewegung.

Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums äußerte "Befremden" über die Bewertungen aus der Türkei. Diese gefährdeten zudem den Religionsfrieden innerhalb Deutschlands und könnten daher nicht so einfach hingenommen werden. Das Problem werde daher auch bilateral mit den Partnern in der Türkei besprochen.

Die Berliner Anwältin und Imamin Seyran Ates hatte vor einer Woche in Räumlichkeiten einer protestantischen Kirche im Stadtteil Moabit eine Moschee eröffnet, in der Frauen und Männer nebeneinander beten können. Sie soll Muslimen aller Glaubensrichtungen offenstehen. Die Frauenrechtlerin will damit einen Ort des liberalen Islam schaffen und eine Alternative zu den Moscheen der konservativen Islamverbände bieten.