Bundesregierung hebt Konjunkturprognose kräftig an

Statt 1,5 jetzt 1,9 Prozent – die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich angehoben. Auch für 2018 sind die Experten optimistischer. Das hat auch Auswirkungen auf die Koalitionsverhandlungen.


Der Aufschwung in Deutschland hält unvermindert an. So hat die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich angehoben. Statt einem Plus von 1,5 Prozent erwarten die Experten im Bundeswirtschaftsministerium nun ein Wachstum von 1,9 Prozent. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Auch für 2018 sind die Konjunkturexperten optimistischer: Die Bundesregierung rechnet jetzt mit einem Plus von zwei Prozent, nachdem sie im Frühjahr noch von 1,6 Prozent ausgegangen war.

Deutschland profitiere spürbar von der weltwirtschaftlichen Entwicklung, die deutlich besser sei als noch im Frühjahr erwartet, hieß es. Ebenso lägen die Inlandsinvestitionen über den damaligen Erwartungen. Auch habe das Statistische Bundesamt erneut Angleichungen vorgenommen, die die Zahlen nach oben schieben. „Der Wirtschaft geht es gut“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) dem Handelsblatt. Zu den Wachstumszahlen wollte sie keine Stellung nehmen. Allerdings gehe „der Trend nach oben“. Das hätten auch die Wirtschaftsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose gezeigt. „Die Zahlen haben sich besser entwickelt, als Anfang des Jahres gedacht.“


Nicht auszuschließen sei, dass die Bundesregierung die Prognose für das laufende Jahr noch auf 2,0 Prozent anhebe, hieß es. Darüber werde die Abteilungsleiter-Runde unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag entscheiden. Ein Grund dafür sind neue Konjunkturdaten, die auf ein noch stärkeres Wachstum in diesem Jahr hindeuten.

So hielt der Freitag für die deutsche Wirtschaft wieder mal gute Nachrichten parat. Die Auftragseingänge der Industrie stiegen um 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. „Ein Ende des Aufschwungs ist nicht in Sicht“, konstatierten die Konjunkturforscher der Commerzbank, deren eigener Konjunkturindikator ebenso nochmals angestiegen ist.

Vergangene Woche hatten bereits die führenden Wirtschaftsinstitute ihre Prognose nach oben revidiert. Auch sie erwarten für dieses Jahr ein Plus von 1,9 Prozent und für 2018 von zwei Prozent. Und nach Informationen des Handelsblatts wird auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das laufende Jahr nächste Woche anheben.


Bislang prognostizierte der IWF für Deutschland noch ein Plus von 1,8 Prozent. In seiner neuen Konjunkturprognose, die am kommenden Mittwoch vorgestellt wird, soll das Wachstum „leicht höher“ ausfallen, hieß es. Der IWF dürfte wie die Bundesregierung ein Wachstum von 1,9 oder 2,0 Prozent vorhersagen.

Ein solches Wachstum ist für Deutschland sehr ordentlich. Forscher sehen das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft eigentlich eher auf 1,5 Prozent. Deutschland wächst damit längere Zeit so überdurchschnittlich stark, dass zuletzt Sorgen aufkamen, die deutsche Wirtschaft könne womöglich überhitzen und danach abstürzen. Auch wenn es auf dem Arbeitsmarkt zu Engpässen komme, sei eine allgemeine Überhitzung derzeit aber noch nicht zu befürchten, schrieben die Wirtschaftsinstitute vergangene Woche.

Die neue Prognose der alten Bundesregierung vergrößert auch den Spielraum für die darauffolgende Koalition. Denn die neue Vorhersage bildet die Grundlage für die Steuerschätzung Anfang November. Sie dürfte nun abermals kräftig nach oben korrigiert werden, und das genau in den wahrscheinlichen Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen hinein. Das wird die Ausgabenwünsche von Jamaika sicher nicht kleiner werden lassen.