Bundesregierung erwartet für 2018 weiter kräftiges Wirtschaftswachstum

Bundesregierung erwartet für 2018 Wachstum von 2,4 Prozent

Die deutsche Wirtschaft geht nach Auffassung der Bundesregierung "gestärkt in die Zukunft". Für 2018 wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent erwartet, wie aus dem am Mittwoch vom Kabinett in Berlin beschlossenen Jahreswirtschaftsbericht hervorgeht. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer sehr guten Verfassung", erklärte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Bereits in ihrer Herbstprojektion hatte die Regierung ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich auf 1,9 Prozent angehoben. Im vergangenen Jahr wuchs die deutsche Wirtschaft so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr - das BIP legte im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent zu. In ihrem im vergangenen Januar beschlossenen Jahreswirtschaftsbericht war die Bundesregierung von einem Konjunkturplus von 1,4 Prozent für 2017 ausgegangen.

Für 2018 erwartet die Bundesregierung laut Zypries nun eine "Fortsetzung des Aufschwungs". Dieser komme auch bei den Arbeitnehmern an: Die realen Nettolöhne und -gehälter seien seit 2013 "durchschnittlich um mehr als 1,6 Prozent pro Jahr gestiegen", erklärte die Ministerin.

In weiterhin guter Verfassung befindet sich demnach auch der Arbeitsmarkt: Für 2018 geht die Bundesregierung davon aus, dass weitere 490.000 Menschen einen Arbeitsplatz finden. 2017 lag die Zahl der Erwerbstätigen dem Statistischen Bundesamt zufolge bei rund 44,3 Millionen und damit auf einem neuen Höchststand. Die Arbeitslosigkeit sank auf 5,7 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mahnte, die gute Konjunktur dürfe den Blick auf die Herausforderungen nicht trüben. "Trotz der verbesserten wirtschaftlichen Lage bewerten die hiesigen Betriebe wichtige Standortfaktoren wie etwa die Verkehrsinfrastruktur, das Fachkräfteangebot oder das Steuersystem zunehmend schlechter", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Entscheidend sei daher, dass eine neue Bundesregierung den konjunkturellen Schwung nutze, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Das Wachstum sei "kein Selbstläufer", warnte auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. Es sei "grundfalsch, sich im neunten Aufschwungsjahr von der weiterhin guten deutschen Wirtschaftsleistung blenden zu lassen". Er kritisierte vor allem die Steuerpläne in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD. Diese ließen "die Unternehmen links liegen", erklärte Kempf. Eine Entlastung der Unternehmen beim Solidaritätszuschlag sei überfällig. "Statt komplizierter Berechnungsmethoden sollten die Koalitionäre den Soli für alle auf drei Prozent senken", forderte der BDI-Präsident.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte, der Jahreswirtschaftsbericht strotze "vor Zahlenakrobatik, Eigenlob und Leerstellen". Beim Breitband-Ausbau reiße die Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) "erneut die selbst gesetzten Ziele, zu den Umweltkosten findet sich kein Wort und immer noch bleiben Millionen Menschen abgehängt", erklärte Hofreiter. Ohne eine gerechtere Verteilung von Wohlstand und Chancen bleibe "Deutschland gespalten".