Bundesliga: Zwischen Big Player und Schnäppchentisch

Das Transferfenster ist mit Wirkung vom 31. August geschlossen. Die Bundesliga hat sich der Inflation angepasst. Doch ist sie auch konkurrenzfähiger geworden?

James Rodriguez wechselte von Real Madrid zum FC Bayern

Ousmane Dembele für 105 Millionen Euro und Neymar für 222 Millionen Euro: Das vergangene Transferfenster in Europa stieß abermals in neue Dimensionen vor. In Spanien, England und zum Teil auch Italien wurden neue Rekorde beinahe täglich durchgeführt.

Zahlreiche Klubs vermeldeten ihren teuersten Neuzugang der Geschichte oder freuten sich über nie geahnte Summen auf dem eigenen Konto. Der Bundesliga erging es nicht viel anders und doch hielt sich Deutschlands Elite auf dem Markt vergleichsweise zurück.

Selbst der Branchenprimus, der FC Bayern München, bewegte sich erstaunlich deutlich im Hintergrund. Corentin Tolisso ist der größte neue Name an der Säbener Straße – zumindest was die Ablösesumme angeht.

Rodriguez von Bayern nur geliehen

Der Fall James Rodriguez, der von Real Madrid ausgeliehen wurde, zeigt sehr gut, wie abwartend und vorsichtig selbst ein Riese wie der FCB die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt verfolgt. Die Inflation, nicht zuletzt durch die neuen TV-Verträge ausgelöst, ist enorm angestiegen.

Der englische Absteiger AFC Sunderland erhielt am Ende der Saison einen ähnlich hohen Betrag wie der FC Bayern München aus der Vermarktung seiner Fernsehrechte. Keine guten Voraussetzungen für die Bundesliga, die schon in den letzten Jahren als Preistipp galt.

Eine Mannschaft wie RB Leipzig, in der neuen Saison immerhin in der Champions League vertreten, nimmt als krasser Außenseiter rund 30 Millionen Euro pro Saison ein, Sunderland steht bei mehr als 100 Millionen Euro.


Klubs verhandeln hart

Gleichwohl hielten sich die Aderlässe im Sommer 2017 gering für die deutschen Klubs. Sicherlich verlor Borussia Dortmund mit Dembele eines der größten Talente der Welt oder der 1. FC Köln mit Anthony Modeste einen der besten Stürmer der Liga.

Doch Dortmund ließ Barcelona für Dembele bluten und Köln zeigte sich als harter Verhandlungspartner gegenüber den Chinesen von Tianjin Quanjian. Eine Schnäppchenwiese ist die Bundesliga in der Nachbetrachtung nicht mehr.

Wohl haben sich die Verantwortlichen der Inflation angepasst. Der BVB legte für Maximilian Philipp 20 Millionen Euro auf den Tisch, Schalke investierte ohne internationalen Wettbewerb im Rücken mehr als 45 Millionen Euro in neue Spieler.

England noch immer weit vorne

Diese Summen reichen aber noch lange nicht aus, um mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Rund 2,5 Millionen Euro gab ein Bundesligist im Schnitt pro Neuzugang aus, derer 5,7 sind es in England.

Die Bundesliga hat neue Mittel und Wege gefunden, sich den starken Kräften auf dem Markt zu erwehren. Perspektive für junge Spieler, volle Stadien und sehr gut ausgebildete Trainer locken manchen Spieler am Anfang seiner Karriere.

Langfristige Verträge binden Spieler und machen sie für etwaige Interessenten teuer. Dortmund mit Dembele mag hier als Beispiel dienen: Der Franzose wurde schon 2016 von Barcelona umworben, entschied sich damals aber für mehr Einsatzzeiten. Ein Jahr später ging er für ein Vielfaches der einstigen Summe.


Mehr Sprungbrett als Big Player

Das macht die Bundesliga noch lange nicht zu einem Big Player auf dem Markt. Aber Deutschlands Oberhaus hat seine Mittel und Wege gefunden, sich zu behaupten. Der nächste Schritt muss aber folgen, denn momentan wurde aus dem einstigen Schnäppchenparadies eine Sprungbrettliga.

Die Verluste von Naby Keita, den es 2018 zum FC Liverpool zieht oder Max Meyer, der S04 ebenfalls im kommenden Sommer verlassen wird, machen klar: Nun müssen auch Argumente folgen, um der Liga auf lange Sicht treu zu bleiben.

Im Video: Die teuersten Bundesliga-Neuzugänge des Sommers