Bundesliga: Videobeweis soll besser funktionieren als beim Confed-Cup

Minimaler Eingriff, maximaler Nutzen - der Videobeweis soll kommende Saison in der Bundesliga deutlich besser funktionieren als derzeit beim Confed-Cup. Das Training läuft seit einem Jahr auf Hochtouren.

Minimaler Eingriff, maximaler Nutzen - der Videobeweis soll kommende Saison in der Bundesliga deutlich besser funktionieren als derzeit beim Confed-Cup. Das Training läuft seit einem Jahr auf Hochtouren.

"Natürlich, das steht völlig außer Frage", sagte Projektleiter Hellmut Krug dem SID: "Wir haben jetzt ein Jahr sehr intensiv trainiert." Die Schiedsrichter-Teams in Russland seien dagegen nur an "vielleicht" elf Tagen geschult worden.

Während der neue Video-Assistent beim Confed-Cup manchmal mehr Verwirrung als Klarheit schafft, Elfmeter nicht gegeben, Spieler beim Platzverweis verwechselt werden und man immer wieder fragende Blicke Richtung Referee sieht, wollen Krug und sein Team ab August deutlich geräuschloser und effizienter arbeiten. "Es wird viel im Hintergrund ablaufen, das bekommt die Öffentlichkeit vielleicht gar nicht so mit", sagte Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich: "Und trotzdem wird alles überprüft."

Bei einem Workshop in Hannover haben Krug und Ittrich nun vorgestellt, wie der Video-Assistent künftig arbeiten soll. Während der Partien werden dafür vier Personen an einer Arbeitsstation in Köln mit vier Bildschirmen sitzen, die teilweise über Splitscreens verfügen: der Videoassistent, zwei Operatoren, die möglichst schnell die strittigen Videoszenen aus mehreren Perspektiven aufbereiten sollen, sowie ein Supervisor, der dem Videoschiedsrichter beratend zur Seite steht.

Die laufende Testphase habe ergeben, dass in der Vorsaison von "104 spielrelevanten Fehlentscheidungen 77 bei optimalem Verlauf hätten korrigiert werden können", sagte der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Krug. Eine Fehlerquote von null Prozent kann und wird es also nicht geben. Es gehe vielmehr darum, "klare Fehler zu vermeiden". Zudem wird aus Köln virtuell nur bei spielentscheidenden Situationen eingegriffen: Tor oder nicht Tor, Elfmetersituationen, Platzverweise und Spielerverwechslungen.

"Es wird immer Graubereiche geben"

"Es wird immer Graubereiche geben", sagte Ittrich. Selbst nach der Prüfung der Videobilder seien viele Szenen immer noch strittig, in diesen Fällen würde der Videoassistent den Schiedsrichter auf dem Rasen nicht überstimmen, er bleibt der Boss. "Wir wollen, dass die dicken Fehler vermieden werden", sagte Ittrich.

Nach einer Spielfortsetzung sind keine Änderungen der Schiedsrichter-Entscheidungen mehr möglich - Ausnahmen sind Tätlichkeiten. Eine maximale Beratungszeit zwischen Videoassistent und Schiedsrichter ist nicht vorgeschrieben, "so schnell wie möglich" sollten die strittigen Szenen geklärt werden, sagte Krug.

Derzeit ist es zudem nicht geplant, dass die überprüften Aktionen in den Stadien auf der Videoleinwand gezeigt werden, um den Fans das Ergebnis vor Ort auch visuell zu erklären. Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) hätten davon abgeraten, zunächst sollten Erfahrungen sowie Daten gesammelt und ausgewertet werden. Das Ergebnis der Beratungen zwischen Referee und Videoschiedsrichter sowie Erklärungen zu den Entscheidungen sollen aber schriftlich in "Wortblöcken" eingeblendet werden.

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